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Süderelbe-Sportvereine vor der Großfusion

Neuer Club: TV Fischbek befragt Mitglieder zur Verschmelzung mit der HNT

Fischbek. Der Plan für eine Verschmelzung von TV Fischbek und Hausbruch-Neugrabener Turnerschaft (HNT) zu einem der größten Sportvereine Hamburgs mit dann insgesamt 6300 Mitgliedern muss am Mittwochabend, 7. Mai, eine wichtige Hürde nehmen: Bei der nicht-öffentlichen Jahreshauptversammlung des TV Fischbek sollen die Mitglieder den Vorstand ermächtigen, die nötigen Schritte zur Gründung eines gemeinsamen Stadtteilvereins einzuleiten. Die Zustimmung beim TV Fischbek (1300 Mitglieder) gilt als keineswegs sicher.

Die endgültige Abstimmung über die Gründung eines Stadtteilvereins wäre zwar erst im Oktober bei einer außerordentlichen Versammlung. Die einfache Mehrheit bei dem Mitgliedervotum des TV Fischbek am Mittwoch könnte aber ausreichen, dass der Vorstand die Beitrittsvorbereitungen abbrechen muss – das macht es so spannend. Die Mitglieder werden in geheimer Abstimmung entscheiden. Bei der HNT ist die Verschmelzung mit dem Nachbarverein unstrittig, die Delegiertenversammlung hat den Vorstand bereits damit beauftragt.

Vor allen die starke Handball-Abteilung mit etwa 300 Mitgliedern gilt als Gegner der Verschmelzung mit der HNT. Skepsis bestehe auch bei älteren Menschen im Verein, sagt der 1. Vorsitzende des TV Fischbek, Ralf Lüders. Sie befürchten steigende Beiträge und den Verlust der Identität. Im Falle der Fusion will der neue Großverein zunächst die heute geltenden Beitragshöhen garantieren, um später eine neue Beitragsstaffelung zu entwickeln.

Ralf Lüders sieht gerade in der Verschmelzung zu einem Großverein die einzige Alternative, höhere Beiträge abzuwehren. Sollte die Gründung eines Stadtteilvereins scheitern, sagt er, müsse der TV Fischbek hauptamtliche Mitarbeiter einstellen. Und dann seien höhere Mitgliedsbeiträge unvermeidbar. Ein Sportverein mit 1300 Mitgliedern sei heute nicht mehr allein ehrenamtlich zu führen. Der TV Fischbek könne daher von den professionellen Strukturen der HNT mit ihren mehreren hauptamtlichen Mitarbeitern profitieren.

Für die Befürworter eines gemeinsamen Vereins aus den beiden Traditionsvereinen TV Fischbek (1928 gegründet) und HNT (1911 gegründet) geht es um mehr als um einen oder zwei Euro mehr erhöhte Mitgliedsbeiträge. Sie sehen in der Verschmelzung und der Gründung eines neuen Stadtteilvereins nicht weniger als die Sicherung der Überlebensfähigkeit ihrer Sportvereine.

Sportvereine sind heute längst nicht mehr nur Sportanbieter. Als Partner von Ganztagsschulen und Jugendämtern übernehmen sie zunehmend Aufgaben in der Stadtentwicklung. Als Stadtteilvereine müssen sie in der Lage sein, als sozialer Dienstleister ein Gesamtpaket für die Ganztagschulbetreuung anbieten und damit mit den sozialen Wohlfahrtsverbänden in Wettbewerb treten zu können. Zu dem Gesamtpaket eines modernen Großvereins werden in Zukunft auch sportfremde Leistungen zählen: Hausaufgabenhilfe und Essensausgabe an Schulen.

Die kleinen, ehrenamtlichen Sportvereine könnten schnell aus dem wichtigen Geschäft mit der Ganztagsschulbetreuung gedrängt werden, sollten die großen Wohlfahrtsverbände ihrerseits hautberufliche Übungsleiter einkaufen und selbst als Sportdienstleister auftreten. Freizeitübungsleiter könnten neben ihrem Beruf erst ab 16 oder 17 Uhr an die Schulen gehen – viel zu spät für den Schulbetrieb.

Deshalb müssten Sportvereine hauptamtliche Übungsleiter einkaufen, die ab mittags bereit stünden, sagt Ralf Lüders. Und das könne nur ein mitgliederstarker Stadtteilverein leisten. Sportvereine müssen auf ein verändertes Verhalten in der Gesellschaft reagieren. Immer weniger Menschen seien bereit, in ihrer Freizeit Aufgaben im Verein zu übernehmen, sagt Ralf Lüders. Selbst wenn der Vorstand einmal im Jahr Kassenprüfer suche, eine Aufgabe von einem halben Tag, herrsche betretenes Schweigen. Der Sportler suche ein Dienstleistungsunternehmen, sagt Ralf Lüders. Die Antwort darauf sei der Stadtteilverein mit einem Pool an hauptamtlichen Mitarbeitern. „Der Trend geht eindeutig dahin“, sagt der 2. Vorsitzende des TV Fischbek, Klaus Lindenberg. Ein hauptamtlicher Übungsleiter könne bis zu sieben Ehrenamtliche ersetzen.

Der Sportverein als Dienstleister für Schulen sei alternativlos. Zögen sich die Vereine aus den Schulen zurück, würde ihnen der Nachwuchs ausgehen, warnt Lüders. Die meisten Jungen und Mädchen, ausgenommen die Leistungssportler, seien nicht mehr bereit, abends im Sportverein zu trainieren, wenn sie erst um 17 Uhr aus der Schule nach Hause kämen.

Der Stadtteilverein böte auch die größere Chance, auf Modetrends zu reagieren. Ein Beispiel ist das erfolgreiche Fitnesskonzept Zumba. Übungsleiter für derart spezielle Modesportarten müsse ein Sportverein einkaufen, sagt Ralf Lüders. Und das könne der mitgliederstarke Großverein nun einmal leichter.

Die Gefahr, dass die große HNT (5000 Mitglieder) den kleineren TV Fischbek (1300 Mitglieder) bis zum Identitätsverlust übernimmt, sieht Ralf Lüders nicht.

Seit zwei Jahren bereiten vier Arbeitskreise die Verschmelzung vor. Der kleinere Verein hatte genau so viele Vertreter wie der größere Verein. „Gleichberechtigter“, sagt Lüders, „habe ich noch nie Gespräche geführt.“