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Bilder, die zum Nachdenken anregen

Profi-Fotograf Daniel Josefsohn stellt seine vielsagenden Werke im Jesteburger Kunsthaus aus

Jesteburg. „Machen Sie auch Passfotos?“ Eine Frage, so mutmaßt man, die sich ein Profi-Fotograf wohl öfter anhören muss, sich aber kaum gefallen lassen wird. Trotzdem hat Daniel Josefsohn seine Ausstellung im Jesteburger Kunsthaus so genannt. Warum? „Fragen Sie lieber nicht, das entzaubert nur“, ist seine Antwort, ein wenig pikiert. Doch das ist schnell vergessen: „Der Titel des Bildes ist manchmal wichtiger als das Bild selbst“, sagt er. Um das zu demonstrieren, fängt er mit dem kleinsten Exponat an: ein Foto seines eigenen Passes. Geburtsort Hamburg, Nationalität israelisch. Betitelt ist das Foto mit „Golda Meir“. „Die hat mal neben meiner Oma gewohnt“, so die Erklärung.

Ein Hinweis auf den „roten Faden“, der sich durch die Bilder zieht: das „Jüdischsein heute“. Wie auch beim Bild vom Reetdachhaus mit der israelischen Flagge davor. Es heißt „More Jewish Settlement on Sylt Strip“. Aus norddeutscher Sicht mag das sogar doppeldeutig sein – wird derzeit nicht gerade diskutiert, dass nur noch die Reichen auf Sylt siedeln und für andere kein Platz mehr ist? Ist es eine Anspielung auf die israelische Siedlungspolitk im Gaza-Streifen? Nur letzteres treffe zu, sagt Daniel Josefsohn: „Man könnte anstelle des Gazastreifens ja auch mal Sylt besiedeln.“ Übrigens habe das Haus einmal Hermann Göring gehört. Das Bild neben dem Pass sei ebenfalls eine „Besiedelung“: „Ich bin auf die Kuppel des Bayreuther Festspielhauses, die ‚Antenne nach Walhalla‘, gestiegen. Ich als Jude – das muss man sich mal vorstellen“, sagt Josefsohn augenzwinkernd.

Nicht alle Bilder sind so heiter-ironisch, sie sind auch verstörend, wie die Gewehrmündung, die aus dem blühenden Busch ragt, das schaumbedeckte Pferd, untertitelt mit „Wichsvorlage beim Schwulen-Cowboy-Festival“, oder die Frau unter der scharlachroten Burka mit dem „Disco sucks“-Button („Disco ist ätzend“).

Daniel Josefsohn, der heute in Berlin lebt, wurde einem breiten Publikum bekannt durch eine Werbekampagne für den Fernsehsender MTV, er arbeitete für Magazine wie die „Zeit“, das „Süddeutsche-Magazin“ oder „Art“.

Seinen Schlaganfall, den er Ende 2012 erlitt, verarbeitet der 52-Jährige durch die Fotokolumne „Am Leben“, ebenfalls in der „Zeit“. Daraus soll bis Ende des Jahres ein Buch entstehen. „Der Titel wird ,OK, DJ’ heißen“, verrät Josefsohn. Auch seine nächste Ausstellung plant er schon. „Den Titel gibt es auch schon. Den verrate ich aber noch nicht.“

Daniel Josefsohn: „Machen Sie auch Passfotos?“, bis 7. Juli im Kunsthaus Jesteburg, Hauptstraße 37, geöffnet donnerstags und freitags 15 bis 18.30 Uhr, sonnabends und sonntags 14 bis 18.30 Uhr. Führungen am 15. Mai, 5. Juni und 6. Juli jeweils ab 16 Uhr.