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Bürger ärgern sich über massiven Leerstand in Wilhelmsburg

Der Stadtteilbeirat Wilhelmsburg will den Leerstand in von städtischen Unternehmen verwalteten Gewerbegebäuden in Wilhelmsburg nicht länger hinnehmen. Er fordert, die Mieten im Gewerbehof Am Veringhof zu senken

Wilhelmsburg Der Leerstand in von städtischen Unternehmen verwalteten Gewerbegebäuden in Wilhelmsburg stößt bei der Bevölkerung zunehmend auf Unverständnis. Der Beirat für Stadtentwicklung Wilhelmsburg schlägt deshalb vor, die Mieten in dem Gewerbehof Am Veringhof 9-23 deutlich zu senken, um die Vermietung anzukurbeln. Hilfsprojekte für Flüchtlinge sollten demnach keine Miete zahlen.

Der Antrag an die Bezirksversammlung Hamburg Mitte, den der Stadtteilbeirat am Mittwochabend einstimmig beschlossen hat, geht auf die Initiative von Gottfried Eich zurück. Der Lehrer an der Stadtteilschule Wilhelmsburg hat den Eindruck, dass etwa die Hälfte der Flächen in dem Gewerbehof Am Veringhof leer stünden. Er hält es für skandalös, dass städtische Gebäude über Jahre ungenutzt bleiben.

Der Vorschlag zu den Gewerbegebäuden Am Veringhof 9 bis 23 sieht deshalb vor, ein Drittel der Flächen Hilfsprojekten für Flüchtlinge kostenlos zur Verfügung zu stellen. Sie sollen lediglich die Betriebskosten erstatten. Ein weiteres Drittel der Flächen sollten zu dem sehr günstigen Quadratmeterpreis von vier Euro angeboten werden und das übrige Drittel für sechs Euro pro Quadratmeter. In den Veringhöfen würden dagegen Mieten von 6,50 Euro pro Quadratmeter verlangt. Die Rede ist auch von sozialen Dienstleistern, die 8,50 Euro zahlen würden.

Adressat des Vorschlags ist die städtische Sprinkenhof GmbH, die im Auftrag der Hamburger Gesellschaft für Gewerbebauförderung, ebenfalls ein städtisches Unternehmen, den Gewerbehof Am Veringhof verwaltet. Der Stadtteilbeirat vertritt die Auffassung, dass die städtischen Unternehmen mit ihrer Vermietungspolitik Gebäude sinnlos leer stehen ließen.

Gottfried Eich gibt zu bedenken, dass die Gewerbehöfe der Hans E.H. Puhst Grundstücksverwaltung gut vermietet seien. Damit deutet er an, dass das privatwirtschaftliche Unternehmen offenbar glücklicher agiere als die Sprinkenhof GmbH. Beiratsmitglied Michael Ulrich weist darauf hin, dass das städtische Wohnungsunternehmen Saga/GWG Existenzgründern in Wilhelmsburg, Betriebsräume zum Quadratmeterpreis von drei Euro vermiete. Es gebe also Vorbilder in der Nachbarschaft für eine andere Mietpreispolitik, sagt Michael Ulrich.

Der Stadtteilbeirat mahnt mit seinem Vorschlag die Sprinkenhof GmbH, als städtisches Unternehmen soziale Verantwortung zu übernehmen. Leer stehende Gebäude könnten für die Integration von Flüchtlingen wertvoll sein. Ein Unternehmensberater sei bereit, Flüchtlinge auf die wirtschaftliche Selbstständigkeit in Deutschland vorzubereiten. Das könnte in den nicht vermieteten Räumen in den Veringhöfen geschehen, sagt Gottfried Eich.

Der Vorschlag des Stadtteilbeirates stößt auch auf einzelne Mahner: Volker Schenk (SPD) warnt davor, eine gewerbemäßige Niedrigpreiskonkurrenz zu schaffen. Das könnte das benachbarte Atelierhaus 23 in seiner Existenz gefährden, wenn die Künstler wieder auszögen, weil sie nebenan günstiger Ateliers fänden.

Eine andere Idee dagegen sieht vor, den Gewerbehof aus der Verwaltung der Sprinkenhof GmbH zu nehmen. Der Bezirk Hamburg-Mitte solle den Gewerbehof Am Veringhof kaufen, damit er direkten Einfluss auf die Vermietung habe, schlägt das Beiratsmitglied Sabine Unbebaun. Beispiel dafür sei der Bezirk Wandsbek: Der hat vor Kurzem ein Grundstück von der Sprinkenhof erworben, um eine „Kulturinsel“ zu schaffen und den Stadtteil Bramfeld aufzuwerten.

Mit seinem Antrag zu einer Mietpreisreduzierung an den Veringhöfen will der Stadtteilbeirat erreichen, dass der Bezirk Hamburg Mitte an die Finanzbehörde herantritt, damit diese als Gesellschafter auf die Sprinkenhof GmbH Einfluss nimmt.

Neben den Veringhöfen stehen die Wilhelmsburger Zinnwerke leer. Die Hamburg Kreativgesellschaft hat die insgesamt 2500 Quadratmeter großen Hallen von der Sprinkenhof für zwölf Monate gemietet. Sie will die Chancen einer Nutzung für Künstler und Kreative ausloten. Auch hier sorgt der Leerstand der allerdings sanierungsbedürftigen Halle für Verärgerung.