Neugraben-Fischbek

Tote Hose im Briefkasten

Es ist reine Glücksache, ob Gabriele und Peter Oertel sowie ihre Nachbarn in Fischbek Post bekommen oder nicht

Neugraben-Fischbek. Gabriele Oertel gibt die Hoffnung nicht auf. Jeden Vormittag geht die 63-Jährige vor die Haustür und schließt ihren Briefkasten auf. Doch in den meisten Fällen erwartet sie gähnende Leere. Das liegt allerdings nicht daran, dass sie und ihr Mann Peter keine Post bekommen. Nur die Zustellung klappt überhaupt nicht.

Seit Monaten ist es bei Familie Oertel und in der ganze Nachbarschaft zwischen Scharlbarg und Rostweg in Neugraben-Fischbek reine Glückssache, ob die Post kommt. „Seitdem unser langjähriger Zusteller versetzt worden ist, klappt hier gar nichts mehr“, sagt Gabriele Oertel. Danach wurde der Zustellbereich von Aushilfen betreut, die offenbar mit der Arbeit überfordert sind. „Irgendwann haben wir festgestellt, dass die Zustellung montags ausfällt. Das sei der Sommerverteilplan, hat mir mein Zusteller erklärt – im Winter bei minus zehn Grad“, wundert sich Peter Oertel.

Abgesehen davon, dass sich die Oertels darüber ärgern, dass die Post unregelmäßig kommt, machen sie sich auch Sorgen, dass Rechnungen zu spät zugestellt werden. Deshalb wird jetzt von jeder Rechnung eine Kopie gemacht, damit die Zahlungsfristen eingehalten werden können. Besonders ärgerlich ist für das Paar, dass die abonnierte Tageszeitung nicht im Briefkasten liegt. „Die Sonnabendausgabe kam dann entweder am Dienstag oder am Mittwoch“, erzählt Gabriele Oertel angesäuert. Ihre Nachbarin hat ihr Abo für eine wöchentliche Frauenzeitschrift inzwischen gekündigt, „im Kiosk bekommt sie die pünktlicher“.

Ende November hatten die Oertels die Nase voll und gingen in die nächstgelegene Postfiliale. Dort kann man zwar Geld von seinem Postkonto abheben, Briefmarken kaufen und Pakete aufgeben, aber weiterhelfen konnte man dort auch nicht. Stattdessen bekamen die Oertels von dem freundlichen Mitarbeiter die Telefonnummer des Kundenservice Brief in Bonn. Man versprach, sich um das Problem zu kümmern – bisher ohne Erfolg. „Eines Tages lag ein Schreiben im Briefkasten. Darin ein paar Briefmarken und eine offizielle Entschuldigung der Post mit dem Versprechen, dass Briefe, Drucksachen und Karten in Zukunft wieder regelmäßig zugestellt werden würden.“

Ein Lippenbekenntnis, denn nichts änderte sich. „Ganz im Gegenteil, zurzeit bekommen wir nur noch zweimal in der Woche Post – das ist eindeutig zu wenig“, schimpft Peter Oertel. Er ist inzwischen dazu übergegangen, soviel wie möglich telefonisch oder per E-Mail abzuwickeln. Erwartet er offizielle Schriftstücke, setzt er sich ins Auto und holt sie sich persönlich ab, „da habe ich die Sachen wenigstens zeitnah“.

Die Oertels sind keine Krawallmacher und Pedanten. In ihren Augen sind die Zusteller überfordert. „Einer sagte, dass er dauernd für Kollegen, die krank sind, einspringen muss. Kein Wunder, dass er es dann nicht auch noch schafft, bei uns die Post auszutragen“, sagt Peter Oertel. Er hat sogar Verständnis dafür, allerdings wünscht er sich eine bessere Informationspolitik seitens der Post. „Man fühlt sich da schon ein wenig allein gelassen“. Er wäre inzwischen schon froh, wenn er viermal pro Woche Post bekäme: „Heute eingesteckt, morgen im Briefkasten – über diesen Werbespruch kann ich nur lachen.“

Postpressesprecher Martin Grundler kann den Unmut der Oertels durchaus nachvollziehen. „Die Nachfolge des alten Zustellers hat leider nicht so gut geklappt, wie wir geplant hatten“, sagt er. „Wir sind an dem Thema dran.“ Aus seiner Sicht gibt es genügend Zusteller, problematisch sei aber der hohe Krankenstand unter den Mitarbeitern, der zurzeit zu Engpässen führe. Dann müssten Kollegen deren Arbeit mit übernehmen. „Da kommt es schon mal vor, dass die Zusteller ihre Arbeit nicht schaffen“, gibt er zu.

Auf die Weihnachtszeit habe man sich gut vorbereitet. Weihnachtspost und Pakete würden pünktlich ausgeliefert. „Generell gilt, dass Briefe, die am 23. Dezember bis 10 Uhr morgens in den Postfilialen eingehen, am 24. zugestellt werden.“ Wer Sendungen in die europäischen Nachbarstaaten schicken möchte, kann dies bis zum 17. Dezember tun, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass die Post erst nach Weihnachten ankommt. Post in alle anderen europäischen Staaten sollte man bis zum 11. Dezember aufgeben. Weihnachtliche Grüße nach Übersee müssten allerdings in den nächsten Tagen abgeschickt werden, bis zum 5. Dezember kommt alles sicher rechtzeitig zum Fest an.