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Winsen

Rote Mappe für den Ministerpräsidenten

Stephan Weil (SPD) kommt zum Niedersachsentag des Heimatbundes nach Winsen. Er soll auf die Wünsche der Bürger für Kultur und Natur eingehen

Winsen. Hoher Besuch in Winsen: In der Kreisstadt wird am 10. Mai Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erwartet. Er kommt zum Niedersachsentag des Niedersächsischen Heimatbundes, der zum ersten Mal an der Luhe ausgerichtet wird. In der Stadthalle soll der Regierungschef auf die Vorschläge der Bürger des Landes zu den Themen Denkmalschutz, Niederdeutsches Kulturgut, Natur und Heimat antworten, die ihm seit Januar vorliegen. Auf die vom Heimatbund eingereichte Rote Mappe mit den Anregungen wird er Antworten aus seiner Weißen Mappe präsentieren. „Wir werden die Mappen danach öffentlich austauschen“, sagt Verbandspräsident Hansjörg Küster. Der promovierte Biologe und Professor für Pflanzenökologie an der Leibniz-Universität in Hannover sieht in den Anregungen ein „Instrument der direkten Demokratie. Zwar wird die Regierung nicht gleich alles umsetzen, aber wir kommen so ins Gespräch“, sagte der Professor am Montag in Winsen.

Die Vorstöße des Verbandes, der jetzt für den 9. und 10. Mai zum 95. Mal zu der jährlichen Veranstaltung lädt, haben schon bisher einiges verändert. Zwar will Küster seine für den 10. Mai geplanten Rede noch nicht im Detail verraten. Klar ist aber: Dem Verband, dem 450 Mitglieds-Organisationen wie Heimat- und Geschichtsvereine, Landkreise, Kommunen und Landesfachbehörden angehören, liegt die Förderung ländlicher Räume am Herzen. „Wir müssen erreichen, dass die Menschen dort nicht abwandern. Dazu gehören der Ausbau der Infrastruktur, genügend in der Nähe erreichbare Arzt-Praxen und ein gut organisierter öffentlicher Nahverkehr“, sagt Küster. „Wir sprechen darüber mit der Staatskanzlei, den Ministerien sowie auch mit einzelnen Parlamentariern.“

Diskutiert werden soll an den zwei Tagen des Niedersachsentages zudem über mehr kompetentes Personal für Führungen in Naturschutzgebieten sowie über die von Menschen gestaltete Landschaft. „Sie gehört für uns neben der Natur zur Heimat“, sagte Küster. Den Begriff Heimat versteht der Verband dabei auch als „Angebot für alle Menschen, die hierher kommen und Wurzeln schlagen wollen. Wir müssen dabei auch die Menschen aus dem Ausland aufnehmen und integrieren.“ In die Veranstaltung, zu der bis zu 450 Besucher erwartet werden, wird auch die Mitgliederversammlung des Heimatbundes am Freitag, 9. Mai, dem ersten Tag des Treffens, eingeschlossen. Immerhin: Das Engagement des Verbandes habe schon bisher dazu beigetragen, dass an der Universität Oldenburg ein Lehrstuhl für Niederdeutsch eingerichtet wurde und auch auf Kreis und Gemeindeebene weitere Beauftragte für die Sprache angestellt wurden, versichert Küster.

Besucher können an drei kostenlosen Exkursionen in der Region teilnehmen

Unterstützt wird der Niedersachsentag von der Stadt Winsen sowie dem Landkreis. Beide stellen jeweils rund 2500 Euro bereit, wie Landrat Joachim Bordt und der Erste Stadtrat Christian Reich sagten. „An zwei Tagen wird ein spannendes Programm geboten“, sagte Bordt. Dazu gehören neben einem Disksussionsforum und der Festveranstaltung mit dem Austausch der Mappen drei Exkursionen. Nach dem Motto „Heimat-Kultur-Natur“ sind sie am Sonnabend zwischen 14 und 17 Uhr geplant.

Die erste Exkursion führt durch die historische Stadt Winsen. Dabei können das Blaufärberhaus, das Denkmal und das Geburtshaus von Johann Peter Eckermann, der durch seine Gespräche mit Goethe bekannt wurde, die Kirche St. Marien und das Schloss besichtigt werden. Die zweite Führung geht zur Kunststätte Bossard, die von dem Ehepaar Johann und Jutta Bossard eingerichtet wurde. Schließlich wird auch noch ein dritter Ausflug an die Seeve angeboten. Sie gehört mit 41 Kilometern Länge zu den kürzesten und kühlsten Heidebächen. Von der Quelle im westlichen Teil der Lüneburger Heide bei Wehlen bis zur Mündung überwindet sie gut 65 Höhenmeter und hat daher eine hohe Fließgeschwindigkeit. An allen Exkursionen können Besucher kostenlos teilnehmen. Allerdings sollten sich Interessenten bis zum 2. Mai beim Heimatbund, Landesstraße 6a, in 30159 Hannover anmelden.

Den Niedersachsentag plant der Verband für jedes Jahr. Dabei wird immer ein neuer Veranstaltungsort gesucht. Grundsätzlich sollen bei den Treffen Vereinsmitglieder, die sich für die Natur, die Kultur und die Geschichte ihrer Heimat einsetzen, mit den Politikern aus Land, Landkreisen, Städten und Gemeinden zusammentreffen. Nachdem das Treffen 2013 in Rinteln ausgerichtet wurde, steht auch der Ort für die nachfolgenden Tag bereits fest. 2015 wird der Heimatbund für den 8./9. Mai nach Westerstede einladen. Bürgermeister Karl Groß wird dafür schon an der Festveranstaltung in Winsen teilnehmen.

Der Niedersachsentag des Heimatbundes darf dabei nicht mit dem Tag der Niedersachsen verwechselt werden. Dieses Volksfest wird vom niedersächsischen Innenministerium ausgerichtet. In diesem Jahr wird der Tag der Niedersachsen jedoch ausfallen, da die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober für Hannover geplant sind.