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Buchholz

90 Jahre Kino in Buchholz: Vom „Hanli“ zum „Movieplexx“

Lang lebe das Lichtspielhaus! Seit 90 Jahren gibt es in der Nordheidestadt ein Kino. Das Jubiläum wird mit Sondervorstellungen und Musikprogramm drei Tage lange gebührend gefeiert

Buchholz Als man zum Kino noch „Lichtspielhaus“ sagte, als die Filme noch tonlos und schwarzweiß waren, als es das Fernsehen als Massenmedium noch nicht gab, schaute man die bewegten Bilder oft in Gaststätten an. So auch in Buchholz. Am 27. Juli 1924 begann Friedrich Wesseloh, in seiner Gaststätte am Buchholzer Bahnhof damit, Filme vorzuführen. Die Spielstätte bekam kurz darauf den Namen „Hansa-Lichtspiele“, kurz „Hanli“. In seiner 90-jährigen Geschichte hat sich im Buchholzer Kino vieles verändert, doch es hat die wechselvollen Zeiten stets überstanden. Das feiern Carsten Reck, Inhaber des heutigen „Movieplexx“, und sein Team an diesem Wochenende mit Live-Musik, Informationen rund ums Kino und natürlich vielen Filmklassikern.

Carsten Reck selbst kann ebenfalls ein kleines Jubiläum feiern: Er ist seit zehn Jahren Herr der Filme in Buchholz. Bis 2001 hat die Familie Wesseloh ihr „Lichspielhaus“ betrieben. Ab 1955 gab es in Buchholz sogar zwei Kinos, denn Friedrich Wesselohs Sohn Ewald baute an der Bremer Straße das „Delhi-Theater“. Der Name hat nichts mit der indischen Stadt zu tun, sondern er ist eine Abkürzung für „Deutsches Lichtspielhaus“ und „Hilf dir selbst“, denn Wesseloh baute das Kino komplett in Eigenarbeit. Das „Hanli“ dagegen brannte in den 50er-Jahren ab, wurde zwar noch wieder aufgebaut, dann aber 1964 geschlossen, weil das Fernsehen dem Kino zunehmend Konkurrenz machte. Mit Ralph Wesseloh übernahm 1979 die dritte Generation das Kino, das nun etwas moderner „Delhi-Center“ hieß; er teilte den Saal 1982 in einen größeren Raum und einen kleineren Verzehrkinosaal. Als er 2001 in den Ruhestand ging, übernahm eine GmbH das Kino, das von da an Movieplexx hieß.

Dort rutschte Carsten Reck dann in die Leitung mit hinein und übernahm 2004 das Kino ganz. Der Name „Movieplexx“ blieb, aber auch „Delhi-Center“ wurde darin wieder aufgenommen. Reck, gelernter Schreiner, kam über Arbeiten für die Inneneinrichtungen von Kneipen, Diskotheken und eben Kinos in die Branche. Nach Stationen in Stuttgart, München und Berlin war er in Hamburg als Theaterleiter (auch beim Kino heißt das so) tätig, bevor er nach Buchholz kam. Umbauten, Modernisierungen, neue Konzepte und ein sich wandelndes Freizeitverhalten – „es war nicht immer einfach“, sagt Reck.

Heute gibt es etwa 1700 Kinos in Deutschland, zu „Delhi“-Zeiten waren es etwa doppelt soviele. Und immer mehr Filme kommen auf den Markt. Dass Filme wie noch in den 80er-Jahren acht, zehn oder zwölf Wochen laufen, gibt es heute kaum noch. Der übliche Turnus sind drei Wochen. Auch der Zeitraum von der Kinopremiere bis zum Verleih oder Verkauf auf Video ist heute viel kürzer: wenige Wochen statt bis zu einem Jahr. Auch bei der Technik hat sich vieles verändert. „Seit Anfang dieses Jahres gibt es keine 35-Millimeter-Filme mehr“, sagt Carsten Reck. Dabei war zu seiner Anfangszeit in Buchholz gerade erst eine neue Abspieltechnik auf den Markt gekommen. Während Spielfilme sonst auf mehreren Rollen geliefert wurden, die nacheinander abgespielt wurden, lagen Ende der 90er-Jahre die Filme als eine einzige Rolle auf einem großen „Plattenteller“. Heute werden alle Filme digital auf Festplatte ans Kino geliefert. Dass das Kino die Spieldauer nicht überzieht, wird mithilfe eines Computercodes gewährleistet, mit dem der Film minutengenau für die Vorführung freigeschaltet ist.

Auch um den Service muss sich ein Kinoinhaber immer wieder Gedanken machen – soll man einen Film durch eine Pause unterbrechen, bleibt das Publikum länger als zwei Stunden ruhig sitzen? Wie muss die Preisgestaltung sein, soll es Rabatt oder „Happy Hour“ geben? Zugleich bieten Internet, Smartphone und Co. neue Möglichkeiten im Kartenverkauf: Das E-Ticket wird in Kürze freigeschaltet, auch eine neue digitale Stammkundenkarte gibt das „Movieplexx“ jetzt heraus.

Um die Menschen ins Kino zu locken, muss man also immer ein bisschen mehr bieten. Popcorn, Nachos und kühle Getränke. Aber auch Sonderveranstaltungen und Aktionen. Gibt es den „klassischen“ Kinogänger eigentlich noch, der regelmäßig kommt und anschaut, was gerade läuft? „Das trifft vor allem auf die Besucher der Senionrematinee zu“, sagt Carsten Reck. Andere lassen sich von den Kinocharts leiten – und werden dann auch schon mal enttäuscht, weil Platz 1 allein noch nichts über den intelektuellen Anspruch aussagt. Der Erfolg eines Filmes im Kino hängt aber auch von den Aktivitäten des jeweiligen Filmtheaters ab. Die Werbung zum Weltkindertag jedenfalls hat schon einmal eingeschlagen: „Bei dem Film ‚Lauras Stern‘ hatten wir bundesweit die meisten Besucher“, sagt Carsten Reck.