Bendestorf

Historische Filmhalle soll Wohnbau weichen

Die Gemeinde Bendestorf hat die endgültige Entscheidung über das Gebäude auf dem Studiogelände vertagt. Einwohner sollen informiert werden

Bendestorf. Was wird aus der Halle A1 auf dem ehemaligen Gelände der Bendestorfer Filmstudios? „Ich hätte mich gefreut, wenn etwas entschieden worden wäre“, sagt die Gemeindedirektorin Carmen Eggers und ihr ist die Enttäuschung anzumerken, als sie von dem Ergebnis der letzten Gemeinderatssitzung im Bendestorfer Rathaus berichtet. Seit Jahren wird darüber diskutiert, was mit dem verwaisten Filmstudiogelände geschehen soll. Geeinigt hat man sich grundsätzlich auf einen Abriss und eine Bebauung mit 30 Wohnungen.

Aber die Geschichte des Geländes soll nicht vergessen werden. Nur wie und in welchem Umfang – daran scheiden sich die Geister. Auf der einen Seite steht der Verein Freundeskreis Filmmuseum Bendestorf. Er möchte die Halle A1, die Keimzelle der Studios, erhalten. Allerdings verfügt der Verein nicht über die Mittel, das Gebäude zu kaufen und zu unterhalten. Die Filmfreunde sind also auf finanzielle Hilfe angewiesen. Bisher fließt sie nicht in ausreichender Menge. Unterstützt werden die Freunde von der SPD, den Grünen und der Wählergemeinschaft. Sie verhinderten in der Gemeinderatssitzung eine endgültige Entscheidung über die Halle A1. Statt dessen werden die neusten Planungen der Lüneburger Architektin Ute Mehring für eine Bebauung des Geländes den Einwohnern Bendestorfs noch einmal explizit vorgestellt, Termin ist voraussichtlich der 4. Februar.

Die Gemeindeverwaltung wiederum sähe den Verein, der auf jeden Fall ein Filmmuseum aufbauen will, in den Vox Klangstudios, die sich am Rand des 13.500 Quadratmeter großen Geländes befinden. Dann könnte die Halle verschwinden und die Bebauung des Geländes großzügiger vorgenommen werden. Wenn die Bürgerversammlung für die Bendestorfer abgehalten worden ist, möchte Gemeindebürgermeister Hans-Peter Brink so schnell wie möglich die nächste Ratssitzung einberufen, bei der dann endgültig entschieden werden soll. „Alle Gruppen und Parteien sind sich einig, dass das nicht länger auf die lange Bank geschoben werden kann“, verspricht Brink.

Grundsätzlich steht der Plan, hier Wohnungen zu bauen. Vorhabenträger Friedrich-W. Lohmann steht bereit, er wartet nur noch auf die Entscheidung des Gemeinderates. Aber Lohmann muss sich weiter gedulden. „Wenn die Gemeinde neue Tendenzen für die Halle den Bürgern präsentieren möchte, wollen wir uns dem nicht verschließen“, sagt er. Er favorisiert eine Wohnbebauung ohne die Halle. Die schillernd bunte Geschichte der Filmstudios soll auch auch seiner Sicht erhalten bleiben. Dafür böten indes die Vox Klangstudios auf dem Gelände ausreichend Entwicklungsmöglichkeiten, um den Filmfans die Geschichte dieses Platzes ansprechend zu präsentieren: „Es ist genug Raum vorhanden, hier könnte man sich richtig austoben.“ Er rechnet jetzt fest mit einem endgültigen Beschluss spätestens im März kommenden Jahres. Dann könnte ein halbes Jahr später der Bebauungsplan genehmigt und im Herbst das Gelände baureif sein. Nach seinen Vorstellungen könnten 2015 die ersten Wohnungseigentümer Weihnachten in ihren neuen vier Wänden feiern.

Was macht man mit einem Erbe, das kulturhistorisch von Bedeutung ist und bewahrt werden soll? Mit den Filmstudios haben die Bendestorfer einerseits einen Schatz, an dem auch noch nächste Generationen teilhaben sollen. Von den Glanzzeiten in den 50er und 60er-Jahren ist andererseits nichts mehr übrig, der Putz bröckelt von den Wänden, ein Großteil der Gebäude ist dem Verfall preisgegeben. Lange schon ist entschieden, dass die Häuser abgerissen werden sollen. Nur die Halle A1, die Keimzelle der Filmstudios, steht zur Disposition. Berühmt wurden diese imposanten Filmstudios mit Hildegard Knef, die in „Die Sünderin“ alle Hüllen fallen ließ. Hier wurde „Sisi“ produziert, Stars wie Rudi Carrell, Hella von Sinnen, Hugo Egon Balder und Erika Berger mit „Alles nichts oder“ waren hier zu Gast. Sogar Beatle John Lennon drehte in der Heide.

In den 70er-Jahren begann der Niedergang. In den letzten Jahren wurden die Studios nur noch für Werbedrehs genutzt, doch die Zahl der Buchungen sank so stark, dass es sich nicht mehr lohnte, die Hallen in einem guten Zustand zu erhalten. Die Entscheidung, den Serien-Erfolgsschlager „Rote Rosen“ in Lüneburg statt in Bendestorf zu drehen, war dann das endgültige Aus für die Gebäude auf dem Studiogelände.

Für Walfried Malleskat vom Freundeskreis Filmmuseum ist der Abriss der Gebäude ein Ding der Unmöglichkeit, denn sie seien ein einmaliges kulturhistorisches Denkmal. Deshalb wird der Verein ein multimediales Filmmuseum auf dem Gelände einrichten. Bis vor kurzem hieß es: der Verein zieht in die Halle A1. Aber nachdem der Inhaber des Vox-Klangstudios den Mietvertrag für seinen etwa 300 Quadratmeter großen Gebäudekomplex gekündigt hatte, rückte dies als Alternative zur Halle in den Fokus. Am 11. November, bei der Mitgliederversammlung des Vereins, wurde darüber abgestimmt. Doch auch der Freundeskreis war sich uneins: bei der Stimmenauszählung gab es genau so viele Befürworter wie Gegner für die Halle. Erst eine lange Beratung brachte ein Ergebnis: „Wir haben uns für das entschieden, was realistisch machbar wäre in nächster Zeit“. Und das ist eindeutig das Tonstudio. Hier ist die Infrastruktur vorhanden, das Gebäude wurde immer genutzt und es gibt im Obergeschoss einen Kinosaal. Dennoch plädiert der Verein nach wie vor für den Erhalt der Halle A1. „Das Studio war früher ein Verwaltungsgebäude, die Halle dagegen eine echte Produktionsstätte des aufstrebenden deutschen Films.“