Harburg
Flüchtlinge

Kreis rechnet für 2014 mit bis zu 700 Asylbewerbern

Wie im Süden Hamburgs die vor Krieg und Bürgerkrieg geflohenen Menschen untergebracht werden. Neue Containerdörfer entstehen und den Flüchtlinge wird eine Beschäftigung angeboten.

Winsen Der Landkreis Harburg rechnet für dieses Jahr mit einem neuen Schub an Flüchtlingen und Asylbewerbern. „Dennoch bin ich zuversichtlich, dass wir für sie alle Unterkünfte schaffen werden“, sagte der Sozialdezernent des Kreises, Reiner Kaminski, am Donnerstag dem Abendblatt. Nachdem 2013 insgesamt 441 Menschen aufgenommen wurden, waren es in diesem Jahr bisher 178. Bis Ende September sollen nach der auf den Kreis entfallenden Quote aber noch weitere 190 Flüchtlinge folgen. „Wir rechnen derzeit damit, dass es sogar bis zu 530 werden könnten“, sagte Kaminski. Derzeit leben im Landkreis 816 Asylsuchende und 54 Ausländer, die bereits ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht erhalten haben und bleiben dürfen. Der Fachbereichsleiter Soziales der Kreisverwaltung informierte am Donnerstagabend im Hotel Rosengarten in Tötensen auch den Kreisverband der FDP Harburg Land.

Um den Menschen, die zum großen Teil in ihrer Heimat alles verloren haben oder ihr Hab und Gut dort zurücklassen mussten, ein Dach über dem Kopf zu geben, werden jetzt weitere Unterkünfte fertig gestellt. Allein im April sollen zwei Container-Wohnanlagen in Tostedt, eine in Winsen und eine festes Haus in der Gemeinde Stelle übergeben werden. Die drei Container-Dörfer bieten jeweils 58 Menschen Platz, in Stelle stehen 50 Plätze bereit.

In den Containern sind jeweils drei Zimmer für sechs Personen zusammengefasst und mit Küche und Bad ausgestattet. Diese Bereiche haben einen separaten Eingang. Damit besteht auch die Möglichkeit, Familien gemeinsam unter zu bringen. Derzeit jedoch kommen vor allem junge Männer nach Deutschland, die noch am ehesten den Weg aus ihren Heimatländern bewältigen können. Im Landkreis leben derzeit vor allem Menschen aus Somalia, der Elfenbeinküste, dem Sudan, Afghanistan, Eritrea, Syrien, Pakistan und Marokko. In die Bundesrepublik kamen 2013 insgesamt rund 127.000 Asylbewerber, nachdem es 2012 noch 77.000 und 2011 rund 53.000 gewesen waren. Die Zahl von 2013 könnte auch in diesem Jahr erreicht werden. Mitte der 90er Jahre waren aber sogar 166.000 Menschen nach Deutschland geflohen.

Die Zahl der neue Unterkünfte soll in diesem Jahr das Ergebnis von 2013 übertreffen. Kaminski kann derzeit bereits acht neue Bereiche mit 109 Plätzen melden. Platz für weitere 384 Menschen soll in elf weiteren Wohnanlagen geschaffen werden. „Für sie ist die Planung schon weit fortgeschritten. Wir verhandeln aber auch noch über 18 kleinere Objekte“, sagt der Kreis-Sozialdezernent. Vor allem geht es jetzt darum, für die derzeit in der ehemaligen Zivildienstschule in Buchholz wohnenden 70 bis 80 Asylbewerber neue Unterkünfte zu finden. Denn das Gebäude wird abgerissen.

Der Kreis verhandelt jetzt über eine neue Fläche in Salzhausen, wo ebenfalls 58 Plätze eingerichtet werden sollen. „Eine zweite Fläche fehlt uns noch“, sagt Kaminski. Allerdings schauen sich seine Mitarbeiter die angebotenen Bereiche auch gründlich an. So haben sie innerhalb von 16 Monaten allein 280 Objekte begutachtet, die dann aber nicht für Asylbewerber-Unterkünfte geeignet waren.

Als Betreuer für Anlagen mit mehr als 30 Bewohnern stehen jeweils Heimleiter und Sozialpädagogen bereit. Hier arbeitet der Kreis vor allem mit der Betreibergesellschaft Human Care mit Hauptsitz in Bremen zusammen. Bei den dezentral untergebrachten Menschen bieten die Arbeiterwohlfahrt und das Diakonische Werk ambulante Hilfe an. Überall im Kreis engagieren sich aber auch Menschen ehrenamtlich, um den Flüchtlingen den Aufenthalt zu erleichtern. So etwa im Internationalen Cafe im Haus der Winsener Marien-Gemeinde, der jetzt auch ein ähnliches Angebot in Stelle (siehe unten stehenden Artikel) folgt.

Seit dem 1. April gilt zudem das vom Kreis, Kirche und Diakonie ausgearbeitete Beschäftigungsangebot. Dabei sucht der Winsener Herbergsverein bei Kommunen oder auch gemeinnützigen Trägervereinen nach geeigneten Arbeitsplätzen. „Die Teilnahme an den Programm ist für die Flüchtlinge freiwillig. Wer sich aber dazu entschließt, muss auch verbindlich dabei sein“, sagt Kaminski. Für jede Stunde Arbeitszeit wird der Hartz-IV-Satz um 1,05 Euro aufgestockt. Auch das Freilichtmuseum am Kiekeberg hat inzwischen Interesse am Einsatz von Asylbewerbern angemeldet.

Für die betroffenen Menschen bringen solche Arbeiten eine Abwechselung im Alltag. Die ist notwendig. Denn die Verhandlungen über ihren Status dürften sich zumindest über Monate oder gar Jahre hinziehen. Ohnehin dürfte Deutschland viele der Menschen nicht wieder in ihre von Kriegen oder Bürgerkriegen verheerten Heimatländer zurückschicken.