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Elbregion soll Schutzgebiet werden

Naturschutzverband will „Hamburgische Elblandschaft“ bei der UNESCO als Biosphärenreservat anmelden lassen

Harburg/Wilhelmsburg. Bereits seit fast 25 Jahren ist an der Elbmündung, westlich von Cuxhaven, das UNESCO Biosphärengebiet „Hamburgisches Wattenmeer“ oder auch „Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer“ ausgewiesen und etwa 100 Kilometer südöstlich von Hamburg gibt es seit 2002 das UNESCO-Biosphärenreservat „Niedersächsische Elbtalaue“. Dazwischen, im Stadtgebiet von Hamburg, könnte in Zukunft als weitere Schutzzone das UNESCO Biosphärengebiet „Hamburgische Elblandschaft“ eingerichtet werden. Der Hamburger Naturschutzverband für ökologische Planung, kurz GÖP, arbeitet seit 2012 an diesem Ziel und ist derzeit dabei, für das Vorhaben eine möglichst breite Unterstützung durch Bürger, Organisationen, Politik und Verwaltung aufzubauen. Letztlich müssten Bürgerschaft und Senat das Gebiet der Hamburgischen Elblandschaft bei der UNESCO, der Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, anmelden.

Zur Bürgerschaftswahl haben sich die Grünen das Biosphärenreservat Hamburgische Elblandschaft zum Thema gemacht. GÖP-Geschäftsführer Kai Schmille kann sich vorstellen, dass sich die künftige Bürgerschaft mit dem Vorhaben befassen wird. Falls nicht, würde es als dringliches Projekt von der GÖP weiter entwickelt werden. In einem jetzt vorgelegten Zwischenbericht stellt Schmille fest, dass die bisher diskutierten Entwicklungsschritte in den meisten Fällen auf Zustimmung gestoßen sind. Schmille: „Vereinzelt sind auch skeptische Stimmen zu hören.“ Bereits zum Auftakt vor eineinhalb Jahren waren Vereine, Organisationen und Bewohner Harburgs eingeladen, Beschlussvorlagen eines Koordinationskreises zu diskutieren. Demnach soll das Gebiet eine Modellregion der nachhaltigen Regionalentwicklung werden. Durch freiwillige Kooperation aller im Gebiet lebenden Akteure sollen das Ansehen der Region gestärkt, ökologische Standards verbessert, neue ökonomische Perspektiven erscghlossen, die Eigenart des Gebiets bewahrt und mehr Teilhabe des Einzelnen ermöglicht werden.

Das Biosphärengebiet Hamburgische Elblandschaft betrifft die gesamte Elbaue in Hamburg mit den Vordeichflächen, den eingedeichten Marschen in den Bezirken Bergedorf und Harburg - auch mit großen Teilen des Geesthanges einschließlich der Harburger Berge oder auch der Harburger Naturschutzgebiete Fischbeker Heide und Schweenssand sowie Rhee und Heuckenlock in Wilhelmsburg. Nördlich der Elbe wäre der Hamburger Teil des Nationalparks Wedeler Au bei Blankenese einbezogen sowie der Bereich Billstedt/Kirchsteinbek mit der Glinder Au im Bezirk Mitte. Eine Gesamtfläche von 30.000 Hektar ist für die Anmeldung als Biosphärenreservat vorgesehen. Davon würde der Bezirk Bergedorf mit 13295 Hektar den größten Anteil beisteuern, gefolgt von Harburg mit 8495 Hektar.

Die Einrichtung als Biosphärenreservat ist laut Schmille von der UNESCO an die Bedingung geknüpft, dass die Mehrheit der im Gebiet lebenden Menschen dieses Vorhaben unterstützt und sich beteiligt. Schmille: „Eine solche Gebietsausweisung kann nicht von oben herab verordnet werden. Das umweltschonende Verhalten mit dem Schutz der Natur- und Kulturlandschaft muss gelebt werden.“ Bislang habe sich die Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) nicht an der Diskussion beteiligt. Die Funktion von Hafen und Schifffahrt würden auch nicht in Frage gestellt werden. Die Debatte käme erst, wenn sich Senat und Bürgerschaft für die Anmeldung der Hamburgischen Elblandschaft bei der UNESCO entschieden hat.

Und was ist in dem Zusammenhang mit Moorburg? Schmille: „Die Bewohner Moorburgs haben großes Interesse an dem Biosphärenreservat. Aber – auch wenn Hamburg derzeit keine Absicht hat, Moorburg für Hafenerweiterung zu nutzen, so dürfte HPA langfristig auf die Festlegung Moorburgs als Hafenerweiterungsgebiet bestehen. Die Details wären abzustimmen. Nach Möglichkeit sollte nur die Fläche von 30.000 Hektar nicht schrumpfen, weil sie die Minimalgröße für ein Biosphärenreservat darstellt.“

Als Unterstützer haben sich unter anderem der Angelsportverband Hamburg, die Arbeitsgemeinschaft der Natur- und Umweltbildungsstätten, der Imkerverband Hamburg, der Landesjagd- und Naturschutzverband Hamburg, der Ökologische Jagd-, Fischerei- und Naturschutzverband Hamburg sowie der Verkehrsclub Deutschland bekannt.