Harburg
Abschlussfahrt

Sparplan für die Bundesliga

Wie sich der Buxtehuder SV für die kommende Saison aufstellt. Neuer Etat soll ohne Schulden geschultert werden

Während die Handballer des HSV Hamburg erst im allerletzter Minute durch eine Bürgschaft vor der Insolvenz gerettet werden konnten, ist dies gut 20 Kilometer Luftlinie entfernt kein Thema. Existenzängste wie bei den Hamburgern kennt Peter Prior, Manager der Bundesliga-Damen des Buxtehuder Sportvereins (BSV), nicht. Prior, ein gelernter Journalist, sitzt an diesem Nachmittag in seinem Büro in der Innenstadt und weiß die Lizenz für die kommende Saison längst gesichert. Doch auch der Verein in der wieder ernannten Hansestadt muss sparen. Die Eckpunkte dafür hat der 57-Jährige zusammengetragen. Mit dem Konzept startet der BSV am 7. September mit einem Heimspiel in die Saison, es ist die 26. in der Bundesliga.

Da sind zunächst die Sponsoren. Die drei Großen, die Sparkasse Harburg- Buxtehude, Total und das Kaufhaus Stackmann bleiben dem Verein treu. Allerdings rechnet Prior mit insgesamt geringeren Einnahmen, weil Unternehmen ihre Gelder teilweise breiter streuen oder sich aus wirtschaftliche Gründen einschränken. Endgültig entschieden ist zwar noch nichts, noch laufen Gespräche. Aber Prior plant vorsichtig. Der Vorteil der Buxtehuder: Sie sind nicht von einem Sponsor abhängig wie der HSV Hamburg von den Brüdern Rudolph. „Wir haben uns von vorn herein anders aufgestellt“, sagt Prior. Immerhin 85 Prozent des Etats von rund einer Million Euro stammen so von 160 bis 170 Sponsoren.

Das am 30. Juni zu Ende gegangene Wirtschaftsjahr weist für das Handball- Marketing, das als Träger der Mannschaft vor gut 20 Jahren ausgelagert wurde, ein Minus im höheren fünfstelligen Bereich aus. Das ist im Vergleich zum Vorjahr, als man noch bei mehr als 100.000 Euro lag, zwar weniger, genügt Prior aber nicht. Schließlich müssen die 17 Gesellschafter des Marketings diesen Verlust ausgleichen. „Unser Ziel ist es, in der kommenden Saison ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen. Dafür müssen wir eben sparen“, sagt der Manager.

Das wird am stärksten bei der Mannschaft deutlich. Sie schrumpft von 17 auf 14 Spielerinnen und auch für die durch einen Kreuzbandriss für Monate ausfallende Josephine Techert gibt es keinen Ersatz. Immerhin kommen mit Isabell Klein und Lone Fischer zwei Leistungsträgerinnen zurück, die bezahlt werden müssen. Auch Prior selbst senkt die Kosten. Sein Manager-Vertrag wurde von fünf auf zwei Tage pro Woche reduziert, auch wenn er neben seinem Job als Medienberater in Osteuropa über die zwei Tage hinaus für den Verein ansprechbar bleibt.

Außerhalb der Champions-League wird aber das Abenteuer Europa erneut finanziert werden können. Beim Pokal der Europäischen Handballföderation (EHF) kann weiter in der Buxtehuder Halle Nord gespielt werden, teure Signale für TV-Übertragungen sind nicht nötig. Für drei Runden, die den BSV im vergangenen Frühjahr sogar bis nach Rostow am Don führten, kam Prior zuletzt auf Kosten von 10.000 Euro. Dieses Risiko ist auch in dieser Saison vertretbar.

An den Eintrittgeldern wird der Verein dennoch nichts ändern. Es bleibt dabei: Die teuerste Karte kostet 18 Euro, Sitzplätze sind für neun, Stehplätze für sieben Euro zu haben. Auf Grund des neuen Spielplans, ohne zusätzliche Meister- und Abstiegsrunde, werden die Dauerkarten sogar günstiger. Schließlich fallen drei Spiele weniger an. Möglich, dass sich durch das verkürzte Angebot die durchschnittliche Zuschauerzahl sogar erhöhen wird. In der vergangenen Saison waren es durchschnittlich 1307.

Nicht gespart wird bei der Jugendarbeit. Im Gegenteil: Für die Mädchen, die auch von Hamburg aus zu dem erfolgreichen Verein streben, wurde ein Fahrdienst eingerichtet, damit sie abends nach dem Training nicht in der S-Bahn sitzen müssen. Die Nachwuchsarbeit ist darauf ausgerichtet, Talente für die Bundesliga und die Dritte Liga aufzubauen. Dazu gibt es die Kooperation mit der SGH Rosengarten-Buchholz, die sich in Liga Zwei etabliert hat. Die zweite Mannschaft des BSV spielt in Liga drei. Mädchen und junge Frauen haben so Aufstiegschancen und werden an den Verein gebunden. Das kann sich finanziell auswirken, wenn Spielerinnen nicht teuer gekauft werden müssen. In dieser Saison setzt Emily Bölk ein Ausrufezeichen für diese Strategie. Die 16jährige, die mit der B-Jugend deutscher Meister, mit der A-Jugend Dritter wurde und mit der Hamburger Auswahl den Länderpokal gewann, wird ab September in der 1. Bundesliga eingesetzt.

Glück könnte dem BSV auch die Rettung des HSV Hamburg bringen. So kann der Däne Henrik Toft Hansen, Partner von Kreisläuferin Ulrika Agren, seinen Vertrag bei den Hamburger erfüllen, bleibt also voraussichtlich in der Hansestadt. Damit dürfte auch die Schwedin, die als einziger Vollprofi beim BSV zu den Leistungsträgerinnen zählt, eher nicht abwandern.

Bleibt noch die Spielstätte. Gegen die O2-World im Volkspark verströmt die Halle Nord den Charme einer Schulhalle mit angebauter Tribüne und einem VIP-Bereich, der notdürftig auf einem Balkon installiert wurde. Immerhin macht sich jetzt jedoch Katja Oldenburg- Schmidt, 1. Stadträtin in Buxtehude, Gedanken über eine Sanierung. „Wir wollen ermitteln was machbar ist, was es kostet und welche Zuschüsse vom Landkreis möglich sind“, sagt die parteilose Wahlbeamtin. Ihr Wort hat Gewicht bei den Haushaltsberatungen, die im September beginnen. Denn die 54- Jährige, die als Aufbauspielerin beim HSV-Basketball in der 1. Bundesliga auflief, wird vom 1. November an neue Bürgermeisterin der Stadt sein. Auch über den Ende November gescheiterten Bau einer Arena ist bei Oldenburg- Schmidt noch nicht das letzte Wort gesprochen.

So soll der Stadtrat im Juli über den Bau eines Kreisels zur Anbindung des ehemals vorgesehenen Geländes am Stadtrand beschließen. Ein Projekt, das die Stadt nachdem Geld vom Land nicht mehr bereitsteht, 500.000 Euro kosten wird. In dem Bereich ist zunächst ein Sportplatz vorgesehen. Dann wäre aber noch Platz für eine Halle. „Über dieses Thema spreche ich derzeit mit dem BSV aber auch mit anderen Vereinen“, sagt Oldenburg-Schmidt. Nach dem ersten Versuch will sie nun klären, wie hoch die Akzeptanz für ein solches Projekt werden könnte. „Eine gute Arena“, glaubt Oldenburg-Schmidt, „könnten wir schon gebrauchen.“