Harburg
Verkehrsinfarkt

Dauerstau wegen A7-Baustellen bringt Spediteure in Not

Auf der Autobahn südlich und nördlich des Elbtunnels sind für die kommenden zehn Jahre zahlreiche Großbaustellen angekündigt. Staus sind zu befürchten und Ausweichverkehre auf innerstädtische Straßen.

Harburg. Mindestens zehn Jahre lang soll an der Autobahn A7 südlich und nördlich der vier Elbtunnelröhren gebaut werden, was Engpässe, Umleitungen und Ausweichverkehre übers Stadtgebiet zur Folge haben wird. Südlich der Elbe, im Bezirk Harburg, sind wegen zu befürchtender innerstädtischer Staus viele Speditionsunternehmer in großer Sorge, weil ihre Terminplanung ohnehin schon durch Staus in ganz Deutschland kaum noch berechenbar ist.

Eines der Unternehmen ist die seit 50 Jahren bestehende Harburger „Heinrich Schmalstieg, Tankwagentransporte und Spedition GmbH“. Seniorchef Johannes Schmalstieg, 74, und sein 46 Jahre alter Sohn, der ebenfalls Johannes heißt, verfügen über einen Fuhrpark von 25 Tanklastzügen sowie zwei Binnentankschiffe. „Deutschland hat es über Jahrzehnte versäumt, die Straßen entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung auszubauen und in einem guten Pflegezustand zu halten“, sagt der Senior.

Und der Junior erinnert an die jüngsten Probleme des Gütergewerbes mit der A7, die durch die Reparaturen an der Rader Hochbrücke über den Nord-Ostseekanal von Sommer bis Herbst entstanden waren. „Wir müssen weite Umwege fahren und stehen in Staus. Das bedeutet für uns Zeit- und Geldverlust, und kein Kunde bezahlt uns dafür.“

Die Firma Schmalstieg fährt mit ihren Tanklastzügen zu den Raffinerien im Gebiet des Hamburger Hafens, um spezielle Schmieröle für Schiffsmotoren und -getriebe abzuholen. Schmalstieg beliefert alle Schiffe direkt, die in den Häfen oder Werften in Norddeutschland, Skandinavien oder auch Polen liegen. Johannes Schmalstieg jr. sagt: „Es ist kaum auszudenken, wenn nun durch die Bauarbeiten auf der A7 auch noch unsere innerstädtischen Verkehrswege verstopfen.“

Wie berichtet soll die südlich des Elbtunnels überwiegend auf Brückenpfeilern durch die Elbmarsch führende A7 mit Stahlunterbau für höhere Belastungen verstärkt werden. Im Bereich der Anschlussstelle Heimfeld, an der Brücke über die Stader Straße, laufen dafür die ersten Vorbereitungen. Es folgt anschließend je Fahrtrichtung der Ausbau von drei auf vier Spuren.

Ebenfalls ist geplant, im Bereich Moorburg die A26 (Hamburg-Stade) voraussichtlich noch Ende dieses Jahrzehnts mit einem Autobahnkreuz anzuschließen. Nördlich des Elbtunnels sind die Überdeckelungen der Autobahn in Vorbereitung. „Das ist ein völliger Wahnsinn“, sagt Schmalstieg sen., „die meisten Autofahrer sind heute schon fix und fertig, wenn sie den Elbtunnel passiert haben. Nun soll die unterirdische Strecke noch länger werden. Das Geld wäre für andere Dinge besser angelegt.“

Frank Wylezol Geschäftsführer des Verbands Straßen, Güterverkehr und Logistik in Hamburg (VSH), sagt, dass Hamburg mit den beiden Autobahnen A1 und A7, mit den Elbbrücken und dem Elbtunnel, das Nadelöhr des Nordens ist und täglich mehr als 130.000 Fahrzeuge auf jeder der beiden Autobahnen Hauptverkehrsstrecken unterwegs sind. Er sagt: „Mit Blick auf die weitere Entwicklung Europas brauchen wir dringend zunächst den Ausbau der A 20 mit einer Elbquerung bei Glückstadt und Stade und anschließend den Bau der A21 von Bargteheide über eine Elbbrücke bei Geesthacht zur A39 bei Winsen.“

Wylezol hat an einer Vorstellung der Zehnjahresplanung für die A7-Bauarbeiten in der Hamburger Handelskammer teilgenommen. Dabei ging es auch um die Ausweichverkehre und die auf die innerstädtischen Straßen zukommenden Belastungen. Er sagt: „Wir haben auch unsere Vorschläge gemacht, wie sich die Verkehrsbelastung möglicherweise verringern ließe.“

Erstens sollten Firmen über weitergehende flexible Arbeitszeiten nachdenken, damit sich nicht alles um die Kernzeiten 8 und 17 Uhr drängt. Und zweitens werde mit den Verkehrsstudios der Hamburger Radiosender an einer Verkehrsvorhersage ähnlich der Wetterprognosen gearbeitet, sodass sich Autofahrer schon früh auf bevorstehende Staus einstellen können und somit rechtzeitig auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

Wylezol: „Innerhalb der Stadt lassen sich auch Wege bis fünf Kilometer Länge zu Fuß zurücklegen. In Firmen ist es ebenso möglich, unter Arbeitskollegen Fahrgemeinschaften zu bilden. Alle diese Möglichkeiten zusammengenommen können dazu beitragen, die zu erwartenden Staus kürzer zu halten, damit die Stillstände des Wirtschaftsverkehrs ins Chaos führen.“