Buchholz

Singen mit Familienanschluss

Perfektion und Ideenreichtum: Verleihung des Landkreis-Kulturpreises „Blauer Löwe“ an den Chor „Hittfelder Dutzend“

Buchholz. Vom geistlichen Lied aus der Renaissance über deutsche und schwedische Volkslieder bis hin zu internationalem Pop reicht das Repertoire des gemischten Chors „Hittfelder Dutzend“ – und alle Sparten beherrscht er gleichermaßen gut. Nein, sogar „auf höchstem Niveau", attestierte der emeritierte Leiter der Hamburger Hochschule für Musik und Theater, Prof. Hermann Rauhe, dem Ensemble. Völlig zu Recht habe der Chor den Kulturpreis des Landkreises Harburg, den „Blauen Löwen“ erhalten, sagte Rauhe in seiner Laudatio während der Preisverleihung in der Buchholzer Empore am Mittwochabend.

Die Bandbreite des Repertoires zum einen, die musikalische Präzision auf der anderen Seite hatten die Jury überzeugt. „Ganz ohne Instrumente halten Sie sauber jeden Ton und erzeugen einen gemeinsamen Klang, der unter die Haut geht“, sagte Landrat Joachim Bordt in seinem Grußwort. Er gehörte dem Preisrichtergremium ebenso an wie Redakteure der Medien im Landkreis Harburg, Vertreter kultureller Einrichtungen und der Sparkasse Harburg-Buxtehude. Die stiftete auch das Preisgeld von 2000 Euro. Der Preis wird seit 2006 jährlich in einer anderen Sparte vergeben.

Bordt hob auch die Arbeit des Chorleiters Axel Schaffran hervor, der mit Witz und Charme durch den musikalischen Teil der Preisverleihung führte. „Als ich vor 20 Jahren den Chor übernahm, hieß es ‚sonntags Probe, keine Auftritte...‘ – und jetzt das!“, verriet der Chorleiter. „Ich habe seit Bekanntgabe der Preisvergabe Interviews geführt – im Ganzen drei – und immer wurde ich gefragt: ‚Warum machen Sie das?‘ Nun – aus Freude an der Musik. Wir wollen das Beste aus der Musik machen und solide Arbeit leisten.“ Zugleich gab er sich bescheiden: „Andere Chöre machen das aber auch, und ich würde mich freuen, wenn Sie, liebe Jury, den anderen Chören, die auch weit oben auf Ihrer Liste standen, einen kleinen Tipp geben.“

Das Hittfelder Dutzend besteht längst nicht mehr aus zwölf, sondern 16 Sängerinnen und Sängern, die in ihrem Programm auch in verschiedenen kleinen Besetzungen – wie das „Testosteron-Quintett“ – und auch mal als Instrumentalisten auftreten. Weil der Chor seit 22 Jahren besteht, wird darin schon in zweiter Generation gesungen: Inzwischen sind auch Kinder langjähriger Mitglieder dabei, die Altersspanne reicht von 15 bis 60 Jahren. Das Ensemble ist über die Jahre gemeinsam gewachsen, aber vor allem in der Qualität, nicht bei der Quantität: Denn das Dutzend ist nach Schaffrans Vorstellung die ideale Größe, wobei kleine Abweichungen nach unten oder oben die Praxis waren und sind. Die Sängerinnen und Sänger wohnen nicht alle in Hittfeld, sondern „im Viereck Oldenburg–Hamburg-Eppendorf–Ahrensburg–Bardowick“, haben aber alle einen Bezug zur Gemeinde Seevetal. Daher trägt der Chor auch den Beinamen „Kammerchor für Seevetal und Umgebung“. Das musikalische Konzept besteht nicht nur darin, ein breit aufgestelltes Repertoire zu singen, sondern vor allem darin, dass die Fähigkeiten jedes einzelnen berücksichtigt und gefördert werden. Axel Schaffran beschreibt seine Probenarbeit selbst als „kammermusikalisch-pädagogisch statt orchesterdiktatorisch“ und hält seine Sänger lieber an, „den Text zu lesen“, das „a“ in „schwarz“ auch so klingen zu lassen, statt „in Takt 14 staccato“ abzuverlangen.

Zwei feste Konzerttermine pro Jahr gibt es – im Frühjahr mit dem Schwerpunkt geistliche Musik, im Herbst mit weltlichem Programm, in diesem Jahr zum Thema „Liebe“. Hinzu kommen Auftritte in Gottesdiensten, bei Feiern und öffentlichen Anlässen oder als Gäste bei Konzerten anderer Chöre. Seit zehn Jahren pflegt das Hittfelder Dutzend zudem Kontakte nach Schweden, unterhält eine Partnerschaft mit dem Kirchenchor „gaudium“ der Himmelfahrtskirche Höganäs bei Helsingborg. Bemerkenswert ist, dass der Chor mit kleinem Budget auskommt: Bei Konzerten werden keine Eintrittsgelder verlangt, die Mitglieder zahlen keinen Beitrag, der Chorleiter arbeitet ohne Honorar. Lediglich wenn ein Musiker zur Unterstützung beim Auftritt „eingekauft“ werden muss, wird um Spenden gebeten.