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Beats erzählen Geschichten

Die Wilhelmsburger Techno-Künstlerin Mona Moore erklärt beim „Hafengrün-Festival“ die Kunst ihrer Musik

Wilhelmsburg. Auch wenn konservative Musikfreunde Techno gerne als als „unehrlich“, weil angeblich nicht „handgemacht“, abtun – selbst sie werden nicht bestreiten, dass die Subkultur der elektronischen Tanzmusik in Sachen kreativer Namensgebung die Nase ganz weit vorn hat. Mona Moore ist so ein schönes Beispiel. Phonetisch spielt der Künstlername mit dem französischen „mon amour“, was soviel heißt wie meine Liebste.

Mona Moore ist eine Techno-Musikerin aus Wilhelmsburg – und wirklich ganz lieb. Aber wenn andere Musiker bei einem Festival die Nase so hoch tragen, dass sie nicht einmal grüßen, kann Mona Moore auch böse werden. Eine so zur Schau getragene Selbstgefälligkeit kann sie nicht ausstehen – und kann sich rächen: Die 28-Jährige ist auch Bookerin, besorgt Technomusikern und DJs also Auftrittsmöglichkeiten.

Mona Michels, so heißt Mona Moore mit bürgerlichen Namen, wäre auch ein schöner Künstlername. Michels, das klingt so schön nach Hamburg und Norddeutschland.

Am Wochenende hat Mona Moore beim „Hafengrün“ in Wilhelmsburg gespielt. Das Drei-Tage-Spektakel auf dem Gelände der früheren Oelckers-Werft am Neuhöfer Damm ist das größte reine Techno-Freiluft-Festival in Hamburg. Die besten Bühnenzeiten belegen beinahe ausnahmslos Künstler aus der Techno-Hauptstadt Berlin. In Hamburg ist Techno stets Subkultur geblieben.

Vor acht Jahren wäre Mona Moore beinahe nach Berlin verschwunden. Ein Freund zeigte ihr damals den Stadtteil Wilhelmsburg – und sie blieb, lebt heute im Reiherstiegviertel. „Auf den Elbinseln achten die anderen nicht so auf das Aussehen“, sagt sie. Mona Moore ist nicht der Typ Mensch, der sich unter dem Diktat der anderen die Sonnenbrille zurechtrückt und die modisch korrekte Hose trägt.

Gut für die Ausgehkultur in Wilhelmsburg, dass Mona Moore geblieben ist. Sie hat entscheidend dazu beigetragen, dass junge Leute in Wilhelmsburg in ihrem Stadtteil tanzen können. Zusammen mit ihrer Freundin Coco brachte sie vor zwei Jahren die elektronische Tanzmusik in die Bar „Tonne“ am Veringkanal. „Dilettantisch“ hätte sie damals aufgelegt, sagt sie heute. Aber das sei egal gewesen. Es ging darum, etwas Neues anzuschieben.

Heute ist Mona Moore Resident-DJ in der „Tonne“. Sie veranstaltet auch eigenen Partys und plant das Veranstaltungsprogramm der kleinen Bar am Kanal. „All of us“ heißt Monas und Cocos gemeinsamer Club für elektronische Tanzmusik, immer donnerstags in der „Tonne“. Nebenbei ist Mona Michels Mutter eine sechs Jahre alten Sohnes.

Ihre Kunst als Techno-Musikerin sei es, das Gefühlt der Masse vor ihr aufzunehmen und den Leuten zu geben, was sie wollen, erklärt Mona Moore. „Du musst eine Geschichte erzählen“, sagt sie. Ein falsches „Break“, eine unpassende Pause, eingebaut – und der Erzählfluss sei dahin.

Mona Moore kann auch „handgemachte“ Musik, spielt Akkordeon und Klarinette. Privat hört sie nicht nur Elektronisches: Sie schätzt die Band Talking To Turtles sehr und erfreut sich auch an Punk oder HipHop.

Dass die elektronische Tanzmusik längst etablierter Teil der Musikkultur ist, machte das Wochenende in Wilhelmsburg deutlich: Etwa 10.000 Menschen haben insgesamt drei Open-Air-Festivals auf der Elbinsel besucht. Neben dem „Hafengrün“ gab es mit dem „Spektrum“ (3500 Besucher) und dem „Vogelball“ (3200 Besucher) noch zwei weitere Festivals auf dem Dockville-Gelände. Beschwerden über Lärm hat es nach Angaben der Polizei nicht gegeben. „Hafengrün“-Veranstalter Jörn Behrens hofft, dass sein Festival im nächsten Jahr länger als 22 Uhr dauern darf. Das war eine umstrittene Auflage der örtlichen Politik.