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Inselpark: Zaun oder nicht Zaun?

Grünanlage soll nachts aus Schutz vor Vandalismus abgesperrt bleiben. Der Plan sorgt in Wilhelmsburg für Zündstoff

Wilhelmsburg. Was passiert mit dem Zaun um das frühere igs-Gelände, den jetzigen Inselpark in Wilhelmsburg? Eine Lösung in dem Streit, ob das frühere Gartenschaugelände zum Schutz vor Vandalismus nachts geschlossen werden soll, ist nicht in Sicht. Der Regionalausschuss Wilhelmsburg hat das Entscheidungsprozedere festgelegt, um das Meinungsbild der Elbinselbewohner zu erkunden und zu einer Entscheidung zu kommen. Bei zwei Anhörungen sollen Bürger die Gelegenheit erhalten, ihre Positionen deutlich zu machen. Der Streit ist so kontrovers, dass die Parteien auf Bürgerbeteiligung setzen: „Niemand kann für sich beanspruchen, für alle Wilhelmsburger zu sprechen“, sagt Anja-Maria Keuchel (SPD).

Das Bezirksamt Mitte wird am Dienstag, 11. Februar, 19 Uhr, im Bürgerhaus Wilhelmsburg einen ersten Diskussionsvorschlag machen. „Dann wissen wir, woran wir uns reiben und worüber wir diskutieren“, so der Regionalbeauftragte des Bezirkes Mitte für Wilhelmsburg, Thorsten Schulz. Allein die Ankündigung des Amtes, sorgfältig prüfen zu wollen, ob und in welchem Umfang in den Nachtstunden eine Schließung der für die Internationale Gartenschau errichteten Tore zum Schutz des Parks erforderlich sein könnten, hatte die Kontroverse ausgelöst. Von 23 bis 6 Uhr war die Rede.

Bei der von mehreren Gruppen und Vereinen initiierten Bürgerbeteiligung am 11. Februar wird die Verwaltung 15 Minuten Zeit haben, ihren Vorschlag zu unterbreiten. Die SPD-Fraktion geht fest davon aus, dass Fragen offen bleiben. Der Regionalausschuss hat deshalb mit großer Mehrheit eine zweite, vom Bezirk organisierte Bürgerbeteiligung beschlossen. Der Termin ist noch offen.

Die einen befürworten den Zaun um den Inselpark als Schutz vor Vandalismus, die anderen fühlen sich ausgesperrt. Die Fraktion Die Linke lehnt eine Schließung des Parks in der Nacht rigoros ab: Der Zaun solle weg, fordert Manfred Schubert (Die Linke). Das hat auch die einflussreiche Bürgerinitiative Zukunft Elbinsel deutlich gemacht: Die IBA habe sieben Jahre daran gearbeitet, Wege auf den Elbinseln frei zu bekommen, sagt Michael Rothschuh. Da passe es nicht, einen Zaun zu erhalten.

Die Mehrheit der Parteien in Wilhelmsburg dagegen hält es sinnvoll, Hamburgs neuen „Volkspark“ vor Zerstörungen zu schützen. Dabei solle die Devise gelten: so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig. Vandalismus sei in ganz Hamburg ein Problem, sagt Anja-Maria Keuchel (SPD), deshalb müsse man darüber reden dürfen. Ohne Schutz würde die Stadt irgendwann einmal gezwungen sein, nur noch reine Wiesenflächen als Parks zu unterhalten. Jörn Frommann (CDU) sieht gute Gründe für den Bezirk, die Tore zum Park während der Nacht geschlossen zu halten. Er bedauere, dass die SPD den Bezirklichen Ordnungsdienst „weggekürzt“ habe. Die Ordnungshüter hätten auch am Tage auf den Inselpark achten können.

„Wir wissen, dass es während der Internationalen Gartenschau Vandalismus gegeben hat“, gibt auch Jutta Kodrzynski (Grüne) zu Bedenken. Nach Auskunft des Bezirksamtes Mitte sei die Internationale Gartenschau GmbH zurzeit dabei, die Höhe der Zerstörungsschäden während der Ausstellung zu ermitteln. Lampen seien beschädigt, Betonbänke umgekippt und Pflanzen herausgerissen worden. Der Architekt Manuel Sauer hatte sich öffentlich über die „mutwillige Zerstörung“ der Kunstobjekte von Birgitta Weimer, auf denen Besucher sitzen konnten, beklagt.

Zurzeit sei der Inselpark nach Angaben der SPD bereits während der Nacht gesperrt. Damit sollen Diebstähle während der Bauarbeiten der Internationalen Bauausstellung GmbH, die noch bis voraussichtlich Juni das Inventar der Gartenschau zurückbauen lässt, verhindert werden. Ob der Park nach Abschluss der Bauarbeiten auch wieder nachts geöffnet werden solle, liegt in der Entscheidung des Bezirksamtes Mitte.

Ein „kluger Interessenausgleich“, wie ihn die SPD-Mehrheitsfraktion im Regionalausschuss fordert, gilt als nahezu unmögliches Kunststück. Der nächtliche Absperrung soll die Kleingartenpächter nicht beeinträchtigen, auch bei dem Empfang von Gästen nicht. Auch die Angelpächter haben ein Interesse an einem ungehinderten Zugang. Anlieger sind auf Wege durch den Park angewiesen. Während der Gartenschau haben sie unbequeme Umwege in Kauf nehmen müssen. Die Gewerbeanlieger müssen bei einer Lösung ebenso berücksichtigt werden.

Die Nordwandhalle, ein Indoor-Kletterpark, ist bis 23 Uhr geöffnet. Besucher der Schwimmhalle und Gäste des Raphael Hotels im Wälderhaus nutzen die Parkwege. Und sollte das geplante Basketball-Profiteam „Hamburg Towers“ tatsächlich einmal in der Bundesliga spielen und seine Heimspiel in der Basketballhalle des Inselparks austragen, dürften Tausende Besucher auch am späten Abend auf die Parkwege angewiesen sein. Jörn Frommann (CDU) ahnt bereits: „Wir werden mit einer Lösung nicht alle befrieden können.“