Harburg
Hittfeld

Wie groß soll Hittfeld werden?

Freie Wähler fürchten Verlust des dörflichen Charakters und fordern eine moderate Neubebauung

Hittfeld. Muss eine Gemeinde um mehrere hundert Einwohner wachsen, um zukunftsfähig zu bleiben? Oder genügt es, zu verhindern dass die Zahl der Einwohner sinkt? Diese Frage stellen die Freien Wähler in Seevetal im Hinblick auf die geplante Bebauung des Areals Küstergarten/Schwarzer Weg im Norden der Ortschaft. Sie sprechen sich gegen eine massive und für eine moderate Bebauung aus.

Die Diskussion um das Areal dauert schon einige Jahre an. Ein Einwohner-Workshop wurde durchgeführt, ein Planungsbüro damit beauftragt, unter Berücksichtigung der Bürgerwünsche Entwürfe für eine Bebauung vorzulegen sowie Kosten und Nutzen gegenüberzustellen. Die Ergebnisse waren im Februar im Umwelt- und Planungsausschuss diskutiert worden. Die Spanne liegt zwischen 50 und 105 möglichen Baugrundstücken auf bis zu 6,8 Hektar. Im besten Fall könnten durch Grundstücksverkäufe rund drei Millionen Euro in die Gemeindekasse fließen, bei rund 100 Bauplätzen und „geringem Grünstandard“. „Setzt man aber die jährlichen Kosten für Pflege und Unterhalt öffentlicher Flächen dagegen, sind die Erlöse in wenigen Jahren wieder aufgezehrt“, sagt Willy Klingenberg von den Freien Wählern. Auch Steuermehreinnahmen durch zusätzliche Einwohner blieben wegen der dann höheren Kreisumlage nur zu einem Drittel in der Gemeinde.

500 neue Einwohner (bei 100 Bauplätzen) würden zusätzliche Infrastruktur, zum Beispiel Kindergärten oder Einkaufsmöglichkeiten, nach sich ziehen: „Wir fürchten, dass auf der grünen Wiese neue Supermärkte entstehen und Ortsteile zusammenwachsen, obwohl der Flächennutzungsplan dies klar ausschließt“, sagt Irmelin Schütze, für die Freien Wähler im Hittfelder Ortsrat. Sie sorgt sich um den dörflichen Charakter. „Wir sehen auch nicht, dass Läden und Gastronomie automatisch profitieren“, sagt Klingenberg. Abgesehen davon komme bei den bisher vorgestellten Varianten das Thema Naherholung zu kurz. Die Freien Wähler haben daher einen eigenen Antrag vorgelegt. Er sieht moderate Bebauung auf zwei Flächen, zusammen 1,3 Hektar, vor. Zwischen der Zufahrt zum Schulzentrum und dem Bauhof wollen sie einen Wald anlegen.

Die Steigerung der Einwohnerzahl sehen die Freien Wähler kritisch. „Wenn wir die Bevölkerungszahl halten, ist das doch schon gegen den bundesweiten Trend“, meint Irmelin Schütze. Die Freien Wähler wollen sich dafür einsetzen, dass Baulücken geschlossen werden, bevor neue Baugebiete ausgewiesen werden. „Unsere Argumente kommen bei der Bevölkerung gut an“, haben sie festgestellt. „Jetzt müssen wir uns gegen die Ratsmehrheit durchsetzen“, sagt Klingenberg.