Harburg
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Die deutschen Pausenbrot-Meister

24 Grundschüler der Schule Kerschensteinerstraße schmierten für ihre 300 Mitschüler 30 Meter Butterbrot

Harburg. 30 Meter lang ist das gesunde Stück. Dinkel- und Vollkornmehl stecken in dem 50-Kilogramm-Pausenbrot, das 24 Viertklässler für ihre rund 300 Mitschüler der Grundschule Kerschensteinerstraße mit Butter geschmiert, mit Käse und Putenbrust belegt haben. Klar ist, das Schmieren des gigantischen Meterbrotes ging weit schneller, als das Aufessen.

Als es um 10 Uhr zur großen Pause klingelte, füllte sich der 30-Meter-Tisch, auf dem das Pausenbrot und kleine Schälchen mit knackigem Gemüse zum Nachlegen aufgebaut waren, ganz schnell. 300 hungrige Grundschüler machten sich dann auch über das längste Pausenbrot her. Aber obwohl auch die Lehrer beim Aufessen halfen, so schnell essen sich 30 Meter Brot nun mal nicht.

Die Schule Kerschensteinerstraße hat sich an der Aktion „Gesundes Pausenbrot“ des Butterherstellers Kerrygold beteiligt. Ziel dieser Aktionen, an denen sich inzwischen bereits 350 deutsche Schulen beteiligt haben, ist es, bei den Kindern für eine gesunde Ernährung zu werben. Insbesondere in Brennpunkt-Vierteln beobachten viele Lehrer, dass ihre Schüler morgens ohne ein Frühstück das Elternhaus verlassen und hungrig in die Schule kommen. Wenige von ihnen bringen ein Pausenbrot oder Obst mit in die Schule. „Wir legen an unserer Schule großen Wert darauf, dass sich die Kinder vernünftig und gesund ernähren. Nur so können sie gut lernen. wir bringen ihnen auch gezielt Vollkornprodukte, Gemüse und Obst nahe“, sagt Birgit Großmann, Ganztagskoordinatorin an der Grundschule Kerschensteinerstraße.

So verkaufen in der Grundschule ältere Schüler im schuleigenen „Knabberstübchen“ Vollkorn-Snacks in den Pausen, und auch bei der Ganztagsbetreuung der Schüler kommen mittags nur gesunde Produkte auf den Tisch. Birgit Großmann, die Pädagogin hat ein zusätzliches Studium als Ernährungswissenschaftlerin absolviert, hat das Projekt „Gesundes Pausenbrot“ an der Harburger Schule verantwortlich betreut.

Ein ganz wichtiger Akteur dieses Projektes war Konditormeister und Bäcker Thomas Horn aus Langenhorn. Horn, der in seiner Bäckerkluft in der Pausenhalle erschien, hatte einige Stunden zuvor das riesige Pausenbrot in seinem Ofen gebacken und an der Kerschensteinerstraße angeliefert. Den Grundschulkindern erklärte der selbstständige Bäcker, wie man so ein langes Brot überhaupt backen kann in einer ganz normalen Bäckerei. „Ihr müsst euch vorstellen, dass das 70 einzelne Meterbrote sind. In meinen Ofen passen genau 50 Brote auf einmal rein. Die 20 anderen Brote musste ich in einem zweiten Backdurchgang fertig backen“, sagt Thomas Horn, der im Laufe seiner Karriere schon in Paris und New York gelebt und gearbeitet hat.

Horn ist Spezialist für solche ausgefallenen Aufträge. Gemeinsam mit seinem Konditorkollegen Frank Steidl baute der Langenhorner im Jahr 2005, als der Luxusliner zum ersten Mal im Hamburger Hafen einlief, die Queen Mary2 als 650 Kilogramm schwere Super-Torte. So ganz passte das 30 Meter lange Pausenbrot, das frisch belegt auf langen Tischen lag, natürlich nicht in die kleine Pausenhalle der Grundschule. Deswegen musste angebaut werden. Und die letzten zwölf Meter Brot reichten bis fast auf den Pausenhof.

Für die Kinder war diese erste große Pause mit dem längsten Pausenbrot, das jemals in der Grundschule Kerschensteinerstraße gesehen worden ist, eine großartige Abwechslung. Sie stellen sich entlang des Pausenbrotes auf und als dann der Startschuss fiel, griffen alle kräftig zu.

Mit den leckeren Butterbroten versorgt, beantworteten sie geduldig die Fragen der Journalisten und outeten sich dabei als echte angehende Ökotrophologen. Sie erklärten, warum es so wichtig sei, gut zu frühstücken und gesunde Dinge zu essen. „Das ist ganz wichtig, damit ich mich konzentrieren und gut lernen kann. außerdem schmecken gesunde Sachen viel besser, als viele denken“, sagte eine Drittklässlerin.