Neu Wulmstorf

Eine beispielhafte Kooperation

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Kerstin Lorenz

Zehn Jahre alte Abwasserdruckleitung verbindet Buxtehude und Hamburg und bringt für beide Partner zahlreiche Vorteile

Hamburg/Buxtehude/Neu Wulmstorf . Es ist ein hervorragendes Beispiel für die Kooperation in der Metropolregion Hamburg und war vor zehn Jahren das erste Projekt seiner Art, so Buxtehudes Bürgermeister Jürgen Badur (parteilos), anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Abwasserdruckleitung von Buxtehude nach Hamburg.

Warum diese Kooperation für alle Beteiligten vorteilhaft ist, erklärt Professor Stephan Köster von der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH). „Nach genauen Kosten-Nutzen- Analysen aller Beteiligten und wenn die Transportdistanzen überwindbar sind, kann eine Abwasserentsorgung in Zentralanlagen wie im Klärwerksverbund Köhlbrandhöft/Dradenau sehr sinnvoll sein “, sagt Köster, der den Lehrstuhl für Städtisches Umweltmanagement am Institut für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz innehat.

Die auf modernste Technik ausgelegten Rahmenbedingungen solcher Großanlagen, würden für kleinere Gemeinden enorme Kosten bedeuten. Zudem müsse berücksichtigt werden, was die Gewässer verkraften, die als Vorfluter gereinigtes Abwasser aufnehmen sollen. Beim Klärwerk Köhlbrandhöft/ Dradenau beeinflusse das Vorfluten in die Elbe den großen Fluss geringfügig. Stehen als Vorfluter nur Bäche oder schmale Flüsse zur Verfügung, könne ihre Nutzung als Vorfluter für große Wassermengen sehr prägend sein, so Köster.

Große, moderne Absatzbecken, wo Bakterien arbeiten oder die Entsorgung von Klärschlamm sind ebenfalls mit großen technischen und finanziellen Aufwendungen verbunden. Wenn ein großes zentrales Klärwerk optimal ausgelastet wird, ist das technisch, finanziell und unter Umweltaspekten sehr sinnvoll. Natürlich sei hier immer die Wägung der Einzelfälle entscheidend, so Professor Köster.

„So hatte der Schritt vor zehn Jahren Signalfunktion. Inzwischen gibt es viele gute Formen der Zusammenarbeit“, sagte Badur.

Voraussetzung für dieses erste Kooperationsprojekt war im Dezember 2003 die Unterzeichnung eines Vertrages für die „Übertragung der hoheitlichen Aufgabe“ der Abwasserentsorgung von Buxtehude an Hamburg. Doch die konnte erst erfolgen, nachdem der damalige Bürgermeister von Hamburg, Ole von Beust und dem damaligen Ministerpräsidenten Niedersachsens, Christian Wulff das länderübergreifende Pipeline-Projekt per Staatsvertrag absegneten.

Somit wurde das Abwassermanagement für rund 65.000 Menschen aus Buxtehude, Apensen und Neu Wulmstorf mit dem Partner „Hamburg Wasser“ neu dimensioniert und alte, reparaturbedürftige Klärwerke geschlossen. Rund 14 Millionen Euro investierte „Hamburg Wasser“ in die 18 Kilometer lange Druckrohrleitung samt Pumpwerktechnik, die nach nur 13 Monaten Bauzeit den Betrieb aufnahm. „Seit zehn Jahren werden pro Jahr etwa 2,8 Millionen Kubikmeter Abwasser nahezu geräusch- und geruchlos nach Hamburg gepumpt und im Klärwerksverbund Köhlbrandhöft/Dradenau gereinigt“, sagte Thomas Müller-Wegert, Geschäftsführer der Stadtwerke Buxtehude zu den technischen Daten.

Die Pumpen drücken pro Sekunde rund 500 Liter Abwasser aus Haushalten und Betrieben zum Klärwerk im Hamburger Hafenbereich, so der Geschäftsführer für Service und Technik bei „Hamburg Wasser“ Joachim Zinnecker. Er hatte gemeinsam mit Müller- Wegert von der Stadtentwässerung Buxtehude (SEB) im Dezember 2003 das neue Abwasserprojekt in Betrieb genommen.

Nachdem die Schieber zur neuen Druckpipeline geöffnet waren, schaltete die Buxtehuder Stadtentwässerung das Klärwerk am Melkerstieg ab und begann den Rückbau. Lediglich ein Notfallbecken blieb betriebsbereit, das bislang nur einmal zum Einsatz kam, als die Druckleitung bei Straßenbauarbeiten beschädigt wurde.

Vertraglich haben sich die Betreiber der Hamburger Stadtentwässerung „Hamburg Wasser“ Buxtehude und den weiteren Vertragspartnern 20 Jahre das Abwasser abzunehmen. Rund 1,82 Millionen Euro kostet die Reinigung des Schmutzwassers im Klärwerksverbund Köhlbrandhöft/Dradenau.

Das Abwassermanagement habe sich mit seit Jahren stabilen Gebühren für die Haushalte und Betriebe ausgezahlt, so Badur. Im ersten Jahr der Zusammenarbeit zahlten die Buxtehuder 1,88 Euro pro Kubikmeter Abwasser, genau so viel wie 2013. Wegen größerer Investitionen der Stadtentwässerung Buxtehude (SEB)ins betriebseigene Netzsystem wird die Gebühr 2014 allerdings auf 2,10 Euro je Kubikmeter steigen.

In den Verträgen mit „Hamburg Wasser“ ist geregelt, dass die SEB, lediglich „allgemeine Preissteigerungen“, etwa bei den Energiekosten mittragen muss. Würde sich die Entsorgung des Klärschlamms verteuern, müsste „Hamburg Wasser“ allein dafür aufkommen.

„Die positiven Auswirkungen auf die südliche Metropolregion und die Win-Win-Situation für alle Beteiligten“ hob Nathalie Leroy, Geschäftsführerin der „Hamburg Wasser“ im Buxtehuder Rathaus hervor. „Der Partnervertrag wurde weiterentwickelt, indem unsere Gemeinde seit dem Jahr 2008 seine Abwasserbeseitigung komplett an Hamburg Wasser übertragen hat“, sagte Neu Wulmstorfs Bürgermeister Wolf Rosenzweig.

Diesem Beispiel folgte auch die Samtgemeinde Hollenstedt. Entscheidend für den Erfolg des Kooperationsprojekts sei, dass es wirtschaftlich und technisch reibungslos laufe, so Bernd Zacharias, Leiter der Geschäftsentwicklung von Hamburg Wasser. Vor zehn Jahren habe die Planung des länderübergreifenden Projekts Beachtung bis Brüssel gefunden, so Zacharias.

Mit 30 Kommunen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein hat „Hamburg Wasser“ inzwischen Netzkooperationen. Den Kommunen bleibt der Bau eigener Klärwerke erspart und die Kapazität des Hamburger Klärwerkes werde optimal ausgelastet. Bürgermeister Badur rechnet damit, dass der auf 20 Jahre ausgelegte Vertrag verlängert wird.

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