Harburg
Moorburg

Nach 500 Jahren wieder zu Hause

Verschwundenes Weihwasserbecken kehrt nach Moorburg zurück - der älteste in Stein gemeißelte Nachweis des Ortes

Moorburg . Das etwa 500 Jahre alte, verschwundene Weihwasserbecken der alten, im Jahr 1597 abgerissenen Kirche in Moorburg ist wieder aufgetaucht. Nach einem Hinweis des Kunstdezernats der Wiesbadener Polizei ist es dem Archäologischen Museum Hamburg gelungen, den sakralen Kunstgegenstand an seinen Ursprungsort zurück zu bringen. Das Weihwasserbecken gilt als historisch bedeutend, weil es das älteste, je entdeckte Objekt ist, auf dem die Inschrift „Moorburg“ zu lesen ist. Das Becken aus Sandstein steht jetzt als Dauerleihgabe in der Evangelisch-Lutherischen St.-Maria-Magdelena-Kirche in Moorburg.

Es war im März, als die auf Kunstgegenstände spezialisierten Experten der Kriminalpolizei in Wiesbaden in dem Katalog eines Auktionshauses in München auf das alte Weihwasserbecken stießen. Weder die Kirchengemeinde noch das Archäologische Museum Hamburg hatten je von seiner Existenz gewusst. Weil der Eigentümer unbekannt sei, hätte das Becken versteigert werden und für immer verschwinden können, sagt der Direktor des Archäologischen Museums Hamburg, Rainer-Maria Weiss.

Die Auktion war für den Mai angesetzt. Die Polizei ließ das Becken bei dem Auktionshaus mit einem Vorbehaltsvermerk versehen. Ein solcher Vermerk kann Käufer abschrecken, weil sie befürchten müssen, das ersteigerte Objekt wieder zurückgeben zu müssen, sollte sich heraus stellen, dass es nicht rechtmäßig in Privatbesitz gelangt ist. Im Falle des Moorburger Weihwasserbeckens ging die Rechnung auf: Niemand wollte es ersteigern.

Das Archäologische Museum Hamburg trat mit dem Auktionshaus in Verhandlung und erwarb schließlich das Kulturgut. Der Kaufpreis habe deutlich unter dem zu der Auktion aufgerufenen Summe gelegen: „Im vierstelligen Bereich“, sagt Rainer Maria Weiss nur. Die Summe stiftete der Moorburger Unternehmer August Ernst. Das Museum als neuer Eigentümer überreichte das Weihwasserbecken jetzt an die Probstei Harburg.

Die Archäologen sind sich sicher, dass der in Stein gemeißelte Nachweis Moorburgs tatsächlich nur aus dem heutigen Hamburger Stadtteil stammen kann. Andere Orte mit dem Namen Moorburg in Deutschland seien deutlich jünger als als das aus dem 15. Jahrhundert stammende Weihwasserbecken, erklärt Rainer-Maria Weiss.

Ein weiterer Hinweis: In das Becken ist der Name eines niederländischen Pastors eingemeißelt: Lyeven Hebbrecht. Niederländer haben in der betreffenden Zeit in Moorburg gesiedelt. Das Archäologische Museum hat herausgefunden, dass das Weihwasserbecken aus einer Kirche stammt, die erstmals 1309 erwähnt wurde und bis zu ihrem Abriss im Jahr 1597 auf einer Warft am Moorburger Kirchteich gestanden hat. Es muss eine katholische Kirche gewesen sein. Im Gegensatz zu evangelischen Gotteshäusern haben katholische Kirchen Gefäße für Weihwasser an ihren Türschwellen.

Die Archäologen sind schließlich zu dem Ergebnis gelangt, dass das alte Moorburger Weihwasserbecken irgendwann aus der Zeit zwischen 1470 und 1528 stammen muss. Als wahrscheinlich gilt, dass es mit dem Abriss der Kirche im Jahr 1597 verschwunden ist. Wo das Becken die vergangenen 500 Jahre überdauert hat, bleibt aber bis heute ein Geheimnis.

Das Weihwasserbecken ist aus einem Granit gefertigt, den die Eiszeit aus Skandinavien als Findling nach Norddeutschland geschoben hat. Mit rund 35 Zentimetern Durchmesser ist es größer als heute üblich.

Deutlich sind die starken Kalkablagerungen in dem Becken zu erkennen. Wasser hat sich in den Stein gefressen. Es müsse lange im Wasser gestanden haben, sagt Rainer-Maria Weiss. Vielleicht, spekuliert der Archäologe, habe das Kulturgut lange als Tränke auf einem Bauernhof gedient und später über einen Flohmarkt den Weg in das Auktionshaus gefunden. Das Weihwasserbecken soll jetzt in der St.-Maria-Magdalena-Kirche in Moorburg verbleiben.