Maschen

Endspurt beim Bahnhofsumbau

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Christiane Tauer

Die Erneuerung der Gleise, Weichen und Bremsen in Maschen läuft seit vier Jahren. Ende 2014 soll alles fertig sein

Maschen. Die Modernisierung des Rangierbahnhofs Maschen erreicht ihre letzte Phase. Noch ein Jahr, dann sollen mehr als 120 Kilometer Gleise, 230 Weichen und 97 Gleisbremsen wieder in einem Top-Zustand sein. 230 Millionen Euro an Bundesmitteln verschlingen die Arbeiten an Europas größtem Güterbahnhof im Herzen des Landkreises Harburg, die ihn fit für die Zukunft machen sollen. Der erste Spatenstich erfolgte im Oktober 2009.

Der Mann, der sozusagen das Gesicht der Umbauarbeiten ist, heißt Wolfgang Weber. Der 64-Jährige ist Baukoordinator für DB Schenker und kennt den Maschener Bahnhof wohl so gut wie kaum ein anderer. Schon 1975, zwei Jahre vor der Einweihung, hat der Eisenbahner am Aufbau mitgewirkt. Nach Stationen in allen Teilen Deutschlands kehrte er jetzt, für die Modernisierung, als Koordinator nach Maschen zurück – und wird dort auch seine Karriere beenden. „Wenn der Umbau abgeschlossen ist, gehe ich in Rente“, sagt er. Kann man sich einen runderen Abschied aus dem Berufsleben vorstellen?

An diesem Nachmittag fährt Weber zusammen mit seinem Kollegen Dieter Mückenheim, dem Fachüberwacher für den Abschnitt Fahrbahn, an die sogenannte Gleisharfe sechs. Sie besteht aus insgesamt acht Gleisen und wird deshalb Harfe genannt, weil sie von der Form her an das Musikinstrument erinnert. „Harfe sechs wird Anfang kommenden Jahres fertig sein“, berichtet Mückenheim. Danach ist Harfe eins an der Reihe, direkt auf der gegenüberliegenden Seite der – Achtung, noch ein Fachbegriff! – Richtungsgruppe Nord-Süd. Der Name der Richtungsgruppe gibt die Fahrtrichtung der Güterzüge an, das heißt, Nord-Süd bezieht sich auf Züge, die von Richtung Hamburg und Schleswig-Holstein in den Süden Deutschlands rollen, während sich das Süd-Nord-System auf die entgegengesetzte Fahrtrichtung bezieht. Über die sogenannten Einfahrgruppen, die aus mehreren Gleisen bestehen, laufen die Züge in die jeweiligen Systeme ein. Die komplizierten Begriffe belegen: Rangierbahnhöfe sind eine Welt für sich.

Das Süd-Nord-System ist bereits fertig saniert, und wenn im kommenden Jahr auch die Arbeiten an Harfe eins abgeschlossen sind, ist die Nord-Süd-Richtung ebenfalls runderneuert. Danach stehen nur noch kleinere Restarbeiten an, so dass im Dezember 2014 die gesamte Bahnhofs-Modernisierung abgeschlossen ist. Das Problematische daran sei ja, dass die Arbeiten im laufenden Betrieb gemacht werden, erklärt Weber und nennt einen weiteren Fachbegriff aus dem Eisenbahner-Jargon: den des Arbeitens „unter dem rollenden Rad“. Das wiederum bedeutet, dass der Güterverkehr während der Modernisierung weiterläuft.

Heute sind 35 Schweißer und Gleisbauer in Harfe sechs im Einsatz und tauschen alte Schienen, Schwellen und Bremsen durch neue aus. „Die Richtungsgleisbremse wird als Fertigstück geliefert“, sagt Mückenheim. Zunächst wird das Gleis komplett verlegt, dann das Stück für die Richtungsgleisbremse und Fördergrube ausgeschnitten, damit das neue Fertigstück eingefügt werden kann. Es dient dazu, die Züge, die vom sogenannten Ablaufberg mit zwölf Kilometer pro Stunde herunterrollen und über die Weichen in das jeweilige Gleis der Gleisharfen gelenkt werden, auf drei Kilometer pro Stunden abzubremsen. Die Förderanlage in der Fördergrube drückt die Waggons dann zu einem Zug zusammen. „Maximal möglich sind 15 Waggons“, sagt Weber. Danach können die Züge aus den jeweiligen Gleisen zu ihren Zielen aufbrechen.

Gelenkt wird das Ganze vom Stelltisch im Stellwerk aus. Die Wagen werden per Computer ins Gleis sortiert. Drei monströse Rechner aus dem Jahr 1975 standen bis vor Kurzem in einem 120 Quadratmeter großen Extra-Raum. Seit Juni vergangenen Jahres gibt es nur noch 15 kleine PCs, die für die Steuerung verantwortlich sind – auch die Technik des Bahnhofs wurde im Zuge der Modernisierung auf Vordermann gebracht.

60 Prozent der Güterzüge bestünden heute aus Containern, berichtet Weber. Die klassischen rostbraunen Güterwagen der Bahn werden immer weniger. „Im Wesentlichen bedienen wir die Häfen Hamburg und Bremerhaven.“ Weil von dort aber immer mehr fertige Züge auf die Reise gehen, die nicht mehr in Maschen neu zusammengestellt werden müssen, gewinnt das Umfahrungsgleis an Bedeutung. Bisher gibt es lediglich zwei, ein drittes soll jetzt hinzukommen. Mit dem Umfahrungsgleis eng verknüpft ist die Hoffnung der Maschener und Hörstener Bürger auf Lärmschutz.

Während der Planfeststellungsbeschluss für das neue Gleis selbst inklusive der Lärmschutzwand in Richtung Hörsten bereits seit Monaten vorliegt, steht der Beschluss für die Wand in Richtung Maschen noch immer aus. Laut Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis ist damit in diesem Jahr auch nicht mehr zu rechnen. Mit dem Bund werde derzeit über die Finanzierung beraten.

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