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Winsen

Die Lebenshilfe zieht nach Winsen

Einer der größten Arbeitgeber der Region findet in Lüneburg nicht genug Platz. Restaurant wird zum Biedermeier-Café

Winsen. Die Lebenshilfe Lüneburg-Harburg hat ihre Pläne geändert. Wollte die zu den größten Arbeitgebern der Region zählende Einrichtung ursprünglich wegen Platzmangels innerhalb Lüneburgs umziehen, verlässt ein Teil der Einrichtung jetzt aus Kostengründen die Hansestadt und wechselt nach Winsen. Die gemeinnützige GmbH investiert 2,6 Millionen Euro für Neu- und Umbau. Auch in Lüneburg verändert sich etwas.

Geplant ist der Umzug für die Tischlerei. Am Borsteler Grund will die Lebenshilfe einen Neubau für die Werkstatt errichten. „Mit der Verlagerung der Tischlerei nach Winsen reagieren wir auf die akute Raumnot bei uns am Vrestorfer Weg“, sagt Geschäftsführer Ernst-Albrecht von Moreau. 951 hauptamtliche Mitarbeiter zählt die Lebenshilfe, sie bietet für mehr als 2100 Menschen mit Behinderung unterschiedliche Dienste sowie Jobs in ihren Werkstätten an.

In die freiwerdende Tischlerei in Lüneburg soll die Gartenabteilung einziehen, für den Neubau in Winsen und den Umbau in Lüneburg veranschlagt die Lebenshilfe rund 2,6 Millionen Euro. „Wenn alles optimal läuft, könnten Tischlerei und Gartenabteilung ihre neuen Räume schon Ende 2015 beziehen“, sagt von Moreau.

Mit dem Umzug der Tischlerei nach Winsen ist nicht nur der vor einigen Jahren geplante Ortswechsel in das neu entstehende Speicherquartier nahe dem Bahnhof vom Tisch, sondern auch die anschließend geplante Erweiterung auf einem Nachbargrundstück.

Die Fläche am Meisterweg war zu teuer, daher hatte die Lebenshilfe versucht, auf einem Nachbargelände am Vrestorfer Weg Flächen zu erwerben. Erfolglos. „Wir waren auf einem guten Weg. Doch letztlich sind die Verhandlungen zu keinem Ergebnis gekommen“, sagt von Moreau bedauernd.

In den Tischlerei-Neubau in Winsen ziehen drei hauptamtliche Mitarbeiter und 29 Werkstattbeschäftigte ein. Die Gartengruppe, die die Räume in Lüneburg übernimmt, hat aktuell 46 Werkstattbeschäftigte. „Die Auftragslage ist gut. Unsere Gartenabteilung befindet sich auf Wachstumskurs, daher kommt es zu dem Platzbedarf.“

Die Lebenshilfe plant die neue Tischlerei direkt neben ihr 2012 eröffnetes FITZ „Für Integration, Teilhabe, Zukunft“. Im FITZ-Gebäude befinden sich Werkstätten für Menschen mit Behinderung, die Ambulante Betreuung, die Mobilen Assistenzdienste und ein Hort unter einem Dach. Wegen des Brandschutzes braucht die Tischlerei nach Angaben der Lebenshilfe aber einen Neubau. Dort bauen die Beschäftigten Geräte für den Garten und Freizeitbereich, Paletten- und Transportkisten sowie Einbaumöbel.

„Wir werden in Winsen mit offenen Armen empfangen und können das Grundstück für unsere Tischlerei voraussichtlich von der Stadt kaufen“, sagt der Lebenshilfe-Geschäftsführer. „Schon beim Bau des FITZ hatten wir sehr gute Erfahrungen mit der Stadt Winsen gemacht.“

In Lüneburg selbst baut die Lebenshilfe Lüneburg-Harburg ihr Café und Restaurant Am Sande um: Im „Sandkrug“ Am Sande, um 1500 neben St. Johannis gebaut, arbeiten neun Menschen mit Behinderung und zwei fest angestellte Mitarbeiter. Ziel ist die Eingliederung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.

Damit der Laden wirtschaftlich läuft, müssen aber mehr Gäste kommen. „Obwohl er an dem schönsten Platz in Lüneburg liegt, waren die Umsatzzahlen nicht so, wie wir es erwartet hatten“, sagt Werkstätten-Leiterin Monika Wester. Daher ändert die Lebenshilfe ihr gastronomisches Konzept. „Im Juni bauen wir um und richten den Sandkrug so ein, dass die Atmosphäre dann an die deutsche Biedermeier-Zeit erinnert.“ Von den Stühlen über Sofas, Tapeten und Gardinen wird alles nach Biedermeier aussehen. Aber auch die Speisekarte wird aufs 19. Jahrhundert angepasst: Es gibt Pichelsteiner Eintopf, Wirsingroulade und Wiener Schnitzel, Sachertorte, Linzertorte und Baumkuchen.

Außerdem sollen nach dem Umbau weitere Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen werden. Seit 35 Jahren betreibt die Lebenshilfe dort Gastronomie, im Obergeschoss leben Menschen mit Behinderung in einer Wohngruppe.

Der neue Sandkrug bietet Platz für 40 Gäste, der vom 1. April bis 30. September geöffnete Außenbereich vor der Fassade des altehrwürdigen Giebelhauses hat zwölf Sitzplätze. „Wir wünschen uns, dass der Sandkrug sich gut etabliert und zudem ein attraktives Ausflugsziel für Touristen wird – besonders auch für die vielen Lüneburg-Besucher, die als Rote-Rosen-Fans in die Stadt kommen“, sagen Patricia Schütt und Monika Wester unisono.

Der Sandkrug wird nach der Bauphase im Juni Anfang Juli den Betrieb wieder aufnehmen. Die Öffnungszeiten sind dann dienstags bis sonnabends von 9 bis 17 Uhr. Der Sandkrug kann für Gruppen und Feiern gebucht werden.