Harburg
Meckelfeld

Ganz großes Kino im kleinen Klub

Alle zwei Monate organisiert die Meckelfelderin Barbara Derboven anspruchsvollen Filmgenuss für Fans

Meckelfeld. Es sind Perlen der Filmkunst, kleine Kunstwerke der Cinematographie: Was im Kinoklub im Familienzentrum Meckelfeld zu sehen ist, sind nicht die Blockbuster aus Hollywood, sondern Filme, die anders sind, besonders. Jeweils am dritten Dienstag, alle zwei Monate, wird der große Raum im Gemeindezentrum an der Glockenstraße zum Kinosaal. An einer kleinen Bar wird Bier, Wein oder Limonade angeboten. Auf das klassische Kinoknabberzeug wie Popcorn oder Erdnüsse müssen die Zuschauer allerdings verzichten. „Bei uns gibt es nichts, das klebt oder knistert“ sagt die Organsatorin der Kinoklubs, Barbara Derboven. Da ist sie rigoros. Stattdessen knuspert die Gäste geräuscharme Salzstangen. An hohen Stehtischen trifft man Gleichgesinnte, im Hintergrund läuft Musik, die passend zum Film ausgesucht wurde. Auf einer großen Leinwand im Saal flimmern die bewegten Bilder. Für den authentischen Sound sorgen voluminöse Boxen – ein ganz wichtiger Punkt für den perfekten Kinogenuss: „Der Ton ist das A und O“, weiß Derboven.

Die Meckelfelderin ist die treibende Kraft des Kinoklubs. Die Konfenrenzdolmetscherin brennt für das Kino und investiert gern ihre rare freie Zeit für die Sache, die ihr so am Herzen liegt. „Schon als Kind war ich vom Kasperletheater, vom Zirkus und von bewegten Bildern fasziniert“, sagt sie. Als Zwölfjährige sah sie dann ihren ersten Film: „Die glorreichen Sieben“. Aus dem ersten Kinobesuch wurden mehrere, so wie auch bei allen anderen Streifen, die sie restlos begeisterten. Dazu gehört auch der Film „Brokeback Mountain“, der die Geschichte von zwei Cowboys erzählt, die in einer Männerwelt nicht mit ihren Gefühlen füreinander klar kommen. „Den hab ich mir siebenmal angesehen, und bin dafür sogar bis nach Bergedorf ins Kino gefahren.“ Vor fünf Jahren machte die 61-Jährige ihren Traum vom den Kinoklub wahr, tatkräftig unterstützt vom Meckelfelder Gemeindepastor Bernd Abesser. „Wir wollten für die Filmfreunde in der Umgebung gehobene Unterhaltung bieten“, erinnert sie sich an die Anfänge. Der allererste Streifen, der im Kinoklub gezeigt wurde, hieß „Elling“, eine norwegische Komödie. „Damals kamen 22 Zuschauer, heute stossen wir mit mehr als 60 Besuchern langsam an unsere Grenzen.“ Wenn Barbara Derboven etwas in die Hand nimmt, dann passiert auch was. „Ich bin gern Chef, aber ohne meine Helfer wäre das hier alles gar nicht möglich“, weiß sie.

Bevor ein Streifen über die Kinoleinwand flimmern kann, muss er erstmal gefunden werden. Barbara Derboven kann dabei auf einen riesigen Fundus beim Haus kirchlicher Dienste der evangelischen Landeskirche in Hannover zurückgreifen. Dort gibt es Komödien aus Frankreich, nachdenkliche Geschichten aus Spanien oder Griechenland, deutsche Autorenfilme und cineastische Perlen aus aller Welt. Immer sind es Geschichten, die unterhalten wollen, aber auch eine Botschaft haben, „Filme ohne Ecken und Kanten sind der Tod des Kinos“, ist sich Barbara Derboven sicher. Ist die Vorauswahl getroffen, wird gemeinsam mit dem Team aus acht ehrenamtlichen Mitarbeitern entschieden. Im Idealfall wird nach dem Filmende diskutiert und gesprochen. Die Gäste sind kritisch, nicht jeder Streifen kommt beim Publikum gut an.

Auf den Filmfestivals in Norddeutschland ist Barbara Derboven ein bekanntes Gesicht. Sie moderiert regelmäßig beim Filmfest Emden-Norderney, im vergangenen Jahr war sie Teil einer vierköpfigen Jury, die auf den Nordischen Filmtagen in Lübeck den „Kirchlichen Filmpreis“ verliehen hat.

Ihre Kinoleidenschaft angefacht haben ihre Jahre als Studentin und Dolmetscherin in Frankreich: „Dort gehört es zum kulturellen Leben einfach dazu, dass man ins Kino geht.“ Damals beeindruckten sie Regisseure wie Luis Bunuel, Schauspieler wie Romy Schneider, Alain Delon und Jean Paul Belmondo. An die Filmfestspiele in Cannes 1979 erinnert sie sich besonders gern. Damals konnte man noch auf Tuchfühlung mit den Stars gehen: „Ich habe mich bei einem Champagnerempfang eingeschlichen und habe Vittorio Gassmann und Marcello Mastorianni von ganz Nahem gesehen. Das hat etwas in mir ausgelöst.“

Natürlich ist sie auch Fan. Ein Mann, der sie lange fasziniert hat, ist der englische Schauspieler und Oscarpreisträger Colin Firth. Der wurde mit den Bridget-Jones-Komödien an der Seite von Renee Zellweger zum internationalen Star. Barbara Derboven liebt aber vor allem seine Rollen, in denen er als junger Darsteller in den Verfilmungen von Jane Austen glänzte. Schauspieler, die etwas Gebrochenes in sich Tragen, begeistern sie: Dazu gehören Sean Penn, Joaquin Phoenix oder der kürzlich verstorbene Philip Seymour Hoffman

Tolle Filme zu sehen, in einem Kinosaal, mit Gleichgesinnten – das ist es, was für sie den wahren Genuss ausmacht und der nicht mit einem Fernsehabend auf dem heimischen Sofa vergleichbar ist: „Ich bin mir sicher, dass es das Kino immer geben wird!“