Harburg
Senatsanfrage

Harburger Eltern ärgern sich über Qualität der Spielplätze

Der Zustand vieler Anlagen ist schlecht, das hat eine Anfrage beim Hamburger Senat ergeben. Eltern aus Harburg bestätigen das. Sie beklagen, dass Spielplätze oft schmutzig und sogar gefährlich sind.

Harburg. Die Spielplätze im Bezirk Harburg sind überwiegend in einem schlechten Zustand – das hat eine Anfrage der CDU-Fraktion an den Hamburger Senat ergeben (wir berichteten). Der Eindruck wird auch in der Bevölkerung geteilt. Viele Eltern, die mit ihren Kindern auf die Spielplätze in ihrer Nachbarschaft gehen, sind unzufrieden. Sie klagen über kaputte und schmutzige Geräte, ärgern sich, weil sie Zigarettenkippen und Glasscherben finden. In den Fraktionen in der Harburger Bezirksversammlung hat eine Diskussion über die finanziellen Mittel begonnen.

Einer der Plätze, die in der Aufstellung des Senats mit „nicht ausreichend“ bewertet werden, liegt im Stadtteil Langenbek. Auf dem kleinen Platz, der hinter einer Häuserzeile am Elisabeth-Lange-Weg liegt, steht Mounja Talg. Sie wohnt in der Nähe und ist oft mit ihrer 20 Monate alten Tochter Elina hier, „Ich bin verärgert über den Zustand“, sagt die 37-Jährige.

Sie weist auf die zahlreichen Graffitis an den Spielgeräten und auf Holzbalken, die eigentlich zum Sitzen da sein sollen. Aber sie sind morsch und kaputt. „Da bekommt man schnell einen Splitter in die Hand“, sagt Mounja Talg. In das kleine Häuschen auf der Rutsche würde sie ihre Tochter gar nicht hinein lassen: „Darin riecht es oft nach Urin.“

Ungepflegt sei auch der Sand: „Kinder, die hier buddeln, graben manchmal Hundekot aus, zum Teil liegen hier auch Glasflaschen.“ Ihr Eindruck ist, dass vor zwei oder drei Jahren viel an dem Platz gemacht wurde, seitdem aber werde er vernachlässigt.

Kaum besser sei es auf dem nahe gelegenen Spielplatz in dem Park am Buchholzer Weg. Mounja Talgs Tochter Angelique pflichtet bei: „Ich habe sogar schon Spritzen neben dem Mülleimer liegen sehen.“ Die Geräte würden immer wieder beschmiert. Eine Reinigung habe kaum einen Sinn: „Es wird ja doch alles wieder dreckig gemacht“, sagt die 19-Jährige. Nach Angaben des Senats ist der bauliche Zustand des Platzes „nicht ausreichend“, der Pflegezustand aber immerhin „ausreichend“.

Unzufrieden ist auch Ronny Rosenow, Anwohner am Elisabeth-Lange-Weg. „Die Plätze hier brauchen dringend eine Überholung“, sagt der 30 Jahre alte Vater von vier Kindern. Er schickt noch hinterher: „Das ist halt Hamburg.“ Renate Kanehl, sie ist Tagesmutter und wohnt ebenfalls an der Straße, sagt: „Die Plätze hier sind unheimlich vernachlässigt worden. Der Sand ist eine Katastrophe.“ Xenia Radke, die gerade ihre drei Jahre alte Tochter Lilia abholt, kann Ähnliches über den Spielplatz Reeseberg im Stadtteil Wilstorf berichten. „Da liegen oft Kippen im Sand.“ Nach Senatsangaben ist der Pflegezustand „ausreichend“, der bauliche Zustand allerdings nicht. Eine weitere Sache beeinträchtigt die Kinderfreundlichkeit: „Auf dem Platz sieht man oft kiffende Jugendliche“, sagt Xenia Radtke.

Etwas besser ist die Lage im Stadtteil Marmstorf. Viele der dortigen Plätze werden immerhin in den beiden Kategorien mit „ausreichend“ bewertet. So auch der Spielplatz am Koboldweg. Auf dem Gelände treffen wir Nicole Grbavac, die mit ihren beiden Kindern Karlo, 1, und Valentina, 3, hier ist. „Ich finde den Platz eigentlich ganz gut. Es ist schön ruhig hier.“ Sie betont auch, dass sich auf dem Platz abends keine Jugendlichen treffen. Im Stadtteil Eißendorf, wo sie früher lebte, sei das ganz anders gewesen.

Britta Herrmann, Fraktionschefin der Harburger Grünen in der Bezirksversammlung, kennt das Problem mit vermüllten und ungepflegten Kinderspielplätzen aus zwei Perspektiven, als Mutter und Kita-Leiterin. „Vor etwa einem dreiviertel Jahr wurden auf einem Spielplatz bei uns kaputte Spielgeräte abgebaut. Sie wurden bis heute nicht ersetzt.

Aber auch meine Kolleginnen erzählen mir regelmäßig, dass viel Dreck auf den Anlagen liegt, natürlich auch kaputte Flaschen“, sagt die Bezirksabgeordnete. Gerade vor dem Hintergrund des verdichteten Wohnungsbaus und der Tatsache, dass neue Kitas mit immer weniger eigener Außenfläche auskommen müssten und auf öffentliche Spielplätze angewiesen seien, so Herrmann, seien intakte Freiräume für Kinder immens wichtig.

„Man müsste sich in der Tat mal von der Verwaltung darstellen lassen, wie hoch der Topf für Harburgs Spielplätze ist und wie hoch er sein müsste, damit die Anlagen vernünftig gepflegt werden können“, so die Grünen-Politikerin. Etwas überrascht über den Zustand der öffentlichen Spielplätze im Bezirk zeigt sich SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath.

„Die Verwaltung hat mir gerade versichert, dass alle unsere Spielplätze verkehrssicher sind. Das ist schon mal sehr wichtig aus meiner Sicht. Dennoch, kommt da noch eines an Arbeit auf uns zu, denn Verkehrssicherheit alleine reicht nicht“, so Heimath. Die Schuldenbremse und der Zwang zum Sparen, so Heimath, sei die eine Seite. „Wenn wir aber solche Anlagen in öffentlicher Hand bewirtschaften, dann müssen sie nicht nur verkehrssicher, sondern auch sauber und in Ordnung sein“, sagt der SPD-Fraktionschef.

Es sei, so Carsten Schuster, FDP-Bezirksabgeordneter in Harburg, das alte Spiel mit den Unterhaltungskosten. Genau wie im Bereich der Grünanlagen, seien die entsprechenden Mittel auch bei den Kinderspielplätzen „nicht auskömmlich“. Der Posten Unterhaltungskosten sei in den vergangenen Jahren immer wieder auf der Agenda der Bezirksversammlung abgearbeitet worden.

Ihm sei, so Schuster, allerdings nicht bekannt, dass es wegen der Harburger Spielplätze eine „massive Beschwerdelage im Bezirk“ gebe. Ein Problem bei der Sauberkeit der Spielplätze, sagt der FDP-Mann, sei die Tatsache, dass viele Kinderspielplätze vornehmlich in den Abendstunden als Treffpunkte von Jugendlichen genutzt würden. Und einige von ihnen ließen eben auch Flaschen liegen.