Harburg
Soulvillage

Legendäre Soulkitchenhalle soll als Dorf wiederauferstehen

Foto: Thomas Sulzyc

Der neu gegründete Verein Stadtkultur Hafen plant Nachfolger der Soulkitchenhalle am Veringkanal in Wilhelmsburg: einen 10.000 Quadratmeter großen Abenteuerspielplatz für Kreative namens Soulvillage.

Wilhelmsburg. Freunde klassischer Musik treffen sich am Wilhelmsburger Veringkanal und hören aus dem Stream ein Konzert aus der Elbphilharmonie. Nebenan bauen Stadtfarmer Tomaten an.

Und während Kinder am Kulturkanal-Strand elektrisch betriebene Modellboote zu Wasser lassen, trage junge Rockmusiker ein Schlagzeug auf die schwimmende Bühne, eine 120 Jahre alte Schute.

Geht es nach dem Kulturvisionär Mathias Lintl, dem Erfinder der Soulkitchenhalle, könnte in Wilhelmsburg eine Oase vor Containerlandschaft entstehen, um die ganz Hamburg den Stadtteil beneiden würde.

Zwei Jahre nach der Zwangsschließung der Soulkitchenhalle plant der neu gegründete Verein Stadtkultur Hafen um Soulkitchen-Chefkoch Mathias Lintl und den Vorsitzenden Alexander Reichert am Veringkanal den Nachfolger: Auf 10.000 Quadratmetern wollen Kreative das Soulvillage bauen – ein Abenteuerspielplatz ähnliches Kunst- und Kreativdorf in Modulbauweise aus Containern, Betonlegosteinen und Sandsackwänden.

Auf einer Schute im Veringkanal hat jetzt der Verein Stadtkultur Hafen die Idee eines Paradieses für Künstler und Lebenskünstler vorgestellt.

Die Kreativen stehen unter Zeitdruck, denn ihnen droht die ausgespähte Brache an der Industriestraße 101/105 abhanden zu kommen. Am Veringkanal treffen Begehrlichkeiten der Hafen- und Logistikwirtschaft und Interessen von Kulturschaffenden aufeinander.

Damit das Projekt Soulvillage eine Chance auf Verwirklichung an, müsste die Freie und Hansestadt Hamburg zunächst das Planrecht ändern. Der Verein mit aktuell acht Mitgliedern würde anschließend das Gelände um die leer stehende Soulkitchenhalle für mindestens zehn Jahre Entwicklungszeit pachten.

Stadtkultur Hafen fordert deshalb den Senat auf, die Soulkitchenhalle nicht abzureißen. Ferner solle die Stadt die vorgesehene Fläche nicht an Wirtschaftsunternehmen veräußern oder verpachten. Immerhin prüft das Bezirksamt Hamburg Mitte, am 1,6 Kilometer langen Veringkanal konzentriert Künstler und Kreativwirtschaft anzusiedeln.

Diese Idee eines Kulturkanals hat jetzt der Grünen-Spitzenkandidat zur Wahl der Hamburger Bürgerschaft, Jens Kerstan, öffentlich unterstützt. Soulvillage könnte Teil des Kulturkanals sein.

Das kreative Dorf will seinen Einwohnern Möglichkeiten der Geselligkeit, der Produktion und Präsentation von kulturellen Gütern bieten. Wie damals in der Soulkitchenhalle sollte nichts dem kommerziellen Konsumzwang unterliegen. Soulvillage böte vielmehr Raum für Experimente.

Das Herz des Dorfes wäre die alte Soulkitchenhalle. Die Kreativen wollen das Gebäude baulich ertüchtigen und seiner Bestimmung als Kathedrale der Subkultur zurückgeben. Sie soll wieder Ort von Barkonzerten, Dreharbeiten, Geburtstagsfeiern und Varieté-Abenden sein.

Nach und nach erhielte das Soulvillage einen Kulturkanal-Stand unter Sonnensegeln, vertikale Gärten für Stadtgärtner und Stadtfarmer und Übungsräume für Bands. Der Kulturvisionär Mathias Lintel sprudelt vor Ideen über. Er könne sich eine New Media Gallery vorstellen, einem Labor für Video-, Klang- und Lichtkünstler. Oder auch einen Haustierfriedhof.

Geografisch läge das Soulvillage mit der Elbphilharmonie auf einem Längengrad, sagt Mathias Lintl. Warum sollte dann nicht Klassikliebhaber in einem digitalen Konzertsaal am Veringkanal live aus dem Stream den Auftritt der Berliner Philharmoniker „nebenan“ hören? Nicht jeder könne sich Eintrittskarten zur Elbphilharmonie leisten und erhielte im Soulvillage den Zugang zur Hochkultur, sagt Lintl.

„Wir wollen Kultur im öffentlichen Raum fördern und Trends erforschen“, sagt Alexander Reichert. Im Soulvillage könnten Designer und Architekten Freiflächen nutzen, um eine innovative Container-Architektur zu zeigen. „Tomatenfisch“ wäre so ein Experiment, bei dem Fisch- und Tomatenzucht verknüpft werden.

Der Verein Stadtkultur Hafen stellt seine Soulvillage-Idee am Donnerstag, 19. Februar, 18.30 Uhr, in der Mokrystraße 1 in Wilhelmsburg öffentlich vor. Die Kreativen hoffen auf eine intensive Diskussion mit den Bürgern.

Die etwa andere Werbekampagne startet im April 2015 mit einem Rudelrudern auf dem Veringkanal. Und ab dem 31. Mai denkt das Soulkitchen-Personal an die Lebewesen im Veringkanal und wird das Gewässer mit Sauerstoff anreichern: „Blubber bei die Fische“ heißt die Aktion.