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Stiftungs-Millionen für die Elbidylle

Auf der Insel Lühesand sollen Flachwasserbereiche und Biotope für Pflanzen und Tiere entstehen. Schon jetzt leben hier viele seltene Vogelarten

Steinkirchen/Hamburg. Die Bewilligung ist abgesegnet und die Freude groß: Die Hamburger Stiftung „Lebensraum Elbe“ will etwa 1,8 Millionen Euro für die ökologische Umgestaltung der Elbinsel Lühesand, vor der Samtgemeinde Lühe, im Landkreis Stade, investieren.

Lühes Samtgemeindebürgermeister Hans Jarck informierte darüber den Samtgemeinderat und sagte, dass somit das Hamburger Planungsbüro Elbberg, das bereits bei der Altländer Baufibel mitwirkte, die Aufwertung der Insel vorbereiten könne. Dafür stehe als nächster Schritt nun die Genehmigungsplanung an.

Landschaftsplaner Gerd Kruse vom Planungsbüro Elbberg würde, sobald alle Genehmigungen erteilt sind, gemeinsam mit Rolf Rudorffer vom Horneburger Ingenieurbüro Galla & Partner und den Landschaftsplanern der EGL Hamburg in einer Arbeitsgemeinschaft erste Entwürfe entwickeln. „Da es hier um gesetzlich geschützte Biotope geht und der Uferbereich hochsensibel ist, wollen wir das Projekt mit allen Beteiligten, den Naturschutzexperten, dem Wasser- und Schifffahrtsamt und natürlich von der Stiftung Lebensraum Elbe auf den Weg bringen“, sagt Kruse.

Mit Geld der Stiftung fördern die Stadt Hamburg und die Hafenwirtschaft ökologische Projekte an der Elbe. Als Ausgleichsmaßnahme zum Hafenbau sollen demnach an der Binneninsel neue Flachwasserbereiche entstehen und Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen werden. „Vorgesehen ist an der Lühesander Süderelbe, zwischen der Insel und dem Alten Land, Teile der Steinschüttungen abzutragen und eine weitere Renaturierung der Uferzone zu ermöglichen“, sagt Rolf Riggers, Bauamtsleiter der Samtgemeinde Lühe. „Der Uferbereich zum Fahrwasser der Elbe muss aus Sicherheitsgründen befestigt bleiben.“

Mit der teilweisen Entfernung der vorhandenen Steinschüttung würden bestimmte Inselareale im Gezeitenrhythmus öfter überspült. In diesen Zonen könne sich Schilf ausbreiten und ufertypische seltene Pflanzenarten, wie der geschützte Schierlings-Wasserfenchel wachsen, so Riggers.

Die etwa 124 Hektar große Insel Lühesand, die dem Land Niedersachsen gehört, besteht überwiegend aus Schlickwatt. Sie wurde nach dem 1. Weltkrieg bautechnisch befestigt. Aufspülungen mit Baggergut, zuletzt 1965, gaben der Elbinsel ihre heutige Form. Bereits vorhandene Insel-Biotope dürften bei den geplanten Veränderungen nicht zerstört oder berührt werden. In den neu abgeflachten Uferzonen hätten weitere Muschel-, Schnecken- und Fischarten begünstigte Lebensbedingungen, wovon Vögel und Tiere ebenfalls profitieren könnten. Allerdings seien in den sich neu entwickelnden Flachwasserzonen keine Badestellen für Camper oder Besucher der Insel vorgesehen.

Über die Planungen auf der vom Stader Domänenamt verwalteten Insel wollen demnächst auch der Landkreis Stade sowie die Vertreter der Wasser- und Schifffahrtsbehörde gemeinsam mit allen Beteiligten beraten. Etwa ein Jahr wollen sich die Verantwortlichen dafür Zeit nehmen, die konkreten Umsetzungen der Planungen könnten voraussichtlich 2015 beginnen.

Die 3,2 Kilometer lange und bis zu 600 Meter breite Insel, die zwischen Hetlinger Schanze in Schleswig-Holstein und Twielenfleth in Niedersachsen liegt, ist im größten, südöstlich gelegenen Teil Landschaftsschutzgebiet, das von Mitgliedern vom Naturschutzbund (NABU) Stade betreut wird.

Dort registrierten die Naturschützer rund 60 verschiedene, teils sehr seltene Vogelarten wie Karmingimpel, Beutelmeise, Schwarzkopfmöwe, Sturmmöwe oder Zwergtaucher, die auf der Insel brüten, berichtet Nabu-Aktivist Rainer von Brook, der auch naturkundliche Führungen über die Insel anbietet. Zudem sind seltene Schmetterlinge und Insekten dort heimisch.

Die Elbinsel Lühesand wurde bereits seit Mitte der 1960er-Jahre vom NABU Hamburg betreut. Im Jahr 2000 hat der NABU Stade die Betreuung des Vogelschutzgebietes übernommen, das sich über etwa die Hälfte der Insel erstreckt.

Im Rahmen eines großen Gemeinschaftsprojekts mit dem Botanischen Verein zu Hamburg will der Nabu den Schierlings-Wasserfenchel wieder auf Lühesand ansiedeln. Dieser Doldenblütler kommt ausschließlich an der Süßwasser-Tideelbe vor und ist derzeit vom Aussterben bedroht.

Bekannt ist das Bild des Eilands zwischen dem Fahrwasser der Elbe und der Lühesander Süderelbe vor allem durch seine beiden riesigen Stromleitungsmasten. Der größte ist 227 Meter hoch und trägt die Freileitungen als sogenannte Elbekreuzung des Netzbetreibers Tennet. Die „Elbekreuzung 2“, zwischen 1976 und 1978 errichtet, trägt mit den zwei höchsten Strommasten Europas 380-Kilovolt-Drehstom-Freileitungen über die Elbe und verbindet das Schaltwerk Wilster in Schleswig Holstein mit dem Umspannwerk Dollern östlich von Stade in Niedersachsen.

Die Elbekreuzung 2 erweiterte die 1962 in Betrieb genommene Elbekreuzung 1, deren 189 Meter hoher Mast an der nordwestlichen Inselspitze steht. Zudem gibt es auf der nach 1750 aus kleineren Inseln entstandenen Elbinsel einen Campingplatz, der an die Samtgemeinde Lühe verpachtet ist. Sie hat das Naherholungsgelände seit 1987 an den Platzbetreiber Holger Blohm unterverpachtet.

Bereits seit den 1920er-Jahren steuern Freizeitskipper und Sportbootbesatzungen das Inselidyll an und jedes Jahr genießen Camper die Sommerfrische und den einzigartigen Nahblick auf die großen Pötte auf dem Weg zwischen Nordsee und Hamburg.