Harburg
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Der Stadtteilgarten Maretstraße: Schulbildung, die Blüten trägt

Die meisten Kinder und auch erwachsenen Bewohner des Phoenix-Viertels und der angrenzenden Quartiere haben nur begrenzte Gärtner-Erfahrung. Nur wenige können im Vorgarten oder Hinterhof ein Beet pflegen.

Lars Hansen

Harburg. Seine Firma plant und unterhält die Gärten vieler reicher und prominenter Harburger, abgehoben ist Johannes von Ehren deshalb nicht: Gerade steht der studierte Betriebswirt und gelernte Gärtner zusammen mit 22 Kindern aus dem Phoenix-Viertel im Beet des Stadtteilgartens Maretstraße und setzt Sträucher ein, die schon im nächsten Frühjahr die Nachbarschaft mit dem Duft und Anblick ihrer Blüten erfreuen sollen: Rhododendren, Ebereschen, Zaubernuss und Japanischer Schneeball stehen bereit, um vor der Schule in die Erde zu kommen.

Die Kinder sind mit Begeisterung dabei. Von Ehrens Enthusiasmus kann da aber mindestens mithalten: Hier erklärt er einem Zehnjährigen, wie er mit dem Spaten besser klarkommt, dort schneidet er einen Torfsack an, da begutachtet er die Tiefe einer Pflanzkuhle – und das alles in dem hektischen Tempo, das die Kleinen vorgeben.

Die Lütten haben eigentlich Ferien, aber sie sind trotzdem in der Schule: Die Organisation Climb – das steht für „Clever lernen, immer motiviert bleiben“ – organisiert an der Stadtteilschule Maretstraße Lernferien: In Tagen voller Abenteuer und Kreativität sind jeden Morgen eine Lerneinheit Mathe und eine in Deutsch versteckt. Ansonsten wird geklettert, getobt, gespielt, gebastelt und ausprobiert. Heute ist Gärtnern angesagt.

„Gärtnern ist das Zweitbeste, gleich nach Kletterpark“, sagt Nicole. Die Fünftklässlerin aus Neuwiedenthal ist eine der wenigen Teilnehmerinnen der Harburger Lernferien, die nicht an der Maretstraße beschult werden. „Man macht was mit seinen Händen und kann sehen, wie es wächst. Wir hatten mal einen Kleingarten. Das war toll.“

Mit den Bäumen, Büschen und Sträuchern ist der Stadtteilgarten noch nicht fertig: Unter anderem soll noch ein Hochbeet dazukommen, in dem Küchenkräuter wachsen. Der Zaun, der derzeit den Garten von der Straße trennt, wird geöffnet, wenn der Garten fertig ist.

Die Bewohner des Phoenix-Viertels können dann jederzeit in ihrem Stadtteilgarten Erholung suchen und Kräuter ernten. Noch bleibt die Pforte allerdings geschlossen, bis der Garten komplett angelegt ist, und einige haftungsrechtliche Fragen geklärt sind.

„Fertig ist ein Garten ohnehin nie“, sagt von Ehren, „das ist ja das Schöne daran.“

Der Stadtteilgarten ist nicht das erste Projekt, das Johannes von Ehren gemeinsam mit der Schule Maretstraße durchführt. Bereits im Frühjahr halfen er und der Fernseh-Gärtner John Langley der Stadtteilschule dabei, einen Schulgarten anzulegen. Unterstützt wurde diese Aktion vom EU-Projekt „Food Literacy“, frei übersetzt: „Nahrungswissen“.

Im Schulgarten ziehen die Schüler neben schönen Pflanzen nämlich auch leckere: Selbst angebautes Obst und Gemüse wird in Kochkursen in der Schulküche erntefrisch und von den Kindern selbst zubereitet. Der Stadtteilgarten mit seinem Kräuterbeet wird dieses Konzept auf die Umgebung der Schule übertragen.

Die meisten Kinder und auch erwachsenen Bewohner des Phoenix-Viertels und der angrenzenden Quartiere haben nur begrenzte Gärtner-Erfahrung. Nur wenige haben einen Kleingarten, oder die Möglichkeit im Vorgarten oder Hinterhof ihres Mietshauses ein Beet zu pflegen. Nicht einmal einen Balkon hat jede Wohnung.

Um auch solchen Kindern die Freude am Gärtnern näherzubringen rief Johannes von Ehren Anfang des Jahres das Projekt „Grüne Helden“ ins Leben und schrieb Schulen an, sich zu beteiligen. Die Stadtteilschule Maretstraße war die erste, die sich meldete und bekam gleich den Zuschlag. „Wer sich rührt, ist engagiert“, begründet von Ehren die Entscheidung.

„Zu Anfang hatte ich ein wenig befürchtet, dass der Schulgarten nach seiner Anlage verwahrlost“, sagt Johannes von Ehren, „aber das Gegenteil war der Fall: Die Schüler kümmerten sich mit Hingabe um die Beete.“

So half er dann auch beim Projekt Stadtteilgarten: Die Schüler durften auf seinen Garten-Genuss-Tagen Eichensetzlinge verkaufen, die sie in Töpfen angezogen hatten. Der Erlös floss in den Stadtteilgarten. Der erste Teil davon wird schon im Frühling Blüten tragen.