Harburg
Buchholz

Kunst als Liebeserklärung und Lebenshilfe

Das Konzept ist gelungen, dennoch bleibt die Ausstellung im Buchholzer Gewerbegebiet nahezu versteckt. Zu Unrecht, denn hier werden ganz besondere Bilder gezeigt.

Buchholz. Die Brauerstraße liegt so ziemlich in der hintersten Ecke des Buchholzer Gewerbegebiets. Auf dem Weg dorthin muss man an zwei Kreiseln richtig abbiegen, es geht vorbei an Lastwagen, Bürogebäuden, Fabrik- und Lagerhallen. Eine Kunstausstellung ist das letzte, was man in dieser Gegend vermuten würde.

Aber genau die gibt es: „KunstSpuren“ mit Bildern von Christel Hannemann, Hans Kanngießer, Gabriele Stolpe, Volker und Carola Volbeding sowie Marlies E. Weckauf sind bis Dienstag, 17. Dezember, bei der Reha-Aktiv Friedehorst GmbH an der Brauerstraße 1a zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 10 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr, Freitag bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Es ist bei Weitem nicht die erste Exposition, die in den beiden Stockwerken des lang gestreckten, lachsfarbenen Gebäudes gezeigt wird. Seit 2009 schon präsentieren die Aktiven des Buchholzer Kunst-Katalogs hier regelmäßig ihre Werke.

„In den Fluren entsteht durch Wandfarbe und Beleuchtung eine Weite, die es erlaubt, selbst größere Bilder auszustellen. In der Cafeteria und im Treppenhaus finden sogar sehr große Werke Platz. Die Räumlichkeiten sind für Ausstellungen wie gemacht“, begeistert sich Volker Volbeding.

Der 70-Jährige sorgt seit vier Jahren dafür, dass Buchholzer Künstler die Möglichkeit haben, ihre Werke öffentlich zu zeigen. Für die virtuelle Präsentation hat der ehemalige Sonderschullehrer die Homepage www.buchholzkunst.de geschaffen. Die realen Ausstellungen im Rehabilitationszentrum der Friedehorst-Stiftung organisiert der Pädagoge jedes Mal gemeinsam mit seiner Frau Carola.

Für Volker Volbeding ist „KunstSpuren“ dennoch eine Premiere: Erstmals wagt der Hobbykünstler, zehn seiner eigenen Werke zu zeigen. „Er macht die tollsten Sachen“, schwärmt Carola Volbeding mit strahlenden Augen. Anders als ihr Mann ist sie selbst vom Fach: Sie ist studierte Grafik- und Industrie-Designerin und hat sich an der Kunsthochschule Braunschweig auch der Malerei gewidmet.

Wie viel Carola Volbeding — auch künstlerisch — von ihrem Mann hält, beweist eines ihrer Werke. Der Titel: „Stolz und Bewunderung“. Die abstrakte Malerei ist mühelos als Selbstbildnis zu identifizieren.

Neben ihrer großformatigen Liebeserklärung von 2013 hängt nun eine seiner kleineren Kreationen von 1987: „Beschädigt“ hat Volker Volbeding das mit Draht überspannte Ensemble von Spiegelscherben und Farbflächen genannt. „Veränderung“, „Lebenswege“, „Sucht“, „Schutzengel“, „Aufwärts“ – die meisten seiner ausgestellten Werke sind Reflektionen persönlicher Lebenskrisen. Selbst „Der Kuss“ ist nicht frei von Schmerz, wie ein aufgenagelter Handschuh nahelegt.

Malen und Formen ist nur eines von Volker Volbedings zahlreichen Hobbys. „Da ich mich für so vieles interessiere, kann ich fast nichts richtig, aber sehr vieles ordentlich bis ganz leidlich. Beim Malen und Gestalten bremsen mich immer noch und immer wieder meine handwerklichen Grenzen aus“, sagt der ehemalige Hamburger Meister im 100-Meter-Hürdenlauf. Seine sportliche Karriere wurde jäh von einem tragischen Unfall beendet. In der Arena traf ihn ein Diskus zwischen den Augen, zerschmetterte Nasen- und Jochbein. Der damals 18-Jährige überlebte nur knapp. Nach Schicksalsschlägen ganz neu anfangen müssen: Volker Volbeding weiß, wie das ist.

Auch deshalb liegt ihm das Rehabilitationszentrum persönlich nahe. Die Friedemann-Stiftung profitiert von der Aufmerksamkeit, die die Ausstellungen erregen. Die Menschen, die sich hier nach neurologischen Schädigungen durch Unfall oder Schlaganfall auf die Wiedereingliederung ins Berufsleben vorbereiten, erfreuen sich am inspirierenden Wandschmuck. Genau wie die Beschäftigten der umliegenden Betriebe, die hier zum Essen kommen. Und die Künstler sind dankbar für die Gelegenheit, ihre Werke zu zeigen.

Im kommenden Jahr sollen sich noch mehr Kreative beteiligen. „Der Buchholzer Kunstkatalog wird nun endlich zu dem werden, was der Name verspricht.

Es sollen die Daten aller bildenden Künstler aus Buchholz — mit seinen Dörfern Holm-Seppensen, Trelde, Dibbersen, Steinbek, Reindorf und Sprötze — aufgelistet werden. Dann kann sich jeder Weltbürger mühelos über die Aktivitäten der Buchholzer Künstler informieren“, erklärt Volker Volbeding. Wer sich beteiligen möchte, muss lediglich eine elektronische Nachricht an plattform-info@buchholzkunst.de senden.

Erforderlich sind Foto, Adressdaten, E-Mail-Adresse und Homepage. „Es ist nicht nötig, dass schon jetzt jeder eine eigene Homepage hat, aber es sollte gewährleistet sein, dass die persönliche Internetseite noch im Jahr 2014 ins Netz gestellt wird. Bei Fragen dazu geben ich gern Hilfestellung“, sagt Volker Volbeding. Zu Beginn des kommenden Jahres soll die Neuauflage des Buchholzer Kunstkatalogs starten. Anmeldungen nimmt Volker Volbeding entgegen.

Ein rundum gelungenes Konzept. Anschauen lohnt sich. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 10 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr, Freitag bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.