Harburg
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Der Betrachter soll das Bild im Kopf noch weitermalen

Die Künstler Tomasz Zilinski und Rainer Söhl verbindet einiges mit Harburg. Es verbinden sie auch künstlerische Ansätze. Sie stellen gemeinsam im Mytoro aus.

Harburg. Es ist eine Art Comeback-Ausstellung, die heute Abend in der Galerie „Mytoro“ im Harburger Gloria-Tunnel eröffnet wird. Der Lüneburger Rainer Söhl stammt aus Hausbruch, und hatte in den frühen 80er-Jahren eine Galerie in der Lämmertwiete. Tomasz Zielinski war der erste Stipendiat der Reihe „Künstler zu Gast in Harburg" und hatte von 1984 bis 1985 sein Atelier und seine Wohnung ebenfalls in der Lämmertwiete.

Galerist Mentor „Toro“ Eyupi hatte die Idee einer Ausstellung mit Harburger „Ehemaligen“ und dabei auch noch an diverse andere Künstler gedacht, letztlich blieben aber nur Zielinski und Söhl übrig. Zur Vernissage heute um 19.30 Uhr wird dann auch noch nur Söhl kommen können, Zielinski ist erkrankt. Toro musste mit Zielinskis Lebensgefährtin in dessen Atelier gehen und die Bilder für die Ausstellung selbst aussuchen. Er nahm sechs großformatige Werke mit, die Zielinski mit Pastellkreide angefertigt hat. „Tomasz Zielinskis Bilder sind sehr plakativ. Sie haben beinahe etwas Cartoonartiges“, sagt der Galerist

Eine interessante Parallele zwischen den beiden Künstlern ist, dass sie, nachdem sie lange Zeit eher abstrakte Werke schufen, in den letzten Jahren in ihrer Arbeit gegenständlicher geworden sind. „Wichtig ist mir allerdings immer noch, dass ich dem Betrachter möglichst viel Interpretationsfreiraum gebe. Idealerweise malt jeder das Bild in seinem Kopf weiter“, sagt Söhl. Seine Bilder sind Collagen und in gemischten Techniken entstanden. Über Zeichnungen und Malereien sind mit Siebdruck Textfragmente aus Herders „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit" gelegt. Dadurch, dass die Zeilen teilweise bis zur Unsichtbarkeit verblassen, ist der nicht textfeste Betrachter – und wer kennt schon Herder auswendig? – gezwungen, für sich selbst weiterzudichten.

Tomasz Zielinskis Bilder haben etwas Surreales. Der in Warschau geborene und ausgebildete Maler arbeitet intuitiv und zeigt eine Vorliebe für organische Formen. Auch er lässt dem Betrachter viel Raum für eigene Interpretation, sei es was die Motive des Bildes, sei es, was die Motivation des Künstlers angeht.

Die Doppelausstellung im Galeriecafé Mytoro hängt noch bis zum 4. Mai. Geöffnet ist sie täglich von 12 bis 20 Uhr.