Harburg
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Schüler planen Flüchtlingschor

Die Sänger von Gospel Train haben Bewohner der Zentralen Erstaufnahme zum Benefiz-Konzert im CCH eingeladen

Harburg. Wenn der Lions Club Hamburg-Hammonia und der Leo-Club Hamburg am 31. Januar um 19 Uhr zum großen Benefiz-Konzert zugunsten der Hamburger Obdachlosen-Initiative „Herz As“ in den Saal 2 des CCH am Bahnhof Dammtor bitten, gehört Gospel Train, der weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannte Chor der Goethe-Schule-Harburg, wieder zu den Hauptprotagonisten. Doch diesmal bereichern die Sänger mit ihren grandiosen Arrangements von Welthits und Evergreens nicht nur das Showprogramm auf der Bühne, sondern auch die Plätze im Auditorium. Denn eingeladen wurden erstmals Bewohner von Harburger Flüchtlingsunterkünften.

„Entstanden ist die Idee im Nachgang unseres Auftritts bei der großen Flüchtlingskonferenz am 18. Dezember in Berlin mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und der Staatsministerin Aydan Özoğuz, Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration“, berichtet Chorleiter Peter Schuldt. Gemeinsam sei immer wieder diskutiert worden, was die Sänger für die vielen in Harburg gelandeten Flüchtlinge tun könnten: „So wurde unter anderem vorgeschlagen, Bewohner der Zentralen Erstaufnahme am Harburger Bahnhof und auf dem Schwarzenberg zu unserem nächsten großen Konzert einzuladen.“

Die notwendigen Kontakte waren schnell geknüpft. Zum Beispiel zum Anfang Dezember vergangenen Jahres gegründeten Harburger Integrationsrat. Dort wurde die Idee begeistert aufgenommen. „Solche Angebote, die etwas Abwechslung in den Alltag der Flüchtlinge in den Camps bringen, sind wichtig und dringend notwendig“, sagt Doris Wache, im Integrationsrat Stellvertreterin für die Region Südamerika. Umgehend habe sie daraufhin mit der Unterkunftsleitung für beide Standorte Verbindung aufgenommen, um den Bewohnern die Offerte zugänglich zu machen. „In dieser Woche werden Listen ausgehängt, auf denen sich Interessenten eintragen können. Ich hoffe, wir können viele für dieses Konzert begeistern“, so Wache.

Geklärt ist bereits, wie die Flüchtlinge ins CCH kommen. Für einen Bustransfer sorgen die Lions-Clubs Harburger Berge und Harburg-Altstadt. „Wir fanden die Idee großartig und wollten sie auf jeden Fall unterstützen“, sagt Professor Wolfgang Stein vom Lions Club Harburger Berge, der zugleich Mitglied im Integrationsrat ist. Mit einem einzigen Telefonat war auch der Lions Club Harburg-Altstadt im Boot, dessen Vertreter ebenfalls spontane Bereitschaft zur Unterstützung bekundeten. „Dass wir das auf dem kurzen Dienstweg so schnell klären konnten, zeigt, wie groß die Hilfsbereitschaft in Harburg wirklich ist“, so Professor Stein. Das gilt übrigens auch für den Lions Club Hamburg-Hammonia, der das Kartenkontingent für die Flüchtlinge bereitstellt.

Whitney Akowuah, einer der prominentesten Sängerinnen von Gospel Train, war diese Aktion aber längst nicht genug. Die 24 Jahre alte Studentin, die vor fünf Jahren das Abitur an der Goethe-Schule meisterte und in diesem Jahr an der Uni in Münster ihren Master in Politikwissenschaft machen will, um später für die Vereinten Nationen zu arbeiten, regte an, künftig regelmäßig gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingseinrichtungen zu singen. „Ich bin überzeugt, das würde ihnen helfen, hier wirklich anzukommen und Kontakte zu knüpfen“, sagt sie.

Peter Schuldt, der am vergangenen Wochenende zur Auftaktveranstaltung des Kulturjahres 2015 auf der Elbinsel Finkenwerder gerade mit dem Kulturpreis „Finkenwerder Apfel“ geehrt worden ist, unter anderem für seine Verdienste als Leiter des Männerchors Liedertafel Harmonie von 1865, will auch diese Idee nach Kräften unterstützen. „Ich begleite gern Projekte, die nachhaltig sind. Wenn es da zu einer Kooperation mit der Goethe-Schule käme, wäre ich sicher dabei“, sagt Schuldt. Derzeit gebe es viele Ideen, die parallel entstünden und verfolgt würden. So hat im „Café Refugio“ auch der langjährige Chorleiter und Pianist Reinhard Laun angeboten, die Gründung eines Flüchtlingschores aktiv zu begleiten.

Benefiz-Konzert für die Hamburger Obdachlosen-Initiative „Herz As“ am Sonnabend, 31. Januar, um 19 Uhr im CCH, Saal 2, am Bahnhof Dammtor. Mitwirkende: Gospel Train, die Sängerin Lunis und The Ottoneans (Chor der Otto Group) und der Gruppe Mumpitz. Karten zu 11 bis 17 Euro plus Gebühren über www.ticketmaster.de