Harburg
Marmstorf

Dieser Tag hätte sogar Napoleon gefallen

Ein Fest für die Marmstorfer Geschichte. Mehrere 1000 Besucher im alten Dorfkern

Marmstorf. Es war einfach alles perfekt am Sonnabend beim historischen Fest in Marmstorf. Das Wetter war prächtig, das Dorf präsentierte sich von seiner schönsten Seite, die Darsteller in ihren historischen Uniformen genossen sichtlich das große Interesse der Besucher und das nachgestellte Rückzugsgefecht aus der Zeit Napoleons sorgte für ein spektakuläres Finale.

Anlass für das Spektakel war der Tag der Zerstörung Marmstorfs, der sich zum 200. Mal jährte und an dem damals die Soldaten Napoleons kurz vor ihrem Abzug aus Hamburg das Dorf in Schutt und Asche gelegt hatten. Organisator Rainer Bliefernicht hatte die verschiedensten Vereine, die sich der Zeit Napoleons verschreiben haben und sich bei Veranstaltungen in historischen Uniformen präsentieren, eingeladen. Rund hundert Teilnehmer waren angereist und hatten auf den Wiesen und Hofplätzen der Bauernhäuser am Feuerteich Quartier bezogen. Sie genossen das Wochenende, weil sie, anders als bei anderen Veranstaltungen, mal nicht auf einem Feld abseits der Ortschaften unterkamen, sondern in einem Dorf, das noch nicht seinen historischen Kern überbaut hat und immer noch viel Geschichte atmet. Es war also für die Darsteller eine mehr als authentische Kulisse. Darauf hatten sich einige so sehr gefreut, dass sie schon am Donnerstagmorgen um neun Uhr beim Festorganisator Rainer Bliefernicht auf der Matte standen. „Damit hatte ich gar nicht gerechnet, mein Arbeitstag musste kurzfristig ausfallen“, lacht er.

Nachdem der Morgennebel gegen Mittag einer strahlenden Frühlingssonne gewichen war, füllten sich langsam die Straßen Marmstorfs mit Besuchern. Mehrere Tausend kamen im Laufe des Tages mit Kind und Kegel. Man traf sich auf dem Festplatz und plauderte bei Bier und Bratwurst mit Nachbarn, Freunden und Bekannten. Zwischendurch schaute man bei den Lützowern, Franzosen, den Kurmärkischen und Deutsch-Briten vorbei und beobachtete das Soldatenleben abseits des Schlachtfeldes. Vor den weißen Leinenzelten, in denen die Darsteller übernachteten, waren Dreibeine aufgebaut, an deren Ketten gusseiserne Töpfe und Kaffeekannen über dem offenen Feuer hingen. Eine Feldschreiberin schrieb mit Schnörkelschrift Passierscheine und Dokumente, der Schmied Frank Deerberg hatte mittels eines großen Blasebalgs Steinkohle auf Temperatur gebracht und schmiedete auf seinem Amboss eiserne Haken.

Zwischendurch marschierten immer mal wieder kleinere Soldatentrupps durchs Dorf und verschossen mit lautem Geknalle ihr Pulver. In der großen Scheune vor dem Festplatz sprachen am Nachmittag der Direktor des Harburger Helms Museum, Rainer-Maria Weiss und der französische Generalkonsul Serge Lavroff. Rainer Bliefernicht dankte in seiner Rede der Sparkasse Harburg-Buxtehude, die die Veranstaltung gesponsert hatte. Die Marmstorfer Chronik ging an diesem Tag weg, wie warme Semmeln. Das Buch gab es zum einmaligen Sonderpreis von zehn Euro, innerhalb von zehn Minuten waren alle 140 Exemplare verkauft.

Als die Sonne dann langsam unterging, strömten die Festbesucher auf das Gelände, wo der schöne Tag sein spektakuläres Ende finden sollte. 25 Herren der Marinekameradschaft Harburg sorgten freundlich aber bestimmt dafür, dass alle auf der sicheren Seite des Geschehens waren und beste Sicht hatten. Dann begann das historische Rückzugsgefecht. Eigens dafür waren drei Holzhäuserfronten gebaut worden, die Marmstorf zur Zeit Napoleons symbolisieren sollten. Zu Beginn verjagten die französischen Soldaten die Hausbewohner. Dann rückten sie auf dem Schlachtfeld vor und schossen aus ihren Gewehren gegen die Lützower, Preußen und die Bataillon des Königlich Deutschen Legion. Das Kampfgeschehen wogte hin und her, der Pulverdampf wurde immer dichter. Am beeindruckendsten waren die Kanonen und eine Haubitze, die am Rand des Schlachtfelds aufgebaut waren und mit jedem abgegebenen Schuss für eine imponierende Druckwelle sorgten.

Wer jetzt einen Schutz für die Ohren hatte, war im Vorteil. Am Ende hieß es „au revoir“ für die Franzosen, ganz so wie es auch die Marmstorfer sagten - vor 200 Jahren.