Todtglüsingen

Wenn Grundschüler auf engstem Raum sitzen

Einrichtung in Todtglüsingen wartet seit mehr als zehn Jahren auf einen Ausbau

Todtglüsingen. Wenn Karl-Heinz Müllem den Werkunterricht erteilen will, muss er erst mit den Schülern unter die Erde. In der Grundschule Todtglüsingen werken die Schüler im Keller. Auch der Weg dorthin ist ein kleines Abenteuer. Bevor die Kinder zu dem Raum gelangen, müssen sie vorbei an Leitern, Getränkekisten, an Experimentierkästen und Stühlen, die sich fast bis an die Decke stapeln, und an Feudel, die zum Trocknen aufgehängt wurden. Nicht einmal die komplette Klasse hat in dem kleinen Werkraum, in dem auch die Waschmaschine für die Reinigungskräfte untergebracht ist, Platz. Nur maximal 15 Kinder können hier feilen, sägen und bohren.

Heute bauen die Schüler Vogelkästen. Die Kellerfenster sind weit geöffnet und spenden nur zur Hälfte Licht. Sie zu schließen, versucht der stellvertretende Schulleiter Karl-Heinz Müllem zu vermeiden. „Dann wird’s zu stickig“, sagt er. Die Raumhöhe misst gerade mal 2,30 Meter, sollte aber mindestens zwanzig Zentimeter mehr umfassen. „Eigentlich dürften wir hier gar nicht unterrichten“, sagt Müllem.

Nirgendwo sonst als im Werkraum wird es so gut deutlich, wie dringend die Grundschule Todtglüsingen erweitert werden muss. Gleich nebenan im Keller sieht es auch nicht besser aus: Das Zimmer ist Bücherei, Ess- und Förderraum in einem. Es ist so klein, dass die 48 Schüler, die am Nachmittag betreut werden, in zwei Schichten ihre Mahlzeit zu sich nehmen müssen.

Seit mehr als zehn Jahren wartet die Schulleitung der Grundschule Todtglüsingen auf den versprochenen Ausbau. Die Pläne stecken seit Jahren in der Schublade. Aber zuerst waren andere dran: Die Grundschule in Otter und in Wistedt und zuletzt die Grundschule an der Poststraße in Tostedt. Jetzt scheint die Erweiterung greifbar nahe. Morgen berät der Schulausschuss der Samtgemeinde Tostedt darüber.

Bereits im August gab es eine Entwurfsplanung, die die Verwaltung den Fraktionen vorstellte. Sie sah vor, für 1,4Millionen Euro ein Gebäudeteil der Schule aufzustocken und im ersten Obergeschoss drei Klassenräume und einen Gruppenraum einzurichten. Im Erdgeschoss sollte alles bleiben wie es ist. Doch die Fraktionen waren nicht ganz einverstanden und wollten die Grundschule zunächst einmal besichtigen, um dann eigene Vorschläge zu machen. Die liegen der Verwaltung inzwischen vor und sollen morgen diskutiert werden.

In einem sind sich die Politiker einig: Zu einem Ausbau soll es in jedem Fall kommen. Die Frage ist nur, in welchem Ausmaß und wann. Doch die Schulleitung und die Eltern dulden keine Verzögerung mehr. „Wir brauchen den Raum dringend“, sagt Schulleiterin Evelyn Ohrmann. „ Es muss langsam etwas passieren.“ Soll heißen: In den Sommerferien 2014 sollte es losgehen.

Insbesondere seitdem die Grundschule vor drei Jahren in den Ganztagsschulbetrieb ging, kämpft sie mit der Raumnot. Denn es ist die einzige Ganztagsgrundschule in der Samtgemeinde. Selbst Eltern, die nicht zum Einzugsbereich Todtglüsigen zählen, können ihr Kind auf die Schule schicken, sofern sie nachweisen, dass sie beide berufstätig sind. Vor zwei Jahren wurden zwei Container auf dem Gelände aufgestellt, um so wenigstens etwas mehr Platz für die 220 Schüler zu schaffen.

Jetzt, da sich die Schulen auch verstärkt dem Thema Inklusion widmen müssen, sind die Container so etwas wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn sich die Förderlehrer intensiver mit einem oder zwei Kinder beschäftigen wollen, um sprachliche Defizite aufzuholen, haben sie keine Räume, wohin sie ausweichen können. Dann bleibt ihnen nur die Pausenhalle oder der Keller.

Obwohl die Fraktionen bereits bekundet haben, dass sie den Bedarf zum Ausbau sehen, bleiben die Schulleitung und die Eltern skeptisch. Dass in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses die Finanzierungsproblematik angesprochen wurde, ließ den Schulelternratsvorsitzenden Michael Thiel aufhorchen. Er befürchtet, dass es deswegen und wegen der noch zu klärenden Detailplanung wieder zu Verzögerungen kommen wird. „Viel länger halten wir es aber nicht mehr aus“, sagt Karl-Heinz Müllem.

Der Schulausschuss der Samtgemeinde Tostedt tagt am Mittwoch, 6. November, 18 Uhr im Sitzungsraum, Schützenstraße 26 a, in Tostedt.