Harburg
Kommentar

Es geht nur noch um Pöstchen

Welches Kalkül auch immer hinter dem geplanten Sturz des langjährigen und verdienten SPD-Fraktionschefs Jürgen Heimath stehen mag – die Palastrevolte kommt zur völligen Unzeit.

Die SPD hat gerade nicht nur ihre Mehrheit in der Bezirksversammlung verloren, sie muss ein Minus von mehr als neun Prozent bei den Harburger Wählern verarbeiten. Zudem stehen die Koalitionsgespräche mit den Grünen und mit der CDU an. Ausgerechnet jetzt die Pferde wechseln zu wollen, nur weil ein paar Genossen das Gerangel um Pöstchen nicht bleiben lassen können, ist mehr als unbedacht. Ein Wechsel an der Fraktionsspitze zu diesem Zeitpunkt schwächt die Fraktion in der Bezirksversammlung.

Ob ausgerechnet Arend Wiese, der sich in der zurückliegenden Wahlperiode kaum durch eine profunde Äußerung in öffentlichen Sitzungen hervor getan hat, das Zeug zum Fraktionschef hat, darf bezweifelt werden. Aber manche wachsen ja auch mit ihren Aufgaben.

Es drängt sich die Vermutung auf, dass es den Strippenziehern, die sich die Geschichte mit dem neuen Fraktionschef haben einfallen lassen, mitnichten um die Partei oder die künftige Arbeit der Sozialdemokraten in der Harburger Bezirksversammlung geht. Ihnen scheint es in der Tat um die Pöstchen zu gehen. Und da spielen mit Sicherheit alte, unbeglichene Rechnungen und verletzte Eitelkeiten eine immense Rolle. Das ist schäbig, gehört aber anscheinend für die Drahtzieher zum politischen Geschäft.