Neu Wulmstorf

Kampf ums Neu Wulmstorfer Rathaus

Matthias Weigmann (CDU) fordert Bürgermeister Wolf-Egbert Rosenzweig (SPD) heraus

Neu Wulmstorf. Das verspricht ein spannendes Duell um das Bürgermeisteramt in Neu Wulmstorf zu werden. Unterschiedlicher können der Amtsinhaber Wolf-Egbert Rosenzweig und sein Herausforderer Matthias Weigmann kaum sein. Der Sozialdemokrat Rosenzweig hat schon vor seiner ersten Amtszeit als Oberhaupt der Gemeinde Neu Wulmstorf jahrelang in der Buxtehuder Stadtverwaltung Erfahrungen gesammelt.

Matthias Weigmann hingegen kommt als IT-Unternehmer und Gesellschafter der Anmatho AG in Hamburg aus der freien Wirtschaft. Es ist gar nicht lange her, dass er der CDU beigetreten ist. 1998 war das. Drei Jahre später wurde er Mitglied im CDU-Vorstand Neu Wulmstorf. Er arbeitet im Ausschuss für Finanzen und Service sowie im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss der Gemeinde als zugewählter Bürger. In diesem Jahr ist er Geschäftsführer der CDU Neu Wulmstorf geworden. Er kennt also weder den Stallgeruch einer Verwaltung noch war er über viele Jahre in der politischen Mühle der CDU.

Das alles ist für Weigmann aber noch längst kein Grund, nicht gegen Rosenzweig anzutreten. Der Erste Gemeinderat sei Verwaltungsprofi genug, findet Weigmann. „Ein Bürgermeister wird nicht für das Verwalten, sondern für das Gestalten gewählt“, sagt er. Und eben in der Gestaltung sei der Mangel derzeit gravierend, so der 45-Jährige. Er wirft Rosenzweig vor, nur das zu erfüllen, was gesetzlich vorgeschrieben ist wie etwa den Ausbau von Krippenplätzen. Weigmann: „Es gibt kein einziges Projekt, das mit ihm in Verbindung gebracht werden kann. Weil er kein eigenes hat, fährt er auch keines gegen die Wand.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Weigmann Kritik übt. Wann immer sich eine Gelegenheit bietet, verurteilt er die Arbeit des amtierenden Bürgermeisters. Rosenzweig (59) selbst aber fällt auf die Frage, was er in seiner bisherigen Amtszeit als seinen Erfolg verbuchen würde, so einiges ein. Etwa, dass die Gemeinde jetzt familienfreundlicher aufgestellt sei. Eine große Hilfe war dabei sicherlich, dass das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Gemeinde Neu Wulmstorf als Modellkommune für das Projekt „Kommunale Zeitpolitik für Familien“ ausgewählt hatte. Dabei ging es darum, Zeitfresser in Familien aufzuspüren, um so die Lebensqualität und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. In dem Zuge wurde unter anderem für Grundschulkinder frühmorgens eine Betreuung organisiert. Außerdem schließen die Kitas später und kosten weniger.

Als einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit führt Rosenzweig das Zukunftskonzept 2025 an, das derzeit noch in Arbeit ist und mit dem sich die Gemeinde für die Zukunft rüsten will. Dabei hat Rosenzweig die alternde Gesellschaft als Kernproblem ausgemacht. „Momentan haben wir noch einen Zuzug, aber der demografische Wandel wird uns erreichen“, sagt Rosenzweig. Er stellt aber in Frage, deshalb zusätzliche große Wohngebiete auszuweisen. Vielmehr sieht er einen dringenden Wohnbedarf für Alleinerziehende und Singles sowie neue Wohnformen für Senioren.

Anders als Rosenzweig findet Weigmann, dass die Gemeinde deutlich mehr Wohngebiete ausweisen muss, um überhaupt die Bevölkerungszahl halten zu können. „Wir müssen etwas tun, um die Jugendlichen im Ort zu halten“, sagt er. Sonst sinkt seiner Meinung nach die Bevölkerungszahl und in der Folge leidet die Infrastruktur der Gemeinde: Busse fahren nicht so oft, öffentliche Angebote werden weniger.

Neben dem Wohnraum ist es die Bildungslandschaft, der sich beide im Falle ihrer Wahl widmen möchten. Neu Wulmstorf ist eine der wenigen Gemeinden, in denen es noch alle Schulformen gibt – von der Hauptschule über die Realschule bis zum Gymnasium. Dass diese Struktur aber langfristig wegen abnehmender Schülerzahlen bröckeln wird, ist beiden klar. Sie streben daher an, den Wandel der Schullandschaft anzupacken.

Das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. In den weiteren Themenfeldern unterscheiden sich die Kontrahenten deutlich. Rosenzweig will sich verstärkt dem Klimaschutz widmen. „Wir werden den Klimawandel als kleine Gemeinde nicht stoppen können, aber wir können mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt er. Eines dieser guten Beispiele ist die neue Stromtankstelle am P&R-Parkplatz in Neu Wulmstorf, an der Autofahrer ihre Elektro-Fahrzeuge kostenlos mit Strom betanken können. Zudem möchte Rosenzweig „mehr Beteiligung der Bürger wagen“, um so die Bürger an den Entscheidungsprozessen verstärkt teilhaben zu lassen.

Weigmann hingegen will sich für die mittelständischen Betriebe einsetzen und bedient damit die traditionelle Wählerklientel der CDU. Es gebe für viele Gewerbetreibende wie Maler oder Schlosser keine Möglichkeiten zu expandieren, da zu wenige Flächen vorhanden seien, so Weigmann. Das will er ändern. „Wir müssen das kleinteilige Gewerbe in Neu Wulmstorf halten“, sagt er.

Er glaubt, dass die Zeit reif ist für einen Wechsel. Er meint, es besser machen zu können und begründet das mit seinen Führungserfahrungen als IT-Unternehmer. „Ich habe gelernt, Ziele zu formulieren und sie auch zu erreichen.“ Ob er tatsächlich sein jetzt formuliertes Ziel, Bürgermeister von Neu Wulmstorf zu werden und Rosenzweig abzulösen, bleibt abzuwarten.