Harburg

IVG-Planinsolvenz beeinflusst den Channel

Gläubiger sollen kommendes Frühjahr einem Insolvenzplan zustimmen. Harburger Gebäude sind zu 90 Prozent vermietet

Harburg. Dass es einem Unternehmen finanziell nicht gut geht wird manchmal an Kleinigkeiten deutlich. Beispielsweise wenn der Wunsch besteht, das Licht einzuschalten und der Mitarbeiter mit Hinweis auf entstehende Kosten nicht auf den Schalter drückt. „Hätten sie uns gefragt, wäre natürlich das Licht sofort eingeschaltet worden“, sagt Lars H. Flechsig, für den norddeutschen Raum zuständiger Direktor des Immobilienkonzerns IVG. So geht denn nun die Frage an ihn, wie es um die Ende 2006 von IVG gekauften Gebäude des Channel Hamburg, die Häuser Channel 1 bis 11, bestellt ist? Verkäufer ist der Harburger Bauunternehmer und Channel-Entwickler Arne Weber.

„Wir sind mit 65.000 Quadratmeter einer der größten Vermieter in Harburg“, sagt Flechsig, „und wir haben einen Vermietungsstand von gut 90 Prozent.“ IVG-Manager Christian Müller ist zuständig für die Betreuung der Harburger Immobilien. „Bei einer derart großen Zahl an Büro- und Gewerbeflächen kommt es durch Mieterwechsel zwischenzeitlich zwangsläufig auch zu Leerständen“, sagt er. So sind derzeit zwei der 17 Etagen des Channel Towers nicht vermietet. Es bestehe aber eine rege Nachfrage insbesondere von Firmen aus dem Marketingbereich. Zunehmend würden sich auch Firmen aus dem Landkreis Harburg interessiert zeigen, die Büroflächen im Bezirk Harburg, im Bereich des Binnenhafens suchen. Zu den Großmietern im Channel zählt unter anderem Airbus. Daneben viele Zulieferer aus dem Bereich Flugzeug- und Automobilbau. Auf etwa 3600 wird die Zahl der Beschäftigten in den Harburger IVG-Immobilien geschätzt.

Die IVG mit Sitz in Bonn war bis 1993 eine bundeseigene Industrieverwaltungsgesellschaft, die sich anschließend in eine der größten europäischen Immobilienfondsgesellschaften verwandelte und inzwischen europaweit Immobilienvermögen im Wert von rund 21 Milliarden Euro besitzt oder verwaltet. Nach den Worten von IVG-Sprecher Jürgen Herres ist der IVG Mutterkonzern in finanzielle Not geraten, weil ab Anfang 2000, vor dem Bankencrash, zu Zeiten des Anlagebooms, Immobilien im In- und Ausland zu teuer und bei schlechten Zinskonditionen eingekauft worden waren. Aktuelle Marktwerte befinden sich unter dem Einkaufspreis. Zu den Gläubigern zählen Banken und Finanzinvestoren.

Herres: „Am 21. August hatte das Amtsgericht Bonn dem Insolvenzantrag in Form eines Schutzschirmverfahrens zugestimmt. Das ist unter der Voraussetzung möglich, dass ein Unternehmen noch zahlungsfähig ist. Seit dem 1. November befindet sich die IVG im sogenannten Planinsolvenzverfahren. Dabei bleibt der Vorstand in Amt und Würden und führt die Geschäfte weiter. Ein sogenannter Sachwalter überprüft die Geschäftstätigkeit.“ Gläubiger müssen warten.

Nun wird an einem Insolvenzplan gearbeitet. Der hat nach den Worten von Herres nicht die Zerschlagung sondern die Sanierung der IVG zum Ziel. Ein Schuldenschnitt, der die Forderungen der Gläubiger begrenzt, wird angestrebt. Herres schätzt, dass der Insolvenzplan Anfang 2014 vorliegt und bei Zustimmung der Gläubiger das Verfahren im ersten Halbjahr 2014 beendet werden könnte. Stimmen die Gläubiger dem Insolvenzplan nicht zu, und die Konzernmutter stirbt, würde ein neuer Eigentümer die Töchter, darunter das Hamburger IVG-Management mit seinem Immobilienbestand, übernehmen.

Nach den Worten von Jochen Winand, Vorstand der mit Wirtschaftsförderung in der südlichen Hamburger Metropolregion befassten Süderelbe AG, besteht bei vielen Investoren großes Interesse an einer Übernahme von Channel-Immobilien. Auch Bauunternehmer und Channel-Entwickler Arne Weber hatte sich früher bereits interessiert gezeigt, die Gebäude zurück zu nehmen. Allerdings nicht zu dem damaligen Verkaufspreis.

Für das IVG-Management in Hamburg laufen die Geschäftstätigkeiten derweil weiter bis bisher. Direktor Lars H. Flechsig: „Wir sind darum bemüht, dass sich die Mieter bei uns wohl fühlen. Neben Christian Müller haben wir auch in Lars Gottschewsky einen kompetenten Mitarbeiter für die Betreuung der Channel-Immobilien.“ Eine Lücke wird kommendes Frühjahr der Umzug der gut 300 Mitarbeiter zählenden Internet-Spielefirma InnoGames aus dem Gebäude Channel 4 in ein größeres Bürohaus in Hammerbrook reißen. Aber Christian Müller bleibt gelassen. „Es gibt Nachfrage vieler junger Unternehmen nach Büroflächen. Die kleinste Einheit zählt bei uns 104 Quadratmeter.“

Probleme bereitet dem Management eigentlich nur die Vermietung des früheren Sunlicht-Seifengebäudes, dem heutigen Channel 5 bis 7. Seine Bautiefe zwischen Schellerdamm und Westlichem Bahnhofskanal ist relativ groß. So kommt relativ wenig Tageslicht ins Gebäude. Licht wird oftmals benötigt. Auch wenn der Druck auf den Schalter gelegentlich schwer fällt.