Harburg
Langenbek

Sieben Kubikmeter für das Spiel

Schüler, Eltern und Schulleitung machten den Bolzplatz an der Scheeßeler Kehre fit für die Saison

Langenbek. „Manno, wo bleibt Papa denn?“, schimpft Viertklässler Henning, „die ganze Arbeit muss ich alleine machen!“

Da hatte Henning aber schlecht gezählt: Zwar steckte sein Vater im Stau zwischen Arbeits- und Bolzplatz, ansonsten jedoch wimmelte der Rasen längsseits der Schule Scheeßeler Kehre von Schaufelschippern und Schubkarreschiebern, wie auf einem Propagandagemälde aus der Mao-Zeit. Sieben Kubikmeter Mutterboden mussten auf dem Fußballfeld verteilt werden, denn es hatte seit dem Herbst stark gelitten. Deshalb waren die Schulleitung, 14 Eltern und etwa 20 Kinder zum Arbeitseinsatz gekommen.

Am Ende des Schuljahres findet nämlich die Fußball-WM statt. Sicherlich: Die wird ganz in Brasilien ausgespielt, aber sie inspiriert kleine Kicker rund um den Globus – da ist Langenbek keine Ausnahme. Wohl also der Schule, die zur WM-Zeit einen bespielbaren Bolzplatz hat.

„Dieser Platz gegenüber unseres Seiteneingangs gehört zwar eigentlich nicht zur Schule, aber wir haben die Verantwortung für ihn übernommen“, sagt Schulleiterin Helga Kehdenburg.

Eigentlich ist die Fläche nur eine Brachwiese im Besitz der Hamburger Finanzbehörde. Die Pfennigfuchser vom Gänsemarkt überlassen die Verwaltung des Grundstücks dem Bezirksamt. Das wiederum hat eigentlich kein Geld, dort einen Bolzplatz zu unterhalten. Also kümmert sich die Schule darum. Eltern, Kinder und Schulleitung haben in der Vergangenheit Spenden eingeworben und Arbeit in den Platz gesteckt. Der Schulhausmeister kümmert sich um den Rasen und die Tore – und das alles eben, obwohl der Platz gar nicht offiziell zur Schule gehört. „Aber den Bolzplatz dort zu haben, hat nicht nur einen Freizeitwert sondern auch einen pädagogischen Nutzen.“, sagt Helga Kehdenburg. Kinder, die sich austoben können, lernen auch besser.

Letztes Jahr im Herbst hatte Sturmtief „Christian“ einen großen Baum am Platzrand umgeweht. Die Nachbarbäume mussten daraufhin auch gefällt werden. Das ramponierte den Rasen noch mehr. Und weil der Platz nun nicht mehr bespielt wurde, machten sich auch Maulwürfe breit.

Helga Kehdenburg bestellte Mutterboden. Allein: Als der geliefert wurde, hatte es gerade geregnet. Der Bolzplatz war weich, der Kipper fuhr sich fest und musste mit einem Traktor und einem weiteren Lkw geborgen werden. Für die fleißigen Helfer gab es nun also noch mehr zu tun. Allerdings hatte das auch etwas Gutes: Wegen des Malheurs stellte die Gärtnerei den Mutterboden nicht in Rechnung. Und nicht nur das: Sie lieferte noch drei Kubikmeter nach, damit die Spuren garantiert beseitigt werden können – selbstverständlich ebenfalls kostenfrei.

In den nächsten Tagen wird auf den aufgefüllten Stellen der Rasen eingesät. Wenn dann die WM angepfiffen wird, können Henning und seine Freundinnen und Freunde hier Robben, Ribery, Reus und Ronaldo spielen – und wenn die Autobahn wieder frei ist, schafft Papa es vielleicht rechtzeitig zum Match.