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Winsen

Keine Klassenfahrt – kein Unterricht

Schüler des Gymnasiums Winsen streiken gegen die Stundenaufstockung durch die Landesregierung

Winsen. Winsens Gymnasiasten haben am Freitag mit einem Streik ihren Unmut darüber geäußert, dass in Zukunft viele Aktivitäten wie Klassenfahrten gestrichen werden. Hintergrund ist die Anordnung des Niedersächsischen Kultusministeriums, wonach Lehrer an Gymnasien in Zukunft eine Stunde pro Woche mehr Unterricht geben sollen. An vielen Gymnasien fallen deshalb ab dem kommenden Schuljahr Aktivitäten außerhalb der regulären Unterrichtszeiten wie Exkursionen, Wettbewerbe oder auch Klassenfahrten aus. Mit ihrem Ausstand sind die Winsener Schüler nicht allein. An vielen Gymnasien Niedersachsens protestieren die Schüler, um ihrem Unmut über die Stundenaufstockung Ausdruck zu geben.

Die gesamte Schüler- und Lehrerschaft des Gymnasium Winsen versammelte sich in der Turnhalle, um offen über den Beschluss der Landesregierung zu diskutieren. Die Schülervertretung hatte die Aktion und den anschließenden Streik ab der fünften Stunde geplant und die Landtagsabgeordneten eingeladen, sich den Fragen der Schüler zu stellen. Der Winsener CDU-Landtagsabgeordnete André Bock war der Einladung auch gefolgt. Er äußerte Verständnis für den Ärger der Schüler.

Die kritisierten vordringlich allerdings ihre eigenen Lehrer. „Auch wir Schüler arbeiten sehr hart und haben kaum Freizeit. Jetzt wird uns von den Lehrern genommen, was uns an der Schule am meisten Spaß macht“, klagte ein Schüler. Von Seiten der Lehrer wurde erläutert, dass die Stundenaufstockung nicht nur 45 Minuten mehr Unterrichtszeit bedeutet, sondern Vor- und Nachbereitung mindestens doppelt soviel Zeit zusätzlich in Anspruche nehmen würden. Vertreter der Lehrerschaft machten deutlich, dass auch sie großes Interesse und Spaß an Klassenfahrten und Exkursionen haben. Doch habe die Versammlung der Personalräte der Gymnasien bei ihrer Sitzung im vergangenen November keine andere Lösung gesehen. Die Landesregierung könne nicht alles auf den Rücken der Lehrer austragen. So ließe sich die Qualität der Bildung definitiv nicht verbessern.

„Ich unterstütze die Reaktion der Schüler auf den Beschluss der Landesregierung“, sagte Schulleiter Reinhard Haun. „Die Schulsituation wird jedes Jahr schwieriger, da die Lehrer durch soziale Defizite vieler Schüler mehr pädagogische Arbeit leisten müssen. Klassenfahrten und Exkursionen sind in diesem Zusammenhang für das Sozialverhalten der Kinder äußerst wichtig und ich hoffe, dass die Landesregierung ihren Beschluss zurücknehmen wird.“ Um dieses zu erreichen, rät André Bock den Schülern, sich mit den Lehrern zu solidarisieren. Die Gymnasiasten wollen sich auch weiterhin für außerschulische Aktivitäten einsetzen.