Harburg
Neugraben

„Wer will mit uns bauen?“

Familie Trautmann will in Neugraben drei Reihenhäuser in einer Baugemeinschaft errichten. Das Modell wird beliebter

Neugraben. Jens und Ilka Trautmann sind gekommen, um zu bleiben. An der Grenze zum Natur- und Vogelschutzgebiet „Moorgürtel“ in Neugraben, das ihren Söhnen Lasse, 1, und Niklas, 4, und der drei Jahre alten Tochter Tomke freien Auslauf ins Grüne auf 1,5 Kilometern Tiefe bietet, planen der IT-Angestellte und die freie Übersetzerin, beide 40, ein ganz besonderes Zuhause mit dem Namen „Wachtelburg“: In einer Baugemeinschaft mit zwei weiteren Familien soll ein Ensemble mit drei Reihenhäusern entstehen, das viel Gemeinsamkeit zulässt. Eine Familie, gerne mit vielen kleinen Kindern, sucht die Gemeinschaft noch.

Baugemeinschaften sind ein noch seltenes Modell, sein Nest zu bauen - Tendenz steigend. Mehr als 100 Baugemeinschaften gibt es nach Angaben der IBA Hamburg GmbH in der Freien und Hansestadt. Die IBA ist Projektentwickler des Baugebietes Vogelkamp in Neugraben und hält in dem zweiten Bauabschnitt, dessen Vermarktung gerade begonnen hat, für Baugemeinschaften vor.

Baugemeinschaft, aus Unkenntnis klingt das für manchen nach dem Verzicht auf Eigentum und Privatsphäre. Ein Irrtum, sagt Jens Trautmann: „Wir schaffen Privateigentum und keine Kommune“, stellt er klar. In der „Wachtelburg“ soll es aber nicht die klassische Form von drei abgetrennten Gärten geben, sondern einen gemeinsamen Wohnhof, der den Kindern etwa 500 Quadratmeter Spielfläche bietet.

Annähernd 120 Familien leben zurzeit in dem Baugebiet Vogelkamp. Durchlässe in den Gartenhecken, durch die Kinder oder bisweilen Hunde zu den Nachbarn schlüpfen, sind hier keine Seltenheit. Man müsse eben ein paar Fischstäbchen mehr im Kühlschrank haben, sagt Jens Trautmann und erklärt damit den Geist des Quartiers, den er und seine Frau zu schätzen gelernt haben. Ein gemeinsamer Wohnhof dreier Familien ist nur eine konsequente Entwicklung.

Geradezu revolutionär aber mutet die Innenarchitektur der „Wachtelburg“ an, die mit der Tradition des Reihenhausbaus in Deutschland bricht. Familie Trautmann und ihr zweiter Baugemeinschaftspartner, die Familie eines Ingenieurs mit einem kleinen Kind, setzen auf die englische Bauweise: Dabei grenzt die Küche an die Terrasse und nicht wie in Deutschland üblich das Wohnzimmer. Dahinter steckt die Theorie, dass in einer kinderreichen Gemeinschaft Küche und Terrasse den wahren Lebensmittelpunkt bilden.

Die Baugemeinschaft löst sich auch von der klassischen Nord-Süd-Ausrichtung, um eine Sichtachse aus dem Wohnzimmer zu dem Naturschutzgebiet zu schaffen. „Wir wollen das Naturpanorama sozusagen in das Haus hineinholen“, sagt Jens Trautmann.

Die IBA Hamburg GmbH propagiert in dem Baugebiet den Mehrgenerationengedanken. Junge und alte Menschen sollen in der Nachbarschaft leben, damit das Quartier auf Jahrzehnte lebendig und sozial stabil bleibt. In der Wachtelburg sollen Staffelgeschosse mit Küchenanschlüssen und separaten Zählern ausgestattet werden. Trautmanns können sich vorstellen, im Alter unter dem Dach zu wohnen oder das obere Geschoss zur Aufbesserung der Rente zu vermieten.

Die Möglichkeit, deutlich mehr Einfluss auf die Gestaltung des Gebäudes nehmen zu können als bei einem Investorenhaus, nennt Jens Trautmann als einen wichtigen Grund, auf eine Baugemeinschaft zu setzen. Ein anderer Grund seien geringere Kosten. Wer auf einen Investor verzichte, könne günstiger bauen. Jens Trautmann schätzt die Ersparnis auf 15 Prozent. Zum Kauf angebotenen Reihenhäuser in dem Neubaugebiet in Neugraben kosten zurzeit zwischen 300.000 und 330.000 Euro.

Wer eine Baugemeinschaft bildet, muss sich mit den anderen Partnern einig sein. Kompromissfähigkeit ist eine unerlässliche Eigenschaft. Eine Baugemeinschaft stellt auch rechtlich eine Schicksalsgemeinschaft dar. Die Partner haften während der Bauzeit gemeinsam für den Bau und bilden eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts.

„Manchen schreckt das ab“, weiß Jens Trautmann. Für ihn ist das aber kein Grund, auf zwei ausgesuchte private Partner zu vertrauen. „Das Risiko“, sagt er, „halte ich für kleiner als die Gefahr, dass ein Investor pleite geht.“

IBA-Baugemeinschaftsstammtisch, immer am letzten Montag des Monats, 18 Uhr, im Restaurant „Zur Börse“, Francoper Straße 57, in Neugraben. Nächster Termin: Montag, 30 Juni.

Wer sich für die Baugemeinschaft „Wachtelburg“ interessiert, schreibt eine E-Mail an: DieWachtelburg@outlook.de