Harburg
Toppenstedt

Sonnenenergie statt Windkraftanlagen

Verein Pro Lebensqualität schlägt Alternative für Toppenstedt vor. Initiative „Gegenwind“ zufrieden. Kreis weist allein Flächen für Windkraft aus

Toppenstedt. Nach der emotionalen Debatte im Kreistag über mögliche Windräder im Garlstorfer Wald kommt jetzt frischer Wind in die Diskussion. Der Verein Forum Pro Lebensqualität hat jetzt eine Alternative zu den fünf geplanten Windkraftanlagen vorgeschlagen. „Wir befürworten eine Photovoltaik-Anlage in dem seit dem Jahr 2007 brachliegenden Gewerbegebiet“, sagte die Vorsitzende des Forums, Ulrike Müller, dem Abendblatt. Der Vorschlag habe der Verein noch vor der Sitzung am Montag an die Fraktionsvorsitzenden der einzelnen Parteien im höchsten politischen Gremium des Kreises sowie an den Ersten Kreisrat Rainer Rempe (CDU) weitergegeben.

Der Verein favorisiert für diese Lösung einen Bereich von 43 Hektar, auf der die Ansiedlung von Firmen seit 2007 nicht realisiert werden konnte. Der damalige Investor sei abgesprungen. Die Fläche zwischen Tangendorf und Thieshope habe aber eine „deutliche Südhanglage“.

Für die Sonnenenergie spreche, so Müller, dass das nach dem Energiekonzept des Kreises ausgewiesene Potenzial derzeit noch längst nicht ausgenutzt wird. „Das Konzept weist aus, dass derzeit nur vier Prozent des Potenzials von 210.824 Megawattstunden pro Jahr erzeugt werden“, sagt Müller. Allerdings ist offen, wie hoch das Interesse am Aufbau von Photovoltaikanlagen im Kreis derzeit ist. Auch wurden seit dem Jahr 2010 weitere Kollektoren installiert.

Vorteil der vom Forum vorgeschlagenen Alternative sei, dass das Gewerbegebiet nicht erschlossen und auch keine Umgehungsstraße gebaut werden müsste und damit mehrere Millionen Euro eingespart werden könnten, so Müller. Vor allem aber bestehe bei dieser Lösung kein Bedarf mehr für die Windkraftanlagen in Toppenstedt und Gödenstorf. „Bisher wurde aber die Alternativ Photovoltaik im Kreis nicht sonderlich beachtet“, kritisiert die Vereins-Vorsitzende.

Dagegen hatte der Kreistag am Montag mit 29 gegen 27 Stimmen eine Änderung für das Landschaftsschutzgebiet Garlstorfer Wald beschlossen. Danach soll geprüft werden, ob die geplanten Standorte aus dem Schutz herausgenommen werden können. Eine Entscheidung, gegen die sich die Bürgerinitiative „Gegenwind“ weiter wehren will. Den Vorschlag des Forums dagegen hält Initiativen-Sprecher Oliver Grett für „sinnvoll“. „Bei Photovoltaik gibt es keinen Schattenwurf, keinen Lärm und vor allem würden die Solarmodule nicht in einem Landschaftsschutzgebiet stehen“, sagt er.

Die Planungen für das Gewerbegebiet liegen bei der Gemeinde Toppenstedt, wie Sprecher des Kreises und der Samtgemeinde Salzhausen sagten. Ortsbürgermeister Heinrich Nottorf war am Mittwoch für das Abendblatt aber nicht zu erreichen. Klar ist: Im regionalen Raumordnungsprogramm für den Kreis werden derzeit nur Vorrangflächen für Windkraft-Standorte ausgewiesen. „In diesem Bereich gibt es sowohl bei Bürgern als auch bei Unternehmen Interesse zu investieren“, sagte Kreissprecher Bernhard Frosdorfer. Im Gegensatz dazu weist das Programm bei der Photovoltaik nur Flächen aus, auf denen keine Kollektoren aufgestellt werden können.

Das Forum Pro Lebensqualität besteht seit gut eineinhalb Jahren. Gegründet wurde der eingetragene Verein von Bürgern aus Pattensen, Thieshope und Wulfsen. Ziel ist der Schutz von Menschen und Umwelt vor Lärm- und Schadstoffbelastungen sowie Raubbau an der Natur. Die Vorsitzende Ulrike Müller, die auch dem Naturschutzbund Nabu angehört, arbeitet als Praxis-Angestellte und hat zudem einen Sitz im Rat von Brackel.