Harburg

Der Weg ist frei für das Wohnprojekt „Harburger Brücken“

Die seit drei Jahren laufenden Verhandlungen mit dem Chemieunternehmen Brenntag um einen städtebaulichen Vertrag sind jetzt unterzeichnet worden

Harburg . Seit drei Jahren ist verhandelt worden, um im näheren Umkreis des Chemieunternehmens Brenntag, Hannoversche Straße 40, Wohnungsbau zu ermöglichen. Hintergrund der Verhandlungen war die sogenannte Seveso-II-Richtlinie, die für Wohnbebauung einen Sicherheitsabstand von 200 Metern vorschreibt. Die Sicherheitszone blockierte bislang Wohnungsbauprojekte im Gebiet des Harburger Binnenhafens, darunter die Projekte „Harburger Brücken“, „Neuländer Quarree“ oder auch den Bau des B&B-Hotels an der Ecke Karnapp/Theodor-York-Straße. Mit dem 100 Zimmer-Hotelbau ist bereits angefangen worden. Es soll kommendes Frühjahr fertiggestellt sein.

Nun gibt es auch grünes Licht für die anderen Projekte. Die Verhandlungspartner haben in einem städtebaulichen Vertrag die Belange von Chemieunternehmen und Stadtentwicklung unter einen Hut bringen können. Initiator der Verhandlungen war die Aurelis Real Estate GmbH & Co. KG, die das frühere Bundesbahn-Gelände zwischen Schellerdamm, Östlichem Bahnhofskanal, Veritaskai, Karnapp und Hannoversche Straße übernommen und für Bauinverstoren aufbereitet hat. Unter anderem wurden Hochspannungsmasten entfernt und Leitung unterirdisch verlegt.

Aurelis-Sprecher Raik Packeiser erklärt, dass die Vertragspartner DB Netz AG, die P&S Grundstücks- und Verwaltungsgesellschaft, die Brenntag GmbH und die Stadt Hamburg in den jahrelangen Verhandlungen bemüht waren, alle Konsequenzen aus der Störfallkreisverordnung konfliktfrei zu lösen. Packeiser: „Betroffen von der Verordnung sind alle an das Brenntag-Gelände angrenzenden Grundstücke. Bereits in diesem Jahr wird Brenntag den Handel mit Chlor- und Ammoniakgas auf dem Betriebsgelände Harburg einstellen und so die weitergehende Bebauung ermöglichen.“ Und Torsten Wollenberg, Leiter der Region Nord bei Aurelis sagt: „Wir haben ohne juristische Verfahren die unterschiedlichen störfall- und baurechtlichen Themen konfliktfrei beilegen können. Diese Einigung führt dazu, dass unsere Kunden den dringend benötigten Wohnraum wie geplant realisieren können.

Weiterhin, und das freut mich besonders, werden durch unsere Einigung im nordwestlichen Bereich zusätzliche Flächen für den Wohnungsbau nutzbar. Insgesamt haben wir dadurch die Voraussetzungen für den Bau von knapp 400 Wohneinheiten in unserem Projekt Harburger Brücken geschaffen.“

Der städtebauliche Vertrag gibt nun auch der Firma Brenntag Bestandsschutz für ihren Betriebsstandort. Wollenberg erklärt: „Es konnte mit behördlicher Zusicherung festgestellt werden, dass der Betrieb mit der neu entstehenden Nachbarschaft verträglich ist und in Zukunft keine weitergehenden Einschränkungen in seiner Entwicklung erfahren wird.

Von der Einstellung des Handels mit Chlor und Ammoniakgas sind keine Arbeitsplätze betroffen.“ In einer Erklärung heißt es, dass alle Verhandlungspartner konstruktiv an dem komplizierten, teils widersprüchlichen Geflecht aus Verordnungen und Vorschriften zu Baurecht, Emissions- und Lärmschutz gearbeitet haben.“

Harburgs Bezirksamtsleiter Thomas Völsch erklärt: „Für alle Beteiligten besteht jetzt Planungssicherheit. Investitionen im östlichen Binnenhafen sind nun unter Berücksichtigung der ausverhandelten nachbarschaftsrechtlichen Belange möglich. Die insgesamt sehr komplexen Genehmigungsverfahren dürften sich zukünftig deutlich verkürzen.“

Baubeginn für die ersten Wohngebäude soll 2014 sein. Die Sahle Bau will im Bereich Schellerdamm/Theodor-York-Straße 140 Wohnungen errichten. Aurelis hat Grundstücke neben Sahle Bau auch an die Horst Busch Unternehmensgruppe verkauft. Busch will auf einer rund 4.750 Quadratmeter großen Fläche eine Verwaltungszentrale bauen. Weitere Baufelder mit insgesamt 6100 Quadratmetern sind 2013 an das Wohnungsunternehmen Revitalis Real Estate, das den Bau von 140 Wohneinheiten plant, verkauft worden.