Neuwiedenthal

Sie spenden für den Kinderteller

Jutta Böttcher und Iris Wolf wollen mit ihrer Initiative dem DRK-Projekt in Neuwiedenthal die Zukunft sichern

Buxtehude/Neuwiedenthal. Beim Thema Mitmenschlichkeit funktioniert die Metropolregion offensichtlich weit besser, als in politischer Hinsicht. Als sie am 12. November den Artikel im Hamburger Abendblatt über den Kinderteller in der DRK-Kita Stubbenhof in Neuwiedenthal gelesen habe, sagt Jutta Böttcher, „habe ich einfach nur gedacht, es kann doch wohl nicht wahr sein, dass hier um die Ecke Kinder hungern“. Spontan hat die Buxtehuder Geschäftsfrau die Initiative ergriffen und will nun, gemeinsam mit anderen Buxtehuder Geschäftsleuten, eine Ideenbörse gründen, damit Spenden für den Kinderteller zusammen kommen.

Wie berichtet, haben die Mitarbeiter der DRK-Kita einen Mittagstisch für Neuwiedenthaler Kinder gegründet. Die Kinder aus dem Quartier werden in der Regel an den Wochentagen in den Schulen und Kitas mit einer warmen Mahlzeit versorgt.

„In den einzelnen Einrichtungen ist immer wieder aufgefallen, dass die Kinder montags besonders hungrig sind, weil die Kühlschränke an den Wochenenden zu Hause häufig schlichtweg leer sind, weil sich die Eltern oft den Einkauf nicht leisten können. Aus einer Initiative aus dem Stadtteil heraus haben wir uns vor geraumer Zeit entschlossen, hier in der Kita einen Mittagstisch an den Wochenenden anzubieten“, sagt Susanne Franke, stellvertretende Leiterin der Kita des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Kreisverband Harburg. Dieses Angebot für die Kinder, die sonnabends und sonntags in der Zeit zwischen 12 und 13 Uhr ein kostenloses, warmes Essen in der Kita bekommen, finanziert sich ausschließlich aus Spenden. Im November zeichnete sich ab, dass dieses Angebot in Gefahr ist, wenn weiterhin zu wenig Spenden eingehen würden.

„Mir gefällt an diesem Angebot in der Kita, dass hier ganz existenzielle Hilfe geleistet wird. Ein hungriges Kind braucht einfach Essen“, so Jutta Böttcher. Eine Mitstreiterin hat die Gründerin und Geschäftsführerin des Buxtehuder Kompetenzzentrums für Hochsensibilität an der Stader Straße 24 schon in Iris Wolf gefunden. Auch Wolf ist Geschäftsfrau. Ihr gehört das Geschäft Wolf & Wolf Gemischtwaren an der Breite Straße 3-5 in Buxtehude. „Kinder sind Zukunft. Aus meiner Sicht ist es enorm wichtig, dass Kinder in diesen Verhältnissen neben all den negativen Erfahrungen, die sie machen, auch konkrete Hilfe erfahren müssen. Denn auch das prägt sie für ihre eigene Zukunft“, sagt Iris Wolf. Grund genug für die selbstständige Geschäftsfrau, aktiv zu werden, und zwar im eigenen Laden, in dem sie Möbel, Bekleidung und Deko-Artikel verkauft. „Wir sprechen unsere Kunden an, ob sie das Einpacken von Geschenken, das bei uns im Geschäft nichts kostet, mit einer Spende für den Kinderteller honorieren möchten.“

Jutta Böttcher wirbt auf ihrer Internetseite (www.aurum-cordis.de) für Spenden und hat zudem einen Spendenaufruf in ihrem Newsletter veröffentlicht. „Uns fehlt die Zeit, die einzelnen Aktionen hier zu koordinieren. Was wir aber tun können, das ist mit einer Idee anzufangen und weitere Geschäftsleute anzusprechen, ob sie mitmachen wollen“, sagt Jutta Böttcher. Ziel ihrer Aktion sei es zum einen, so Böttcher, die Menschen für das Thema Kinderarmut zu sensibilisieren, zum anderen aber ganz konkret den Neuwiedenthaler Kinderteller finanziell zu unterstützen. „Wir wünschen uns natürlich so viel Spenden, dass die Mitarbeiter in der Kita ihr Angebot für die Kinder aufrecht erhalten können. Wir würden uns zudem wünschen, dass sich durch unsere Aktion Organisationen finden, die vielleicht eine Patenschaft für den Kinderteller übernehmen“, sagen die beiden Geschäftsfrauen.

Die beiden Buxtehuder Geschäftsfrauen sind nicht die einzigen, die sich jetzt für den Kinderteller in Neuwiedenthal engagieren. Inzwischen sind rund 20.000 Euro Spenden beim DRK Harburg für diese wichtige Sozialarbeit eingegangen. „Die Kosten für das Jahr 2013 sind dank der Spenden gedeckt. Wir können jetzt sicher sagen, dass es den Kinderteller auch im nächsten Jahr geben wird“, sagt DRK-Sprecherin Kim Friedrichs.