Harburg
Heidenau

Anwohner wollen keine Windräder

Heidenau protestiert gegen den Ausbau der Windkraft. Bürgermeister hatte umstrittenen Standort ins Spiel gebracht

Heidenau. Außerhalb eines Ortes zu wohnen, muss nicht schlecht sein. Da hat man seine Ruhe, viel Natur und wenig Verkehr. Doch der kleinen Splittersiedlung am Büntberg kann ihre Lage außerhalb der Ortschaft Heidenau nun beim Windenergieausbau zum Verhängnis werden. Zurzeit steht zur Diskussion, nur etwa 350 Meter vom Büntberg entfernt Windräder aufzustellen. Während zu einer zentralen Ortschaft ein Abstand von mindestens 1000 Metern eingehalten werden muss, gilt diese Regelung nicht für einzelne Häuser und Splittersiedlungen wie den Büntberg mit rund 30 Einwohnern. „Die Windräder würden fast bei mir im Garten stehen“, schimpft die Groß- und Außenhandelskauffrau Steffanie Stegmann, die am Büntberg wohnt.

Für sie und ihren Mann Jörg Stegmann wäre das nicht nur optisch eine Katastrophe, sondern auch wegen des erhöhten Lärms. Zudem fürchten sie Unfälle. Erst vor wenigen Wochen hatte in Dohren ein Windrad eines seiner drei Rotorblätter verloren. „Wenn so ein Ding wegsegelt, kann leicht etwas passieren“, sagt Jörg Stegmann.

Der Nachbarin Gabriele Furmanek beschleicht das Gefühl, dass auf Heidenau umstrittene Bauten und Projekte abgeladen werden. Im Süden und Osten der Gemeinde drehen sich bereits Windräder. Zudem steht eine der größten Biogasanlagen im Landkreis in Heidenau und eine Gasstation, von der Erdgas aus Russland Richtung Norden in andere Netze geleitet wird. Und dann noch die ausgebaute Autobahn. Die Lärmbelästigung macht Gabriele schon jetzt zu schaffen. „Ich wohne seit 20 Jahren hier, und habe das Gefühl, Heidenau ist nicht mehr so lebenswert wie früher“, sagt die Redakteurin.

Rückenwind bekommen die Anwohner von der Gemeinde Heidenau, die den Abstand mit etwa 300 Metern zu ihrem Gewerbegebiet auch als viel zu gering ansieht. Ein solches Heranrücken lehnt die Gemeinde vor allem deshalb ab, weil bei potenziellen Gewerbegebieten in der Nähe von Autobahnabfahrten ganz anders argumentiert wird. Da muss ein Abstand von 1000 Metern eingehalten werden, um mögliche Ansiedlungen von Unternehmen nicht zu verhindern. „Das passt nicht zusammen und kann man keinem vermitteln“, kritisiert Heidenaus Bürgermeister Reinhard Riepshoff.

Auch Rolf Scheibel, der das zehn Hektar große Gewerbegebiet von Heidenau vermarktet, glaubt, dass die Windräder die Chancen von Ansiedlungen mindern könnten. Ein Unternehmen, das darüber nachgedacht habe, sich dort niederzulassen, habe bereits Bedenken geäußert. „Die Firma glaubt, dass der Schattenwurf die Mitarbeiter in der Arbeit beeinträchtigen würde“, sagt Scheibel. Zudem kommen Windräder für die Gemeinde Heidenau mehr als ungelegen, da ein Neubaugebiet zwischen der Mühlenstraße und der Kreisstraße – ganz in der Nähe des Büntbergs – geplant ist.

Dabei war es Heidenaus Oberhaupt, Bürgermeister Riepshoff, der in seiner Funktion als SPD-Kreistagsmitglied die Fläche am Büntberg ins Spiel gebracht hatte. Sie sollte so etwas wie ein Joker sein. Er hoffte, den Landkreis überzeugen zu können, den Standort am Ende Richtung Norden auf die südliche Seite der Autobahn verschieben zu können. Doch daraus wurde nichts. Der Joker scheint sich als Bumerang zu entpuppen. Der Landkreis erteilte eine Absage, da sich der Standort in der Nähe des Naturschutzgebiets Everstorfer Moor befindet. Das Moor gilt als Lebensraum geschützter Wiesenvögel. „Flora und Fauna haben da Priorität, deshalb kommt der Standort nicht in Frage“, sagt Bernhard Frosdorfer, Pressesprecher des Kreises.

Nach seinem missglückten Unterfangen plagt Riepshoff aber nicht das schlechte Gewissen. „Den Versuch musste man starten“, sagt er. Nun will er sich dafür einsetzen, dass die Fläche komplett aus dem Raumordnungsprogramm verschwindet. Er ist da ganz zuversichtlich. Allein schon wegen der Gastrasse, die in der Nähe des Büntbergs verläuft, habe der Landkreis Bauchschmerzen mit Windrädern im Norden Heidenaus, so Riepshoff.

Der Landkreis hat der Gemeinde Heidenau schon einmal ein Zugeständnis gemacht. Zuvor war noch eine zweite Windenergiefläche im Osten von Heidenau im Gespräch, die inzwischen rausgefallen ist. Den Befürchtungen der Bewohner des Ortsteils Avensen, die sich dann von Windrädern umzingelt gesehen hätten, hat der Landkreis Rechnung getragen. Heidenau hat auch noch die Möglichkeit, mit Hilfe des Flächennutzungsplans den Windkraftstandort zu verschieben. Doch der stellvertretender Bürgermeister Peter Dörsam bezweifelt, dass der Spielraum reicht, um die Fläche gen Autobahn zu verrücken.

Bleibt jetzt noch die Fläche nördlich der Autobahn, die auch noch zur Diskussion steht. Damit haben die Einwohner von Heidenau kein Problem. Im März wird es spannend. Dann bringt der Kreistag den Entwurf des Raumordnungsprogramms auf den Weg.