Harburg
Leserbrief an die Redaktion

Flüchtlinge brauchen Hilfe

21. Januar: „Apartmenthaus wird verkauft“

„Ich respektiere die Meinung meines Verkäufers Horst-Dieter Heitmann und seinen Entschluss, den restlichen eigenständigen Komplex, das Hotel Rosengarten, dem Landkreis nicht zur Verfügung zu stellen. Für die ermöglichte Besichtigung meiner erworbenen Teilimmobilie, das Apartmenthaus an der Hamburger Straße in Tötensen, durch die Landkreismitarbeiter, möchte ich mich nochmals bei ihm bedanken.

Ich frage mich nur schon lange: „Wo seid Ihr Kriegskinder und Nachkriegskinder, die davon erzählen können, was es heißt, auf der Flucht gewesen zu sein, oder mit körperlich und seelisch verletzten Eltern und Großeltern aufzuwachsen!“ Die Heimat zu verlassen, erfordert erheblich mehr Mut, als einem Fremden eine neue zu geben. Wo seid ihr Baulöwen Hamburgs und Umgebung, welche teilweise selbst oder mit der älteren Generation ganze Straßenzüge kontrollieren. Ein Bauprojekt in einer guten Lage verträgt ohne finanziellen Schaden, gerade im Hinblick auf die aktuelle Zinsbelastung, eine Verschiebung um mehrere Jahre.

Die zu erwartenden Schmähungen verlaufen meist glimpflich, und wer aus Altersgründen seinem natürlichen Ende näherkommt, könnte in Anbetracht der ihm verbleibenden Zeit hier auf Erden etwas Positives bewirken.

Ich bin 37 Jahre alt, zähle mich zum Mittelstand und werde vielleicht durch meine Entscheidungen, über die ich nur mir selbst Rechenschaft schuldig bin, Ausgrenzung erfahren. Aber meine Kindheit, in der ich mit Libanonkriegskindern aufwuchs, hat mich geprägt. Ich wünsche mir, dass dieses schier grenzenlose Problem nicht auch durch meine Generation gelöst werden muss, der demografische Wandel zwingt uns bereits heute, insbesondere im Baugewerbe, in die Knie.

Steffen Lücking

(Anm. d. Red.: Der Autor ist Garten und Landschaftsbauer in Langenrehm. Er hat das Apartmenthaus an der Hamburger Straße in Tötensen gekauft und dem Landkreis Harburg als Unterbringungsmöglichkeit für Flüchtlinge angeboten.)

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