Harburg
Willkommenskultur

Tostedter eröffnen ein Café für Flüchtlinge

Der große Unterstützerkreis für die neuen Nachbarn richtet in Tostedt ein Internationales Café ein. Erster Termin: Sonnabend, 28. Juni, 11 bis 13 Uhr im Gemeindehaus der Johanneskirche.

Tostedt. Sich begegnen, austauschen, Freundschaften schließen. Im Umgang mit Flüchtlingen ist das ein schönes, wünschenswertes Bild. Es wird gerne mit dem Wort Willkommenskultur umschrieben. Doch Ängste und Vorurteile verstellen manchen Bürgern den Weg, Flüchtlinge mit offenen Armen zu empfangen. Nicht so in Tostedt. Zumindest setzen sich zahlreiche Aktive stark ein, um den Asylbewerbern zu helfen und den Bürgern die Scheu vor den neuen Nachbarn zu nehmen. Rund 50 Flüchtlinge leben bereits in Tostedt. Die Zahl wird noch auf insgesamt 116 Menschen ansteigen. Die Flüchtlinge kommen aus Kriegs- und Krisengebieten in Syrien, Somalia, Algerien, der Elfenbeinküste und Afghanistan und beziehen nach und nach die Containerwohnanlagen am Elsterbogen und Helferichheim.

Mit einem Internationalen Café wollen die Akteure die Flüchtlinge aus ihrer Isolation herausholen. Insbesondere am Wochenende fehlt es den Asylbewerbern an Beschäftigung und Abwechslung. Der erste Termin steht: Vertreter von Kirche, Vereinen und anderen Organisationen laden Flüchtlinge und Tostedter Einwohner zum Internationalen Café für Sonnabend, 28. Juni, 11 bis 13 Uhr, ins Gemeindehaus der Johanneskirche, Himmelsweg 12, ein.

Das zeigt: Die Tostedter reden nicht, sie handeln. „Dieses Café soll einen Rahmen bieten, zusammenzukommen, bei Tee, Kaffee oder Saft voneinander zu lernen, Zeit zum gemeinsamen Spielen und Lernen zu haben und den Reichtum des Andersseins kennenzulernen“, steht auf der Einladung an die Flüchtlinge auf Englisch, Französisch und Arabisch.

Auch wenn das Internationale Café unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde stattfindet, betont Pastor Gerald Meier: „Es ist ein überkonfessionelles Angebot und offen für alle.“ Er hofft, dass neben den Flüchtlingen viele Tostedter das Café besuchen, auch wenn es nur kurz ist. „Es lebt schon davon, wenn man nur mal ein Gespräch mit den Flüchtlingen führt.“

Der Unterstützerkreis in Tostedt hat das Café ganz nach dem Vorbild des Angebots in Winsen konzipiert, das in Kirchenkreisen in ganz Niedersachsen Anklang fand. Eine kleine Gruppe der rund 20 aktiven Helfer aus Tostedt hat das Internationale Café extra in Augenschein genommen. Angelehnt an die Struktur in Winsen sollen sich die Einwohner von Tostedt in lockerer Atmosphäre begegnen, unterhalten können und bei sprachlichen Problemen Hilfe leisten.

Die Sprachkenntnisse sind meistens der Schlüssel zur Integration. Deshalb erteilen Lehrer darüber hinaus ehrenamtlich Deutschunterricht. Auch dafür stellt die Johannesgemeinde ihre Räume im Gemeindehaus am Himmelsweg zur Verfügung genauso wie die katholische Herz-Jesu-Gemeinde an der Poststraße. So können die jungen Erwachsenen an zwei Tagen in der Woche Deutsch lernen.

Zugleich treten die Schulen in Aktion und haben bereits einen Lernraum zum Thema Flucht eingerichtet, um die Kinder und Jugendlichen aufzuklären (das Abendblatt berichtete). Einer besonderen Herausforderung stellen sich die Neuntklässler des Gymnasiums im Kunstunterricht. Sie übersetzen die Hausordnung der Containerwohnanlagen in Piktogramme. Vorschriften wie nicht zu rauchen und die Bettruhe einzuhalten, versuchen die Schüler in Bilder zu gießen, um sie den Flüchtlingen leicht verständlich zu machen. Denn am Amtsdeutsch scheitern viele.

Der Wille, den Flüchtlingen unter die Arme zu greifen, ist in Tostedt also weit verbreitet. An den ersten Vernetzungstreffen der Unterstützer haben 60 Personen teilgenommen. Daraus hat sich ein Kreis aus rund 20 Aktiven gebildet, die sich allein im Internationalen Café engagieren. Bis zum Beginn der Sommerferien öffnet das Internationale Café wöchentlich. Dann ziehen Gerald Meier und die anderen Unterstützer zunächst Bilanz und schauen wie es weiter geht. Die Bäckerei Weiss liefert Gebäck und Kuchen. Vielleicht ergeben sich wie in Winsen am Ende persönliche Kontakte zwischen den Flüchtlingen und den Einwohnern. „Das erhoffen wir uns“, sagt Gerald Meier.

Die nächsten Termine des Internationalen Cafés sind immer sonnabends: 5. Juli, 15 bis 17 Uhr, 12. Juli, 11 bis 13 Uhr, 19. Juli, 15 bis 17 Uhr, 26. Juli, 11 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.