Harburg
Tostedt

Wir wollen ein Haus der Begegnung

Tostedter Initiative macht sich stark für einen Treffpunkt, der die Generationen miteinander verbindet

Tostedt . Doris Herrmann zeichnet ein düsteres Bild von der Zukunft auf dem Lande. Wenn Verwaltung und Politik in Tostedt nicht gegensteuern, werden zahlreiche Menschen im Ort vereinsamen, glaubt sie. „Viele ältere Menschen leben alleine, weil die Kinder dahin ziehen, wo die Arbeit ist, und die Senioren nicht ihren Wohnort wechseln wollen. Es fehlt den Menschen an Austausch und Kontakten“, so Doris Herrmann.

Die Frau ist Verwaltungsangestellte im Tostedter Rathaus und für soziale Fragen zuständig. Sie steht im ständigen Austausch mit den Bürgern. Um Isolation und Vereinsamung zu verhindern, hat sie mit einigen Mitstreitern die Initiative „Haus der Begegnung Tostedt“ gegründet. Ihr Wunsch: ein Generationen übergreifendes Haus in Tostedt einzurichten. Die Idee ist schon zwei Jahre alt. Sie kam während der Open-Space-Veranstaltung im November 2012 auf, die unter dem Motto „Tostedter, was wollt ihr?“ lief.

Damals erkannten viele der 100 Besucher den großen Bedarf für eine Begegnungsstätte. Denn viele Ideen, die in Tostedt aufkommen, scheitern an fehlenden Räumen – an einer zentralen Anlaufstelle im Sinne eines Gemeinschaftshauses. Deshalb wurde der Gedanke, eine Laientheatergruppe zu gründen, gleich wieder verworfen. Deshalb war es für den Kinderschutzbund oft problematisch, geeignete Räume in Tostedt für Elternkurse zu finden. Wer Beratungsangebote in Anspruch nehmen will, muss meistens nach Buchholz fahren. Doch viele Senioren sind dazu gar nicht in der Lage, weil sie nicht mobil sind.

Ein harter Kern der Ideengeber für die Begegnungsstätte ist übrig geblieben und hat sich in den vergangenen zwei Jahren immer wieder getroffen und ausgetauscht. Die Macher kommen überwiegend aus dem sozialen Bereich. Unter anderem ist die Gleichstellungsbeauftragte Maren Altmann dabei wie auch die Diplom-Sozialpädagogin Susan Schiller und Mechthild Herkenhoff, die als Gruppenleiterin bei der Lebenshilfe tätig ist, und Krankenpflegerin Rocio Picard, die im Altenheim arbeitet und zudem Spanisch-Gruppen in Tostedt leitet.

Das Haus soll für alle Altersgruppen offen sein. Die Initiatoren verstehen unter der Begegnungsstätte einen „Offenen Treff“, der es ermöglicht, dass unterschiedliche Menschen in ungezwungener Atmosphäre zusammenkommen. Vereine, Verbände, Kultureinrichtungen, Stiftungen, Freiwilligenagenturen und Parteien sollen sich hier austauschen können. Aber auch Bildungsangeboten will die Initiative in einem solchen Haus Raum bieten, etwa der Volkshochschule und der Erwachsenenbildung, die derzeit unter anderem in Schulen tagen.

Alter und Pflege, Integration und Bildung, Freiwilliges Engagement und Dienstleistungen für den Haushalt sollen die inhaltlichen Schwerpunkte sein. Die Ideengeber können sich beispielsweise vorstellen, dass es Gesprächskreise für Angehörige und Demenzkranke gibt. Dass in dem Haus Seniorengemeinschaften tagen, dass hier ältere Einwohner jüngeren helfen. Die Bandbreite des Angebots kann von Sprachund Computerkursen über Theater und gemeinsames Kochen bis hin zu Selbsthilfegruppen, Mütterberatung und Elternkursen reichen. „Wir haben eine ganze Menge an Initiativen in Tostedt“, sagt Susan Schiller.

Klar ist: In dem Wunschhaus sollen neue Kontakte geknüpft und Beziehungen gepflegt werden. Die Macher versprechen sich davon, die Gesellschaft lebendig zu gestalten. Doris Herrmann will ein solches Haus der Begegnung nicht als Konkurrenz für bestehende Initiativen verstanden wissen. „Man kann vielleicht einiges miteinander verbinden und so auch Kosten sparen“, sagt sie.

Der Standort ist noch völlig unklar. Aber die Initiative hat bei Verwaltung und Politik bereits um Unterstützung geworben und die Idee im Kultur- und Sportausschuss der Gemeinde Tostedt vorgestellt. „Das Haus zu verwirklichen, geht nur mit breiter politischer Unterstützung“, sagt Alexander Gröngröft, der ebenso zur Initiativgruppe gehört. „Die politischen Vertreter haben mit dafür zu sorgen, dass die Menschen nicht vereinsamen“, so Gröngröft, der als Grünen-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat Tostedt sitzt.

Am Ende ist es auch eine finanzielle Frage, ob die Begegnungsstätte entstehen kann. Die Initiative kann sich zwar gut vorstellen, einen Trägerverein zu gründen, um so das Projekt mit ehrenamtlichem Engagement ins Rollen zu bringen. „Aber, um eine verlässliches und nachhaltiges Angebot machen zu können, brauchen wir finanzielle Unterstützung. Die politischen Vertreter haben mit dafür zu sorgen, dass Menschen nicht vereinsamen“, sagt Doris Herrmann.

Ob das Haus der Begegnung tatsächlich entsteht, ist noch offen. Aber die Initiatoren haben zumindest die Diskussion darüber angestoßen. Als nächstes befasst sich die Samtgemeinde mit dem Thema. Nun hofft die Initiative, dass die Fraktionen und die Verwaltung der Samtgemeinde die Idee wohlwollend aufgreifen.