Harburg
Brackel

Wenn die Feuerwehr Campen geht

1400 Jugendliche verbringen eine Woche im Zeltlager in Brackel. Eine logistische Meisterleistung der Helfer

Brackel. Detlef Schröders Mobiltelefon klingelt im Minutentakt. Der Kreisjugendfeuerwehrwart ist heute einer der gefragtesten Männer auf dem Zeltlagerplatz in Brackel. Er beantwortet Fragen vom Aufbauteam, der Technik, der Küche. Freundlich weist er Eltern am Eingang den Weg zu ihrem Nachwuchs, weil sie vergessene Dinge nachliefern müssen. Es sind nur noch wenige Stunden bis zur Eröffnung des Zeltlagers der Kreisjugendfeuerwehr Harburg auf dem siebeneinhalb Hektar großen Feld. Zeit zum Rotieren.

Insbesondere in der Lagerverwaltung, dem Herz des Zeltlagers, geht es jetzt zu wie in einem Ameisenhaufen. Hier treffen die Teilnehmer ein und holen ihre Ausweise ab. Es gibt immer Kinder und Jugendliche, die sich auf dem letzten Drücker anmelden und dessen Ausweise heute nachträglich gedruckt werden müssen. Mehrere Helfer sitzen vor Computern und arbeiten fieberhaft an den Anmeldelisten. „Wie ist es mit den Lagerausweisen von Ashausen?“, ruft einer. Rico Rieckmann, Leiter der Lagerverwaltung, beugt sich über einen Stapel Papiere, während seine Teamarbeiter die Ausweise an die jungen Feuerwehrleute ausgeben.

Zum ersten Mal sind die Ausweise mit einem Barcode versehen. Damit will die Lagerleitung lange Schlagen bei der Essensausgabe vermeiden. Jeder, der zum Essen kommt, wird registriert. Dadurch weiß das Küchenteam, für wie viele es die Mahlzeiten in den sieben Tagen des Zeltlagers vorbereiten muss.

Kreisjugendfeuerwehrwart Detlef Schröder rechnet mit mehr als 1400 Teilnehmern. Bis Sonnabend, 9. August, treten die Jugendlichen in verschiedenen Sportarten gegeneinander an, ringen um Auszeichnungen wie etwa der Leistungsspange und toben sich in der Spielefabrik aus. Dass am Ende alles reibungslos läuft, ist eine logistische Meisterleistung. Die Organisatoren machen das zwar nicht zum ersten Mal. Es ist inzwischen das 22. Zeltlager, zu dem die Nachwuchsretter zusammenkommen. Dennoch. Es ist jedes Mal eine neue Herausforderung. Die ausrichtende Feuerwehr Brackel musste heute knapp 200 Zelte aufbauen. Das Technikteam hat 400 Meter Kabel für die Stromversorgung unter der Erde vergraben. Fast genauso viele Meter Rohre verlegten die Männer für Ab- und Frischwasser.

Die sanitäre Versorgung bekommt eine immer größere Bedeutung. „Die Kinder wollen heute öfter duschen “, sagt Sebastian Faust von der Jugendfeuerwehr Hollenstedt, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Deshalb bezeichnet Techniker Peter Cordes sich und seine Kollegen auch selbstbewusst als die„gute Seele des ganzen Lagers“.

Die Helfer arbeiten fast rund um die Uhr. Die Schicht des Küchenteams beginnt früh morgens um 4 Uhr mit dem Backen. Drei Stunden später müssen 3.000 Brötchen bereit stehen. Auch das Mittagessen wird auf dem Zeltlager gekocht. Zwischendurch können sich die Jugendlichen mit reichlich Obst eindecken. Drei Tonnen Melonen muss die Küchencrew im Laufe der Woche, die das Zeltlager noch andauert, zerhacken. Noch ist das Festzelt, in dem mehrere hundert Nachwuchsretter Platz zum Essen finden, leer. Nutella, Margarine und Marmelade stehen auf den Tischen und warten darauf, verzehrt zu werden. Gegen 18 Uhr geht es los. „Der Koch ist mit dem Abendbrot fertig. Zug 13 bitte zum Essen fassen“, ruft Eike Rohte von der Lagerverwaltung in den Lautsprecher. Das Startsignal. Die jungen Camper pilgern zur Essensausgabe, in ihren Händen baumeln Plastiktüten mit Teller, Besteck und Becher. Denn das Geschirr bringt jeder selbst mit. Auch den Abwasch erledigen die Jugendlichen.

Während sich die Mädchen und Jungen Brötchen, Wurst und Käse auf die Teller laden, hat Rettungsassistent Werner Nölken, der ein paar Meter weiter in seinem Zelt sitzt, bereits reichlich zu tun: Die ersten Kinder mit Blasen und Schnittverletzungen trudeln ein. Erfahrungsgemäß suchen in der Woche 200 bis 250 Verletzte das Sanitäterteam auf. In den vergangenen Jahren waren schon schwere Fälle darunter: Schädel-Hirn-Trauma, Herzinfarkt, schwere Knochenbrüche. „Das erschüttert uns nicht“, sagt Werner Nölken. „Wir sind alle Rettungsassistenten.“

Die Jugendlichen richten sich inzwischen in den Zelten ein. Mädchen massieren sich gegenseitig die Rücken. Jungen spielen Fußball. Detlef Schröder freut sich über die hohe Teilnehmerquote. Von den 92 Jugendfeuerwehren im Kreis haben 89 Wehren zugesagt. Für die junge Generation haben Sport und Spiel also nicht an Reiz verloren. „Es geht auch ohne I-Phone und Computerspiele“, sagt Detlef Schröder.