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Die Zunderbüchse ist der heißeste Tipp von der Elbinsel

In Wilhelmsburg bauen Kreative einen 8,60 Meter langen Wohnwagen zu einer Sauna für Jedermann um. Zunderbüchse heißt das Kulturprojekt. Zunächst ist sie Gast bei der Langen Nacht der Museen

Wilhelmsburg Die Kultur des Schwitzens ist international: Europäer haben eine Sauna, Araber einen Hamam, Japaner einen Sento – und die Wilhelmsburger demnächst die Zunderbüchse. Das ist der Name eines zur mobilen Sauna umgebauten Wohnwagens, der demnächst an verschiedenen Orten in Wilhelmsburg Station machen wird. Bei der Langen Nacht der Museen in Hamburg am Sonnabend, 12. April, wird das Museum für Völkerkunde dem Schwitzbad auf Rädern einen Platz im Innenhof geben, um zum heißesten Tipp des Abends zu avancieren. Das Museum ist die Adresse Hamburgs zur Entdeckung ungeahnter Bräuche – da passt die Zunderbüchse bestens ins Programm.

Initiatorin des stadtkulturellen Projektes ist die Kulturwissenschaftlerin Sanne Neumuth, die zusammen mit ihrem Ehemann Nils Moje, Kreativen und Sympathisanten einen etwa 30 Jahre alten Wohnwagenriesen zu einem Schwitzbad umbaut. Es ist ihnen gelungen, in dem 8,60 langen Caravan der niederländischen Marke Kipp eine ursprünglich aus einem Eigenheim in Glinde stammende Sauna einzubauen. Die Paneele und Saunabänke hätten ideal gepasst. Holz beheizt den Ofen. „Und, ja, wir heizen den Wohnwagen auf bis zu 120 Grad“ sagt Sanne Neumuth allen, die ungläubig staunen.

Ausflüge auf die nördliche Elbseite Hamburgs werden die Ausnahme bleiben. Die Zunderbüchse ist ein Projekt von Wilhelmsburgern für die Elbinsel. Der Sanierungsbeirat Südliches Reihersteigviertel unterstützt das rollende Schwitzbad mit 850 Euro. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 2000 Euro, ein Low-Budget-Projekt also. Das ist nur möglich, weil viele Helfer unentgeltlich mitwirken.

Die Sauna-Einrichtung aus Glinde ist ein Geschenk. „Stille Zuhörer“ im Internet aus dem Stadtteil geben Tipps, wo brauchbares Material verschenkt wird. Holzwerkstätten unterstützen die Sauna mit Brennholz. „Manchmal legen Leute etwas einfach unter den Wohnwagen“, beschreibt Sanne Neumuth die unkonventionelle Hilfe.

Die Zunderbüchse ist eine etwas luxuriösere Neuauflage der politischen Kunstaktion „Verschwitzt“, mit dem Sanne Neumuth und der Künstler Florian Tampe aus dem Hamburger Gängeviertel vor mehr als einem Jahr auf humorvolle Weise darauf hingewiesen haben, dass bei dem Hallenbad-Neubau in Wilhelmsburg auf eine Sauna verzichtet worden ist. Der zu einer Sauna umgebaute Wohnwagen aus dem Gängeviertel, den die beiden damals benutzen, hat mittlerweile einen Achsenbruch erlitten und ist nicht mehr transportfähig.

Eine öffentliche Sauna gibt es bis heute nicht auf der Elbinsel. Im Juli, an einem besonders heißen Tag, kam Sanne Neumuth die Idee, eine neue mobile Sauna zu schaffen und an verschiedenen Orten Wilhelmsburgs Station zu machen. „Damit jeder einen kurzen Weg zur Sauna hat“, sagt sie. Die 32-Jährige ist selbstständige Kultur- und Kunstwissenschaftlerin für Projekte und Ideenmanagement im Kultur- und Stadtraum.

Wo in Wilhelmsburg die mobile Sauna demnächst stehen wird, ist noch offen. Die Betreiber suchen noch Standorte, an denen sie der Öffentlichkeit das Schwitzbad anbieten dürfen. Voraussetzung ist ein Wasseranschluss für eine kühlende Dusche. Saunagäste steigen aus der zweiten Tür des Riesenwohnwagens ins Freie in die Dusche. Eine Paravent-Konstruktion aus Kupferrohren schützt sie vor neugierigen Blicken.

Die Sauna als Kulturprojekt ist nicht kommerziell. Die Betreiber halten Badelatschen, Saunatücher und Getränke bereit. Jeder Saunagast bedankt sich mit einer Spende für diese Annehmlichkeiten. Der 8,60 Meter lange Wohnwagen bietet nicht nur bis zu sieben Menschen Platz zum Schwitzen. Die Zunderbüchse enthält noch eine Teeküche und ein Bett, aus dem der Gast entspannt nach außen schauen kann.

Ihre Feuertaufe hat die Zunderbüchse im vergangenen Winter bestanden. Zum Probeschwitzen ging die mobile Sauna auf dem Gelände der Universität der Nachbarschaften am Rotenhäuser Damm, ein temporärer Veranstaltungs- und Forschungsort der Hafencity Universität, in Betrieb. Inzwischen ist der Innenausbau weiter vorangeschritten. Sogar seine eigene Dekoration darf der Saunagast mitbringen. „Die Wilhelmsburger dürfen sich auch ein Bild mitbringen und aufhängen“, sagt Sanne Neumuth.

Voraussichtlich an zwei Tagen in der Woche wird die Sauna öffnen. Als mögliche Kombination gelten der Mittwoch und der Sonnabend. Sanne Neumuth hofft auf die Erlaubnis, mit der Zunderbüchse im neuen Inselpark, dem früheren Gartenschaugelände, halt machen zu dürfen. Dann könne man nach dem Schwitzbad von dem Ponton in den See springen, sagt sie.

Wer als ehrenamtlicher Saunameister die Zunderbüchse unterstützen möchte, schickt eine E-Mail an mail@zunderbuechse.org