Harburg

Nippes aus dem Treibgut der Elbe

Der Trash-Art-Künstler Björn Sommerfeld schafft schöne Wohnaccessoires aus am Strand angespülten Hölzern

Wilhelmsburg. Die Elbe und die Ostsee sind seine zuverlässigsten Lieferanten, spülen ihm sein Werkmaterial bis vor die Füße. Björn Sommerfeld schafft aus Treibgut kleine, zauberhafte Wohnaccessoires, die einzigartig sind. Aus den rauen, von Wasser und Wind geformten Hölzern bildet der 36 Jahre alte Künstler Schlüsselbretter für den Flur, Magneten für die Kühlschranktür oder rustikale Bilderrahmen für die Galerie: kleine Blickfänge mit der Garantie für Gesprächsstoff.

Trash Art Universe nennt Björn Sommerfeld seine Welt aus Naturschätzen und urbanem Strandgut. Angefangen hat der Hamburger Künstler zunächst mit allem, was der Großstadtmoloch auf den Asphaltstrand gespült hat. Er ist sich schon bewusst, dass es für Außenstehende merkwürdig ausgesehen haben muss, wenn er auf der Straße Scherben von zerborstenen Autorückspiegeln aufsammelte. „Die dachten bestimmt, ich hätte einen Schaden“, sagt er.

Neuerdings sammelt der Trash-Art-Künstler Treibgut an Stränden. Seine Freundin habe ihn darauf gebracht bei gemeinsamen Touren mit dem Auto an die Elbe. Mit seiner Treibgut-Kunst greift Björn Sommerfeld ein Lebensgefühl auf, das den meisten Menschen bekannt und angenehm ist. Wer hat noch nicht bei einem Spaziergang am Strand nach einem Stück Holz oder einer Muschel im Sand gegriffen?

Die Ästhetik der von den Wellen angespülten Naturschätzen ist bisweilen nicht weniger bizarr als das Strandgut vom Großstadt-Asphalt. „Wenn ich an am Strand gesammelte Hölzer anbohre, riecht es schon mal nach Weihrauch. Da fragt man sich, woher sie kommen“, sagt Björn Sommerfeld. Gerüche spielen bei der Naturschatzveredelung häufiger eine Rolle. Wenn sich ein Hauch von Motorenöl in die Nase beißt, dürfte das Holz aus irgendeinem Hafenbecken angeschwemmt sein.

Von seinen Spaziergängen an Elbe und Ostsee hat sich Björn Sommerfeld mittlerweile ein Materiallager angelegt. Auf dem Parkettfußboden seiner Wohnung hat er die am Stand entdeckten Äste ausgebreitet – sortiert nach Größen für die Produktion von Schlüsselbrettern oder Magneten. Das Holz lässt er bewusst möglichst unbearbeitet, schleift es nur so viel wie nötig. „Made in Ocean“ sozusagen.

Empfindet der Treibgut-Künstler seine Spaziergänge am Strand überhaupt noch als erholsam, wenn er mit seinen Blicken den Sand siebt? „Ich bin schon konzentriert und sehe ständig auf den Boden“, sagt er, „aber ich kann es auch genießen.“

Aus Brettern baut er rustikale Rahmen aus einem Stück, die den Bildern die Show stehlen. Die Motive seiner Trash-Art-Welt liefert der Künstler bei Bedarf gleich mit. Aus Modezeitschriften und Schulbüchern schnipselt Björn Sommerfeld Collagen mit einer Vorliebe für surreale Welten.

Beim Designmarkt „Mit Liebe gemacht“ in Wilhelmsburg war Björn Sommerfeld einer von wenigen männlichen Ausstellern. Handgemachtes Schönes ist nicht nur im Trend, sondern meist weiblich. So wundert es nicht, dass überwiegend Frauen in der Trash-Art-Welt einkaufen: Frauen seien affiner für Selbstgemachtes, sagt Björn Sommerfeld. Seine Kunst vermarktet er im Internet und auf Märkten.

Das kurioseste Stück Treibgut, das Björn Sommerfeld jemals entdeckt hat, war ein knorriges Holzstück in bunten Farben, an dem noch eine Angelschnur baumelte. Einem Mann in Südsibirien bescherten die Fluten dagegen ein weit spektakuläreres Strandgut. Wie das Internet-Nachrichtenportal Shortnews im Juni berichtete, fand ein Verkehrspolizist ein 4,80 Meter langes Raketentriebwerk, das er an einen Nachbarn verkaufte. Jetzt dient es als unterirdische Jauchegrube.

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