Harburg
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Neues Messgerät für Schadstoffe

Team von der Technischen Universität Hamburg-Harburg gewinnt den Innotech-Preis. Studenten wollen Firma gründen

Harburg. Sie sind die Gewinner. Fast wie in Hollywood wurde ihre Bewerbung am Dienstagabend bei der Tu Tech Innovation GmbH aus einem Briefumschlag gezogen: Johannes Weber, Matthias Schmittmann und Ivalyo Radev haben sich mit ihrer Idee gegen mehr als 30 Konkurrenten durchgesetzt und wurden als Sieger des von der TuTech, einer Tochter der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) und dem hit-Technopark initiierten Innotech-Preis prämiert. Er ist mit 3000 Euro dotiert. Dazu gibt es auch für den zweiten und dritten Preis einen Koffer mit Gutscheinen für Dienstleistungen. Sie umfassen etwa Hilfe beim Aufsetzen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen, ein Catering für die künftigen Investorengesprächen und technische Unterstützung beim Aufbau einer Webseite.

Ihre Innovation wollen die drei Gewinner, die an der TUHH und am Northern Institute of Technology studieren, Mitte 2015 über eine eigene Firma auf den Markt bringen. Bisher gibt es einen Prototyp von ihrem Gaschromatographen, einem Umweltmessgerät. Mit ihm können zunächst freie Flächen auf Schadstoffe wie Öl oder Lösungsmitteln untersucht werden.

„Unsere Innovation macht es Umweltingenieuren möglich, 30 Mal schneller als mit herkömmlichen Technologien Altlasten zu erkennen“, sagt Matthias Schmittmann. Die eingesparte Zeit reduziert die Kosten für die jeweiligen Kunden. Künftig sollen die Geräte auch für die Gebäude-Diagnostik und für Feuerwehren, die Chemieindustrie oder auch in Häfen eingesetzt werden. Zuvor aber müssen die künftigen Gründer noch Geld für eine GmbH sammeln. Sie soll unter dem Namen bentekk an den Start gehen.

Die Teilnehmer des Wettbewerbs, die mit ihren Innovationen auf eine Firmengründung hinarbeiten, bilden einen Gegensatz zur aktuellen Situation in Deutschland. „Zwar kommen noch immer 30.000 der jährlich 72.000 Patente in der EU aus Deutschland, aber wir machen nichts aus dieser komfortablen Situation“, sagte Thomas J. C. Matzen, Honorarprofessor an der TUHH. Denn bei der Zahl der Firmengründungen liege die Bundesrepublik allenfalls im Mittelfeld und beispielsweise deutlich hinter Frankreich. Auch die USA unterstützen Gründer mit einer drei Mal so hohen Summe wie hierzulande. „Es kommt also darauf an, Kammern, Verbänden, Medien und Hochschulen die jungen Leute unterstützen, damit sie ihre Ideen umsetzen können“, so Matzen. Wie der scheidende Geschäftsführer der TuTech Innovation, Helmut Thamer, schlug er vor, Innovationspreise auf regionaler und Bundesebene zusammenzuführen.

Neben dem ersten Preis wurde auch ein zweiter und ein dritter Preis vergeben. Sie sind mit 2000 und 1000 Euro dotiert. Zweiter wurde das Gründungsvorhaben Glyconic. Das Team aus der Abteilung Mikrobiologie und Biotechnologie vom Biozentrum Klein Flottbek der Universität Hamburg will Polyphenol-Glykoside produzieren, die für die Kosmetik- und die Lebensmittelindustrie, und für Pharmahersteller interessant sind. Platz drei ging an Jan Michaelis und Lucas Romero für die Entwicklung einer Abrechnungs-App, mit der Wohngemeinschaften oder Reisegruppen gemeinsame Ausgaben aufteilen und umrechnen können.