Harburg
Neu Wulmstorf

Caramba: Zwischen Abschied und Aufbruch

Da der Vorstand des Kulturvereins Neu Wulmstorf bislang keinen Nachfolger findet, ist die Zukunft der Theatergruppe ungewiss. Hilft ein Sponsor?

Neu Wulmstorf. Einen besseren Beweis für ihre Leidenschaft können die Laienschauspieler nicht bringen: Punkt 19.30 Uhr, als die Partie zwischen Deutschland und USA noch längst nicht entschieden ist und nahezu alle Straßen leer gefegt sind, öffnet sich die Tür des Proberaums und die Schauspieler treten ein. Auch wenn die deutsche Nationalmannschaft nur alle vier Jahre in einer WM spielt. Zur Probe nicht zu erscheinen, wäre für die Männer und Frauen von der Caramba-Theatergruppe undenkbar.

Doch wie lange wird es die Leidenschaft noch geben? Der Kulturverein, unter dessen Dach sich die Theatergruppe vor neun Jahren gegründet hat, wird wie es scheint 2015 aufgelöst. Der scheidende Vorstand sucht vergeblich Nachfolger. So eng wie Caramba mit dem Kulturverein verwoben ist, kann das Aus für den Verein auch gleich das Ende von Caramba bedeuten.

Noch glaubt Birgit Steinhart, Leiterin der Theatergruppe, an eine Lösung. Caramba ist nicht das einzige Projekt der Autorin, Regisseurin und Schauspielerin. Sie unterrichtet Kinder, Jugendliche und Erwachsene an der Schauspielschule A Cappella in Buxtehude und arbeitet derzeit an einem Bandprojekt. Sie ist Tanztrainerin und gibt Schauspielkurse in unterschiedlichen Vereinen. Erst kürzlich hat sie zum 125-jährigen Jubiläum des Deutschen Roten Kreuz das Musical-Stück „Hoppla, jetzt kommt Augustine“ geschrieben und wirkte selbst in der Aufführung mit. Der Zuspruch war groß. Die Vorstellung in der Stadthalle in Winsen war restlos ausverkauft. „Das muss raus, das musst du weiter tragen“, hieß es danach.

Das erhofft sich Birgit Steinhart vom nächsten Caramba-Stück. Jemanden so sehr dafür zu begeistern, dass sich dieser für Caramba stark macht. Dieser Jemand müsste aber genügend Geld haben und bereit sein, es für das Theaterprojekt auszugeben. Caramba braucht einen Sponsor, ob eine Firma oder eine Privatperson. So wie es der Kulturverein im Grunde derzeit ist.

Der Verein zahlt Raummiete, Technik und übernimmt das Marketing. Jede Spielsaison kostet Caramba etwa 12.000 Euro. Sollte einmal eine Vorstellung nicht die Kosten einspielen, gleicht der Kulturverein den Verlust aus. Das ist allerdings nicht ein einziges Mal passiert. Die Vorstellungen sind regelmäßig ausverkauft. Alles andere stemmt Caramba selbst. Die Darsteller spielen ehrenamtlich. Bühnenbau, Ton, Licht und Maske leistet die Theatergruppe in Eigenregie. Selbst einen Verein zu gründen, lehnt Birgit Steinhart ab, weil ihr das finanzielle Risiko zu hoch ist. Und: „Wenn das Management über meinen Schreibtisch läuft, habe ich keine Zeit mehr für das Kreative“, sagt sie.

Sie hat alle bisherigen neun Vorstellungen für Caramba selbst geschrieben, darunter „Heiße Feger losgelassen“ und „Silberlocken on Tour“. Das Stück, an dem die Gruppe derzeit arbeitet, heißt Klassentreffen. Acht Darsteller schlüpfen in 63 unterschiedliche Rollen und präsentieren ein zweieinhalbstündiges Programm in vier Teilen. Im vierten Teil tanzt das Publikum mit.

Klassentreffen sind dazu da, in Erinnerungen zu schwelgen, Bilanz zu ziehen und in die Zukunft zu blicken. So steht das Caramba-Stück für Abschied und Aufbruch zugleich. Einiges aus den vergangenen Stücken der neunjährigen Caramba-Zeit hat Birgit Steinhart in ihre neue Aufführung einfließen lassen. Die Gruppe blickt also zurück und am Ende heißt es hoffnungsvoll: „Hinterm Horizont geht’s weiter.“ Bleibt nur die Frage, mit wem. Es ist ein anstrengendes Hobby. Zwei Mal pro Woche probt die Gruppe.. Dadurch sind die Darsteller eng miteinander verbunden. Für sie wäre ein Ende von Caramba so, als würde eine Familie auseinander brechen. Geld bekommen sie für ihre Auftritte nicht. „Der größte Lohn ist, wenn die Leute Spaß haben“, sagt Darstellerin Marion Covato, 45, Bereichsleiterin aus Harburg.

Premiere vom Klassentreffen ist am 31. Oktober und 1. November in der Hauptschule in Neu Wulmstorf. Am 7. und 8. November folgt eine Vorstellung im Rieckhof in Harburg, Karten kosten 12,50 Euro.