Harburg

Manege frei für junge Zirkusstars

Mitmachzirkus „Laluna“ zu Gast an der Grundschule am Moor. Heute um 17 Uhr ist letzte Vorstellung im Zelt

Schwerter und Schwarzlicht statt Schreibtisch und Schultafel: Die Schüler der Grundschule am Moor in Neu Wulmstorf verwandelten sich für eine Woche lang kurzerhand in die „Stars der Manege“. Der Projektzirkus Laluna unter der Leitung von Mike Rosenbach macht bereits zum zweiten Mal mit seinem rot-gelb-gestreiften Zirkuszelt Station in der Ernst-Moritz-Arndt-Straße und bildete insgesamt 340 Jungen und Mädchen zu Fakiren, Seiltänzern, Akrobaten und Clowns aus. Ihr Können präsentierten die Nachwuchsartisten bereits gestern vor Kindergartenkindern, Eltern, Großeltern und Freunden. Heute Abend fällt nach der letzten Vorstellung um 17 Uhr dann der Vorhang.

Die Macher des Projektzirkuses„Laluna“ schaffen das, wovon viele kleine Familienunternehmen im Zirkusgeschäft heutzutage nur träumen können: Ihre Hauptdarsteller und Artisten zeigen ihr Können in jeder Stadt, jeder Gemeinde vor nahezu immer ausverkauftem Haus. Das liegt nicht etwa an spektakulären Programmpunkten, gefährlichen Tiernummern oder akrobatischen Meisterleistungen. Was den Zirkus aus so erfolgreich macht, ist sein Konzept. Das Unternehmen hat sich auf die Arbeit mit Kindern spezialisiert.

Seit fünf Jahren tourt Zirkusdirektor Mike Rosenbach mit seinem neunköpfigen Team kreuz und quer durch Deutschland und schlägt von März bis Oktober sein Zelt auf Schulhöfen und in Kindergarten-Vorgärten auf.

Wo er hinkommt, stehen für die Erst- bis Sechstklässler Akrobatik und Clownerie statt Mathematik und Deutsch auf dem Stundenplan. Und den Kindern und Lehrern gefällt`s. „Der Zirkus ist toll. Das macht uns alles richtig großen Spaß“, sagen Sina und Amy unisono. Die beiden Freundinnen haben sich für die Darbietung am Trapez entschieden. „Wir machen beide Ballett und sind sportlich. Deshalb wollten wir unbedingt in dieser Gruppe mitmachen“, erzählen sie. Der Zweitklässlerin Joelina gefällt vor allem, dass sie dabei unter dem Zirkushimmel hängen darf. „Ich mag es gerne in der Luft zu sein“, sagt sie.

Alle Schüler der Grundschule am Moor mussten sich zu Beginn der Projektwoche für eine der zehn Kategorien entschieden, studierten sie bis zur großen Aufführung in jeweils zwei Stunden über drei Tage lang ein. Angeleitet und unterstützt wurden sie dabei von erfahrenen Zirkus-Trainern aus dem Laluna-Team. Und die verstehen ihr Handwerk: Die neun professionellen Artisten stammen allesamt aus renommierten Zirkusfamilien, tourten bereits mit verschiedenen Unternehmen durch Europa und Nordamerika und traten bei internationalen Zirkusfestivals und in Varieté-Theatern auf. Außerdem veranstalteten sie mehrfach ausgezeichnete Artistik-Shows mit Comedy- und Slapstick-Elementen in Freizeitparks wie dem „Heidepark“ in Soltau. Viele von ihnen wurden bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet. So gewann Mike Rosenbach beispielsweise in den neunziger Jahren die Silbermedaille beim internationalen Zirkusfestival in Paris. Dort belohnte die Jury die Balanceakte auf dem sogenannten Schlappseil, das lose zwischen zwei festen Punkten hängt.

Nun nutzt der ehemalige DDR-Staatszirkus-Artist sein Wissen, um Zirkus zum Erlebnis mit Kindern werden zu lassen. „Das ist genau das, was ich machen will und auch in Zukunft weiter machen werde“, sagt der Zirkuschef. Die Entscheidung, diesen Weg einzuschlagen und die eigene Karriere an den Nagel zu hängen, entschied Rosenbach vor fünf Jahren. Er ging das unternehmerische Risiko ein, nahm 270.000 Euro auf und besucht seither mit seinem Projektzirkus die Schulen in Norddeutschland. „Ich konnte ein halbes Jahr lang nicht schlafen, weil ich nicht wusste, ob es funktioniert. Doch unser Konzept geht auf. Die Schulen, die uns einmal gebucht haben, buchen uns immer wieder“, sagt Mike Rosenbach nicht ganz ohne Stolz.

Der Projektzirkus setzt weder auf Effekthascherei noch auf „faulen Zauber“, sondern auf harte Arbeit. Und er braucht vor allem eines: Disziplin. Aber auch Teamwork und Zusammengehörigkeitsgefühl sind wichtig, damit die Aufführungen am Ende der Projektwoche gelingen. „Das Projekt soll den Schülern nicht nur einen Einblick in die Zirkuswelt vermitteln, sondern ihnen auch die Gelegenheit bieten, ihre eigenen Fähigkeiten und Grenzen zu kennenzulernen“, sagt Mike Rosenbach. Fähigkeiten und Talente würden entdeckt und gefördert, die im alltäglichen Leben nur schwer zum Vorschein kommen. „Die Kinder erfahren, dass sie nur gemeinsam etwas erreichen können. Schule und Schüler wachsen zusammen“, sagt der Zirkuschef. „Der Wechsel in eine neue Rolle ist eine Lebenserfahrung – Applaus zu bekommen ebenfalls. „Jedes Kind findet in der Zirkuswelt seinen Platz“, betont auch Grundschul-Lehrer Christoph Walter. „Wir haben bisher mit dem Projekt nur positive Erfahrungen gemacht.“

Der Zirkus Laluna finanziert sich übrigens ausschließlich über die Teilnahmegebühr von zehn Euro pro Kind und die Eintrittsgebühren. Die Schule stellt für das Projekt noch Wasser und Strom zur Verfügung. Das Angebot richtet sich an Schüler der Klassen eins bis sechs. Rosenbach arbeitet außerdem mit körperlich und geistig-behinderten Kindern zusammen. Weitere Informationen zum Angebot gibt es im Internet unter www.projektzirkus-laluna.de.