Harburg
Moment mal!

Dann macht es bumm ...

Eine Glosse von Fabian Schindler

Kennen Sie den? „Dann macht es bumm, ja und dann kracht’s. Und alles schreit: der Müller macht’s. Dann macht es bumm, dann gibt’s ein Tor. Und alles schreit dann: Müller vor“. Nein, das ist kein Lied, das Deutschlands neuem WM-Kanonier Thomas Müller huldigt. Das Lied hat schon viele Jahre auf dem Buckel, und mancher erinnert sich an die Single des „Bombers der Nation“, Gerd Müller.

Lang ist’s her, da haben Fußballspieler uns regelmäßig mit solchen Liedern bespaßt. Franz Beckenbauer folterte unsere Ohren mit schrägem Sprechgesang in „Gute Freunde kann niemand trennen“, und die WM-Elf von 1974 setzte noch einen drauf. „Fußball ist unser Leben“ trällerte die Haarmatten-Truppe. Ein militärisch zackiger Marsch, der perfekt zum Stammtischniveau jener Zeit passte. 1978 zeigte die DFB-Elf mit Udo Jürgens’ „Buenos dias Argentina“ eine etwas bessere Leistung am Mikrofon. Der „Hit“ verkaufte sich besser als die Mannschaft beim Turnier.

Der Zenit der WM-Hits war spätestens 1982 überschritten. Michael Schanze durfte da mit den Kickern die Radiohörer foltern. „Olé España“ dröhnte es aus den Lautsprechern, und ein kitschiges „Mexico mi amor“ trällerte Peter Alexander 1986 gemeinsam mit Pierre Littbarski und Lothar Matthäus ins Mikro. Die Mannschaft, gekleidet mit Poncho und Sombrero, durfte mitsingen. Über „Wir sind schon auf dem Brenner, wir brennen schon darauf“ der Beckenbauer-Truppe von 1990 hüllen wir den Mantel des Schweigens. Den lang ersehnten Nagel schlug die Berti Vogts-Auswahl in den Sarg der WM-Songs. 1994 traten Klinsi, Loddar und Co mit der Regenbogen-Combo „Village People“ auf und blamierten sich mit „Far Away in America“. Basler und Vogts, umringt von Cowboys, Indianern und Bauarbeitern. Das war selbst Vogts zuviel. Seit 1998 herrscht Funkstille. Danke!